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Jubiläum

Doktor Kaiser feiert 100. Geburtstag

Der Mediziner ist mental fit und erzählt aus seinem Leben. Er lebt gemeinsam mit seiner Ehefrau Lilli noch in seinem Haus.
Von Vera Gabler

Dr. Rudolf Kaiser mit seiner Frau Lili und dem Pfleger Rudolf beim Nachmittagskaffee. Foto: Vera Gabler
Dr. Rudolf Kaiser mit seiner Frau Lili und dem Pfleger Rudolf beim Nachmittagskaffee. Foto: Vera Gabler

Parsberg.„Die Jungen können zwar schneller laufen, aber die Älteren kennen die Abkürzungen“ mit dieser Devise blickt Doktor Rudolf Kaiser in diese Tagen auf seinen 100. Geburtstag, den er am Samstag feiern darf.

„Ein außergewöhnlicher Geburtstag von einer außergewöhnlichen Persönlichkeit mit einer außergewöhnlichen Biografie“, stellte der damalige Landrat Albert Löhner vor zehn Jahren zum 90. Geburtstag in seiner Rede fest. Auch zum 100. Geburtstag erfreut sich Rudolf Kaiser noch so guter Gesundheit, dass er feiern kann.

„Ich war auch der erste Notarzt, als wir 1988 den Standort in Parsberg bekamen.“

Dr. Rudolf Kaiser

Es gibt wohl kaum einen Parsberger, der nicht einmal mit Dr. Kaiser in Kontakt kam. Sei es, weil er im Parsberger Krankenhaus auf die Welt kam, während Dr. Kaiser Belegarzt war, oder weil er sein Patient war oder einfach auch als Mitbürger.

Kaffee in der Bücherecke

Das Neumarkter Tagblatt besuchte den Ehrenbürger der Stadt Parsberg in seinem Haus, wo Dr. Kaiser zusammen mit seiner Frau Lili den Lebensabend verbringt. Der sich zur Familie verbunden fühlende Pfleger Robert, er stammt aus Polen, hat wie immer Kaffee gemacht und Kuchen für die Gesprächsrunde in der Bücherecke bereitgestellt. „Heute hat Robert Suppe polnischer Art und ungarisches Gulasch gekocht“, antwortet Ehefrau Lili auf die Frage, was man heute schon erlebt habe. „Was man machen kann, das mache ich auch noch“ kontert auch gleich Dr. Kaiser, denn die beiden schauen ihrem Robert auch gerne in der Küche über die Schulter und kochen gemeinsam.

Dass man mit knapp 100 Jahren nicht mehr alles machen kann, sei klar, wissen die beiden. Lili Kaiser mit 93 Jahren ergänzt, dass man sich einfach zu wenig bewege, man müsste mehr laufen.


Mit 94 noch mit dem Wohnmobil unterwegs

Das Stichwort Beweglichkeit ruft bei dem Ehepaar Kaiser Erinnerungen wach. Was sei man früher gerne verreist, mit dem Wohnmobil sei man regelmäßig in ganz Europa vom Nordkap bis nach Sizilien unterwegs gewesen und das auch noch vor knapp sechs Jahren. Nicht wehmütig, sondern mit den Worten „Wo sollten wir denn noch hinfahren, wir waren doch schon überall“ hatten sie das Wohnmobil abgegeben. Das Auto stehe noch in der Garage und auch der Rasentrac, mit dem Kaiser immer den Garten gepflegt hatte. „Rasen mähen würde ich gerne nochmal“ fällt Kaiser als Wunsch zum Geburtstag ein.

Werdegang von Rudolf Kaiser

  • Kindheit:

    1919 in Bischofsheim geboren, weil der Vater beim Zoll beschäftigt war, gab es viele Ortswechsel. Er wuchs in Schweinfurt Würzburg, Zweibrücken, Saarbrücken und Gemünden am Main auf.

  • Eltern:

    Rudolf Kaiser hatte liebevolle Eltern mit guten grundsätzlichen Einstellungen, erinnert er sich. Der Vater hatte immer Schmerzen an der rechten Hand, die ihm im Krieg abgeschossen wurde. Als Mediziner hatte er gelernt, dass es diesen Phantomschmerz wirklich gibt.

