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Dietfurt streitet um neuen Supermarkt

Der Stadtrat hat das Projekt genehmigt, das ein Bürgerbegehren nun kippen will. Die MZ hat sich vor Ort umgehört.
von Bettina Dennerlohr

Bisher hat Edeka eine Filiale im Stadtwesten, die vor kurzem modernisiert wurde.
Bisher hat Edeka eine Filiale im Stadtwesten, die vor kurzem modernisiert wurde.

Dietfurt.Einen Supermarkt in der Nähe ihres Haues zu haben, ist wunderbar, findet Maria Wagner (Name geändert). Die Dietfurter Seniorin nimmt sich regelmäßig ihren Einkaufskorb und läuft zur Edekafiliale im Westen der Stadt. Das Autofahren hat Wagner vor Jahren aufgegeben und so ist der Supermarkt um die Ecke ein Stück Unabhängigkeit für sie. Doch das könnte bald verloren gehen.

Mit knapper Mehrheit hat der Dietfurter Stadtrat am 15. Juli einen neuen Edekamarkt im Stadtosten genehmigt – doch nur wenige Wochen später droht dem Projekt das Aus: Ein Bürgerbegehren unter Schirmherrschaft des Grünen-Ortsverbands hat nach eigenen Angaben mehr als 1100 von etwa 470 benötigten Stimmen gegen den Markt gesammelt und will die Dietfurter in einem Bürgerentscheid abstimmen lassen. Wird der Bürgerentscheid zugelassen, will der Stadtrat seinerseits ein Ratsbegehren initiieren, sagt Bürgermeisterin Carolin Braun auf Nachfrage der MZ: „Wir haben uns darauf geeinigt, dass der Stadtrat zu seinem Mehrheitsbeschluss steht – denn auch wenn es nur eine knappe Mehrheit war, so war es doch eine Mehrheit“.

Die Mitglieder des Stadtrats hätten sich ausführlich mit den Edeka-Plänen beschäftigt. „Es entsteht kein zusätzlicher Supermarkt. Aber Edeka ist der einzige Vollsortimenter im Ort, der nun eine Erneuerung und Vergrößerung anstrebt“, sagt Braun. Der Stadtrat müsse in einem solchen Fall das Wohl des ganzen Ortes im Auge haben: „Wir wollen die Einkaufsstadt Dietfurt attraktiv halten. Wir hatten in den vergangenen Jahren einen enormen Abfluss an Kaufkraft nach Beilngries“, erklärt Braun.

Am geplanten neuen Standort von Edeka im Stadtosten befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft eine Araltankstelle, ein Getränkemarkt und Filialen von Norma und Netto. Damit wären nach einem Edeka-Umzug alle Lebensmittler an einem Punkt. Im Stadtwesten wiederum leben die meisten Bürger – und die könnten nun künftig gezwungen sein, zum Einkaufen immer mit dem Auto durch die komplette Innenstadt zu fahren, befürchten die Kritiker des neuen Marktes.

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„Viele ältere Menschen sind deswegen enttäuscht“, sagt Angeliki Gleixner-Egert, Sprecherin des Grünen Ortsverbandes. Sie befürchtet eine höhere Verkehrsbelastung für die Innenstadt, ein Verkehrschaos im Stadtosten, Flächenfraß am Stadtrand und ein Ausbluten der Innenstadt. Auch Maria Wagner würde, sollte Edeka denn umziehen, künftig wohl mit dem Auto zum Einkaufen fahren. „Ich würde dann wahrscheinlich mit meiner Tochter mitfahren“, sagt die Seniorin. Zusätzliches Verkehrsaufkommen würde sie damit aber wohl nicht produzieren, denn die Tochter fährt schon jetzt regelmäßig zu den Discountern im Stadtosten zum Einkaufen.

„Sollte Edeka umziehen, würde ich wahrscheinlich mit meiner Tochter fahren.“ Maria Wagner, Kundin

Damit ist sie in Dietfurt nicht alleine: Immerhin 40 Prozent aller Kunden der Edeka im Westen fahren anschließend weiter zu einem der Discounter im Osten – diese Zahl haben die Planer im Stadtrat vorgestellt.

Zu ihnen gehört auch eine weitere Edeka-Kundin, die namentlich nicht genannt werden will. Ihre Grundversorgung kauft sie in den Discountern ein, im Vollsortimenter holt sie sich gezielt einzelne Markenprodukte, Getränke und Waren, die sie bei Norma und Netto nicht bekommt. Ein Umzug des Marktes wäre für sie persönlich kein Thema, sagt sie: „Aber für die Älteren, die nicht mehr gut zu Fuß sind oder Auto fahren, wäre es schade. Es ist schon beruhigend zu wissen, dass man in der Nähe einkaufen kann, wenn man es braucht.“

Auf diesem Feld im Stadtosten soll der neue Edeka gebaut werden.
Auf diesem Feld im Stadtosten soll der neue Edeka gebaut werden.

