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Neumarkt

Die Welt der 1000 Drohnen

Der Imker Ambros Simson begutachtet mit seinen beiden Schülern seine Bienen. Dabei wird vor allem auf Parasiten geachtet.
Von Christine Riel-Sommer

Der Unterboden des Bienenvolkes wird – teils sogar zweimal wöchentlich – analysiert: Er gibt Rückschlüsse auf die Aktivitäten im Bienenvolk und auf die Herausforderungen, die sie bewältigen müssen. Fotos: Riel-Som,mer
Der Unterboden des Bienenvolkes wird – teils sogar zweimal wöchentlich – analysiert: Er gibt Rückschlüsse auf die Aktivitäten im Bienenvolk und auf die Herausforderungen, die sie bewältigen müssen. Fotos: Riel-Som,mer

Neumarkt.„Heuer hat das Wetter die Bienen leider überholt“, sagt Ambros Simson während er zusammen mit der zwölfjährigen Luzia Hans deren Bienenstock öffnet, um die Waben durchzusehen. Ludwig Härteis ist auch dabei. Jeden Samstag verabreden sich die drei bei Simsons Bienenwagen zur Bienendurchschau.

Was der gebürtige Pilsacher Simson mit „überholt“ meint, erklärt er umgehend: „Es war einfach zu lange so kalt. Daher konnten die Bienen nicht in dem Maße in Brut gehen. Und zur Obstbaumblüte seien die Völker noch nicht entsprechend aufgebaut und angewachsen gewesen, erklärt er bedauernd.

Eher unfreiwillig zum Hobby

Dass er sich mit Bienen beschäftigte, war anfangs nicht ganz freiwillig. Sein Schwiegervater konnte sich 2008 aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr um die Völker kümmern. Also sprang Ambros ein. Inzwischen ist er mit Leib und Seele Imker. „Ich hatte eine gute Ausgangslage“, blickt er zurück: „Zwei Arbeitskollegen waren damals regelrechte Imkerprofis und gaben mir in den Pausen täglich Tipps, was ich während der ganzen Bienensaison zu tun hatte“, schmunzelt er rückblickend. Inzwischen gibt Simson sein Wissen weiter an die Schülerin und den Gymnasiallehrer.

„Letztes Jahr haben Luzi und ich hier im Bienenhaus Königinnen gezeichnet und Ableger sowie Kunstschwärme erstellt, weil ihr Volk so stark wurde und sonst geschwärmt hätte. Da hat es ganz schön gebrummt.“ Das müsse man erst einmal mit Ruhe aushalten können, sagt der erfahrene Imker mit wertschätzendem Blick auf seine beiden Schützlinge und zieht zeitgleich einen Unterboden aus einem Stock zur Analyse. „Hier haben wir die Larve einer Wachsmotte“.

Hier finden Sie weitere Informationen:

Parasiten der Honigbiene

  • Varroamilbe:

  • Sie ist die größte parasitäre Herausforderung für Imker, aber es gibt auch noch weitere Schädlinge.

  • Wachsmotten:

  • Sie gehören zu den Zünslerfaltern. Die Falterweibchen legen ihre Eier in Bienenstöcken ab. Die Raupen der Wachsmotten ernähren sich zuerst vom Bodenabfall wie Pollen- oder Brutrückständen.

  • Ausbreitung:

  • Können sie sich ausbreiten, würden sie auch – je nach Mottenunterart – Waben und Bienenbrut, wie Eier und Bienenlarven, parasitär fressen.

  • Krankheit:

  • Durch den Kot der Wachsmotten können Krankheiten, wie z. B. die Faulbrut von einem kranken auf ein gesundes Bienenvolk übertragen werden.

Jeder Imker habe sie irgendwann, doch keiner wolle sie. Simson analysiert daher zweimal die Woche das Gemüll in den Unterböden, damit sich diese Parasiten nicht ausbreiten können. Heute ist das Gemüll ansonsten gelb. Ein Zeichen dafür, dass die Bienen fleißig Pollen eintragen, was auch an den Pollenhöschen der Sammlerbienen an den Stockeinfluglöchern gut sichtbar ist. Ambros Simson ist zufrieden.

Jeden Samstag treffen sich Hans, Simson und Härteis und besichtigen die Völker mit Umsicht und in Ruhe.
Jeden Samstag treffen sich Hans, Simson und Härteis und besichtigen die Völker mit Umsicht und in Ruhe.

Mit ihren zwölf Jahren ist Luzia die erfahrenere seiner beiden Schützlinge. Seit 2016 begleitet sie Simson. Damals bekam sie in der Lauterhofener Schulimkergruppe keinen Platz, daher bot Simson ihr an, bei ihm imkerliche Praxis zu lernen. In 2017 kam der 41-jährige Ludwig Härteis hinzu und erhielt Luzis Ableger zum Start. Für den Deutsch- und Geschichtslehrer am Gluck-Gymnasium ist das Hobby einfach „eine sinnvolle Beschäftigung in der Natur“. Es sei ein interessantes Kontrastprogramm jenseits des Schreibtischs. „Und spannend ist es“, pflichtet Simson bei, „weil die Bienen machen was sie wollen, da ist wenig planbar“. Damit die Entwicklung der einzelnen Völker nachvollziehbar bleibt, schreibt Simson alles auf.

Ambros Simon zeigt auf die Drohnenbrut. Flach verdeckelt ist dagegen die Arbeiterinnenbrut – darauf zeigt Luzia Hans mit dem Stockmeisel.
Ambros Simon zeigt auf die Drohnenbrut. Flach verdeckelt ist dagegen die Arbeiterinnenbrut – darauf zeigt Luzia Hans mit dem Stockmeisel.

Ausbau der Waben analysiert

Heute analysieren die drei vor allem den Ausbau der Drohnenwaben. Mit einem Reisnagel sind diese Waben markiert und hängen im Stock am Rand des Brutnestes: Denn die Drohnenbrut ist für das Überleben des Bienenvolkes weniger entscheidend und bei Kälteeinbrüchen würden diese äußerlichen Rähmchen als erstes von der sich zusammenziehenden Bienentraube verlassen.

Jetzt in der Schwarmzeit im Mai und Juni können bis zu 1000 Drohnen in einem Volk heranwachsen. Imker nutzen die Drohnenrahmen einerseits, um die Stimmung im Volk erkennen zu können und andererseits zur Varroabekämpfung. Drohnen brauchen mit 24 Tagen drei Tage länger als die Arbeiterbienen zum Schlüpfen. Die gleiche Entwicklungszeit hat auch die Varroamilbe und daher nistet sie sich gerne in der Drohnenbrut ein und wird mitverdeckelt. Eine Drohnenbrut wirkt also wie ein Magnet auf die im Volk lebenden Varroamilben. Deswegen nutzen Imker Drohnen häufig als Varroafalle. Die Konsequenz: Die Arbeiterinnenbrut wird etwas verschont, wodurch sich im Volk mehr gesunde Arbeiterinnen entwickeln können. Ambros Simson ist ansonsten zufrieden mit dem Beschau der Drohnenrahmen.

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