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Justiz

Diözese nimmt Missbrauchs-Aussage zurück

Das Amtsgericht Würzburg hat den Streit zwischen dem Neumarkter Bernhard Rasche und der Diözese beendet.
Von Bettina Mehltretter, MZ

Neumarkt. Bernhard Rasche war eines der ersten Missbrauchsopfer im Bistum Würzburg, die ihren Fall im Jahr 2008 öffentlich machten. Der Theologe, der seit sechs Jahren in Neumarkt lebt, machte damals mehrmals Angaben zu den Vorgängen in einem Internat im Landkreis Rhön-Grabfeld. 2008 etwa mailte er ans Gericht: „In einer der ersten Nächte in Lebenhan kroch seine Hand unter meine Bettdecke, als er mein Geschlecht berührte, schlug ich ihm auf die Hand und er zog sich zurück. Mein Nachbar, mit dem ich Kopf an Kopf lag, konnte sich nicht wehren...“ Der beschuldigte Pater gestand wenig später, 16 Schüler missbraucht zu haben. Doch im Laufe dieses Aufklärungsprozesses bezeichneten die Vertreter der Diözese Bernhard Rasche immer nur als Zeuge – nie als Opfer. Dagegen klagte Rasche jetzt vor dem Würzburger Amtsgericht.

Diözese reagiert empfindlich auf Rasches Gastbeitrag

Eine erneute Aussage der Diözese hatte das Fass zum Überlaufen gebracht. Rasche hatte in einem Gastbeitrag in der Main-Post über sexuellen Missbrauch geschrieben – und die Diözese hatte empfindlich reagiert. Deren Pressesprecher hatte dann in einem weiteren Artikel erklärt: „Einen solchen Gastbeitrag sollte besser jemand schreiben, der tatsächlich missbraucht wurde, nicht jemand, der Zeuge war.“ Monatelang versuchte Rasche die Diözese dazu zu bringen, diese Aussage zurückzunehmen. Doch dann entschloss er sich, Klage einzureichen. Denn im Dezember 2013 hatte die Diözese Rasches Anwältin mitgeteilt, dass die Kirche „zur Kenntnis nimmt, dass sich Ihr Mandant nach seiner Einschätzung nicht (mehr) lediglich als Zeuge sexuellen Missbrauchs sieht, sondern vielmehr als Opfer eines solchen Missbrauchs.“

Einigung im Amtsgericht Würzburg

In einem Gütetermin am Mittwoch, der einmal länger unterbrochen werden musste, da sich die Vertreter der Diözese beratschlagen wollten, einigten sich nun Rasche und die Kirche. Amtsgerichtsdirektorin Helga Twardzik teilte der MZ mit, dass die Diözese Rasche dessen „Status als Missbrauchsopfer nicht mehr abspricht.“

Rasche erklärte, er sei zufrieden mit dem Ausgang des Termins – allerdings mit einer Einschränkung: Die Diözese habe vor Gericht erklärt, sie habe ihn „nach damaligen Kenntnisstand“ als Zeuge und nicht als Opfer sexuellen Missbrauchs bezeichnet. Das sei laut Rasche nicht zutreffend: „Die Diözese wusste damals auch schon Bescheid.“

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