„Wir hatten vor allem auf kreative Ideen für dieses Sahnestück-Grundstück gehofft – etwa im Bereich sozialer Wohnungsbau“, sagt Gleixner-Egert. In der Stadt Dietfurt sei günstiges Bauland Mangelware, an dieser Stelle wäre es aber ohne weiteres möglich gewesen, findet sie.

Das weist Braun allerdings deutlich zurück. „Die Verwaltung hat genau abgeklärt, dass Wohnbebauung hier definitiv nicht möglich ist“, sagt sie. Im Süden umgibt ein Gewerbegebiet die Fläche, im Osten schließt die Staatsstraße an und im Westen ist der Nachbar eine Tankstelle. Wegen des Lärms seien erhebliche Abstandsflächen für Wohnbebauung einzuhalten, sagt Braun: „Wir könnten dort maximal Parkplätze einrichten. Im hinteren Teil wären zwei, drei Häuser möglich, die aber keine Erschließung hätten.“

Bürgerbegehren

  • Zeitrahmen:

    Wenn genug gültige Unterschriften eingereicht werden, hat der Stadtrat vier Wochen Zeit, eine Sitzung abzuhalten. Das will der Dietfurter Stadtrat auf jeden Fall tun, sagt Bürgermeisterin Carolin Braun. Innerhalb von drei Monaten muss dann der Bürgerentscheid umgesetzt werden.

  • Zulassung:

    Ein Bürgerbegehren ist dann erfolgreich, wenn zehn Prozent der Wahlberechtigten dafür unterschreiben. Dietfurt hat etwa 4700 Wahlberechtigte, dementsprechend bräuchte es etwa 470 Stimmen.

  • Landkreis:

    In der Stadt Neumarkt war unlängst ein Bürgerbegehren erfolgreich. Am 26. Mai haben 70,94 Prozent der Neumarkter dafür abgestimmt, dass die Bäume erhalten bleiben. Im November ging es in Pyrbaum um die Erweiterung des Baugebiets „Am alten Forsthaus“. Das Ratsbegehren, dass für die Fortführung der Planung war, setzte sich damals hauchdünn mit nur zwölf Stimmen Vorsprung gegen das Bürgerbegehren durch.

Ein größerer Edeka am neuen Standort hätte laut Braun aber noch einen Vorteil: Sie hofft darauf, dass der Supermarkt dann auch mehr Drogerieartikel anbietet – denn dass sich viele Dietfurter eine Drogerie in ihrer Stadt wünschen, ist kein Geheimnis. Vorerst wird aus diesem Traum aber nichts: „Der Stadtrat versucht das seit Jahren. Aber dm und Rossmann haben beide klar mitgeteilt, dass ihnen Dietfurt als Einzugsgebiet zu klein ist.“

„Wir wollen Dietfurt als Einkaufsstadt attraktiv halten“, sagt Bürgermeisterin Carolin Braun.
„Wir wollen Dietfurt als Einkaufsstadt attraktiv halten“, sagt Bürgermeisterin Carolin Braun.

Tatsächlich teilt Edeka auf Nachfrage der Mittelbayerischen mit, der Supermarkt wolle am neuen Standort einen Schwerpunkt auf Drogerie, Biowaren und regionale Produkte legen: „Mit einer Verkaufsfläche von rund 2000 Quadratmetern wird der neue Markt ein erweitertes Vollsortiment mit über 25000 Artikeln bieten können.“

Kommentar

Der Bürger hat das letzte Wort

Fast dreimal so viele Unterschriften wie benötigt hat die Bürgerinitiative gegen den neuen Edeka-Standort in Dietfurt nach eigenen Angaben gesammelt. Sollte...

Die Frage, ob es für das Unternehmen eine Option wäre, den bisherigen Markt im Westen zusätzlich zu einem neuen Markt im Osten zu betreiben, beantwortet Edeka nur indirekt: Edeka wolle Nahversorgung vor Ort weiter ausbauen und plane deshalb die Verlagerung in den Osten der Stadt, teilt die Pressestelle mit. Grundsätzlich überprüfe Edeka sein Filialnetz regelmäßig auf Optimierungsbedarf: „Märkte werden modernisiert, verlagert, geschlossen und immer wieder werden neue Märkte eröffnet.“ Speziell beim Standort Dietfurt spielten diese Überlegungen eine große Rolle – schließlich sei er für Edeka sehr attraktiv, teilt das Unternehmen mit.

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