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Prozess

Die Suche nach dem Sexfilm

Ein Mann wird beschuldigt, seine Partnerin heimlich beim Sex gefilmt zu haben. Doch vor Gericht taucht das Video nicht auf.
Von Benjamin Weigl

Wann der Prozess fortgesetzt wird, ist noch unklar. Foto: Weigl
Wann der Prozess fortgesetzt wird, ist noch unklar. Foto: Weigl

Neumarkt.Ein delikater Fall hat das Amtsgericht Neumarkt und seinen neuen Richter Dr. Michael Müller am Mittwochmittag beschäftigt. Staatsanwältin Lisa Rackl warf dem 19-jährigen Angeklagten vor, heimlich ein Video von seiner Partnerin während des gemeinsamen Geschlechtsverkehrs angefertigt und später veröffentlicht zu haben. Dies habe den hochintimen und höchstpersönlichen Lebensbereich der Frau verletzt. Das Problem: Der Sexfilm soll über die Handy-App Snapchat verbreitet worden sein. Snapchat ist allerdings dafür bekannt, dass die dort geteilten Inhalte automatisch nach kurzer Zeit wieder verschwinden.

Während der Verhandlung wirkte der junge Angeklagte aus Neumarkt entspannt, aber konzentriert. Er meldete sich allerdings kein einziges Mal zu Wort. Auch die betroffene Frau war vor Gericht nicht anwesend.

Ein Schwur vor Gericht

Stattdessen sagte ein ehemaliger Freund des Angeklagten aus. „Er hat mir das Video gezeigt, auf dem er Geschlechtsverkehr mit seiner Partnerin hat. Man hat nur ihren Rücken und ihre Haare gesehen.“ Er habe sie identifizieren können, obwohl der Angeklagte zu diesem Zeitpunkt ein Verhältnis mit mehreren Frauen gehabt haben soll. Auch habe er verschiedene Details des Zimmers des Angeklagten auf dem Filmmaterial erkannt.

„Ich schwöre hoch und heilig, dass ich das Video gesehen habe.“

Bekannter des Angeklagten, Zeuge vor Gericht

Die Polizei hatte im Frühjahr, als die Aufnahmen entstanden und über Snapchat geteilt worden sein sollen, allerdings kein solches Video auf dem Handy des Beschuldigten gefunden. Des Weiteren konnte sich der Zeuge nicht mehr erinnern, zu welcher Zeit und an welchem Ort er das Video gezeigt bekommen habe. Richter Dr. Müller erinnerte den Zeugen daher an seine Pflicht, die Wahrheit auszusagen. Dieser antwortete, er habe aus seinem früher verbüßten Jugendarrest etwas gelernt: „Ich schwöre hoch und heilig, dass ich das Video gesehen habe.“ Außerdem führte er an, dass weitere Kumpels den Sexfilm gesehen hätten.

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Als zweiter Zeuge lud das Gericht den Vater des 19-jährigen Angeklagten. Er gab an, dass sein Sohn ihm damals versichert habe, dass solch ein Video nicht existiere. „Meine Söhne sagen mir immer die Wahrheit“, schloss er.

Fortsetzung lässt auf sich warten

Abgesehen von dem verschwundenen Video, das vor Gericht als Beweisstück hätte dienen können, bereitete dem Gericht noch ein zweites Detail Schwierigkeiten im Hinblick auf das weitere Verfahren. Der erste Zeuge hatte angegeben, dass die Geschädigte zwischenzeitlich vorgehabt hätte, die Anklage zurückzuziehen.

Nach einer internen Besprechung verkündete der Richter, wie es im Prozess weitergehen soll. Es werde überprüft, ob die Geschädigte an einer Strafverfolgung noch interessiert sei. Außerdem werde nach einem weiteren Mann gesucht, der laut Aussage des ersten Zeugen das Video ebenfalls gesehen haben soll. Schlussendlich stimmte die Verteidigung auch zu, das Handy des Beschuldigten technisch auswerten zu lassen. Wann der Prozess fortgesetzt wird, ist noch unklar.

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