  • Wanderschaften: Stark geprägt wurde Rudolf Kaiser beim Studienseminar Albertinum in München bis zum Abitur. Unangenehme Erfahrungen hatte er bei beim Reichsarbeitsdienst als er ab 20 Jahre mit dem Kriegsgeschehen in Berührung kam. Als prägend bezeichnet er den Fronteinsatz in Russland bei der Luftwaffenfelddivision. Gerne erinnert er sich an die Universitätsstädte Rostock, Graz, Halle, Wien und Innsbruck, sowie der Facharztausbildung als Chirug in Werne/Westfalen. 1947 wurde Rudolf Kaiser in Parsberg sesshaft.

Robert ist es, der die beiden aufzumuntern weiß. „Kaiser ist mental aktiv“ urteilt der Pfleger und erklärt, dass er die beiden bei jedem Schritt begleitet und aufpasst, aber nur hilft, wenn es gewünscht ist.

Als Arzt kam er nach Parsberg

„Beschäftigung hält jung und fit“, das war und ist heute noch das Rezept für den Mediziner selbst. Nach seinem Studium war es sein Wunsch, an einem kleinen Krankenhaus zu arbeiten, erzählt Rudolf Kaiser nun seinen Weg nach Parsberg. 1947 habe er sich bei Dr. Willi Schrettenbrunner in Parsberg um einen Arbeitsplatz beworben.

Vor 69 Jahren, im Jahr 1950, heiratete Dr. Rudolf Kaiser Lili Schrettenbrunner, sie war die Tochter seines Vorgängers. Foto: Rudolf Kaiser
Vor 69 Jahren, im Jahr 1950, heiratete Dr. Rudolf Kaiser Lili Schrettenbrunner, sie war die Tochter seines Vorgängers. Foto: Rudolf Kaiser

Lili Schrettenbrunner habe damals zu ihrem Vater gesagt, er solle den Kaiser von den drei Bewerbern auswählen, bei ihm könne man wenigstens die Schrift lesen. Gesagt getan, als Tochter von Dr. Schrettenbrunner mit der Liebe zu Kaisers Schrift, wurde auch Zuneigung und 1950 wurde geheiratet.

Bis 1992 als Dr. Kaiser mit 73 Jahren in den Ruhestand ging, war er für die Patienten in der eigenen Praxis und als Belegarzt im Krankenhaus Parsberg da. „Ich war auch der erste Notarzt, als wir 1988 den Standort in Parsberg bekamen“ ergänzt er und dass er immer sehr gerne operiert habe. „Zusammen mit den Mallersdorfer Schwestern und die fanden nie Feierabend“ lacht er.

1956 in den Stadtrat eingezogen

Aber nicht nur im medizinischen Bereich machte sich der Jubilar um die Parsberger verdient, sondern auch inder Kommunalpolitik. Er begann seine Laufbahn 1956, als er in den Stadtrat einzog und dort 28 Jahre lang wirkte. 1972 wurde er Kreisrat in Neumarkt und füllte diese Funktion bis 2002 aus. „Ich wollte nicht nur für die Krankheiten da sein, sondern auch für andere wichtige Angelegenheiten“, erklärt er seine Motivation.

Die schwersten politischen Kämpfe hatten er und der damalige Bürgermeister Wolfgang Pöller Ende der 70er Jahre zu bestehen, als die Schließung des Kreiskrankenhauses Parsberg erwogen wurde. Die Stadt Parsberg dankte Dr. Kaiser seinen Einsatz mit der höchsten Anerkennung, die sie zu vergeben hat, nämlich der Ernennung zum Ehrenbürger. 2011 wurde Dr. Kaiser die Landkreismedaille unter anderem für 60 Jahre Dienst beim BRK verliehen, angefangen für unzählige Erste-Hilfe-Kurs bis hin zum Engagement beim Blutspendedienst und der Begleitung von Reha-Sportkursen.

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