MyMz
Anzeige

Essen

Dschungelprüfung in Neumarkt

Dr. Bob’s Insektenküche kommt zum Streetfood-Festival – mit Würmern und frittierten Heuschrecken. Der Ekelfaktor schwindet.
Von Katrin Böhm

Für den kleinen Hunger zwischendurch: eine Heuschrecke. Foto: Wolfgang Kumm/dpa
Für den kleinen Hunger zwischendurch: eine Heuschrecke. Foto: Wolfgang Kumm/dpa

Neumarkt.Wenn Lisa Fitz im Dschungelcamp angewidert eine Handvoll Maden in den Mund steckt, löste das beim Zuschauer vor dem Fernseher bisher meist eine Mischung aus Ekel, Schadenfreude und Wohlgefühl darüber aus, dass er das nicht tun muss. Doch das Geschäft mit den Insekten boomt – in Zeiten, in denen das traditionelle Fleischessen zunehmend als klimaschädlich gilt, umso mehr. Das merkt auch Christian Kohl, Chef von Jack‘s Tasty Foodtrucks – am Sonntag, 29. September, kommt er mit Dr. Bob‘s Insektenküche zum Streetfood-Festival nach Neumarkt.

Seit drei Jahren serviert sein Team aus einem schwarzen Range Rover heraus bei Festivals aller Art Insekten. Der Unterschied zum Dschungelcamp: Sie werden nicht roh oder gar lebendig gegessen, sondern sind gebraten oder frittiert. In Neumarkt dürfen sich neugierige Gourmets (Kohl: „eigentlich ist das was für Feinschmecker“) auf geröstete Mehlwürmer und frittierte afrikanische Wüstenheuschrecken freuen, verfeinert mit Meersalz und Limette, dazu werden verschiedene Dips gereicht.

„Die Leute interessieren sich unheimlich für uns, auch noch nach drei Jahren. Wir sind das Highlight bei jedem Festival.“

Christian Kohl

Das Interesse der Menschen an den Insekten-Gerichten ist ungebrochen, sagt Kohl. „Die Leute interessieren sich unheimlich für uns, auch noch nach drei Jahren. Wir sind das Highlight bei jedem Festival.“ Neugierig seien sie tatsächlich alle, sagt Kohl über die Besucher bei den Streetfood-Festivals.

Lisa Fitz im Dschungelcamp. Ihre Aufgabe: Maden essen. Foto: Handout/dpa
Lisa Fitz im Dschungelcamp. Ihre Aufgabe: Maden essen. Foto: Handout/dpa

Aber überwindet sich dann auch jeder, Insekten zu essen? Nein. Einige schauen bewundernd zu, wie die anderen essen, andere finden es doch zu gruselig. „Aber es gibt immer mehr, die sich trauen“, sagt Kohl. Aktuell, so schätzt er, bleibe jeder fünfte Festivalbesucher bei Dr. Bob‘s Insektenküche nicht nur hängen, sondern esse dort tatsächlich.

Essen: Das könnte Sie auch interessieren:

Agrar

Niederlande erwarten Boom bei Insekten-Produktion

Heuschrecken-Salat und Wurm-Burger? Noch nichts für den täglichen Mittagstisch - aber beim Tierfutter werden Insekten wichtiger und lukrativer. In den Niederlanden steht nun eine der größten Farmen.

Und wer erst einmal isst, der hört nicht auf, ist Kohls Erfahrung. Wer einen gebratenen Mehlwurm gegessen hat, isst auch alle anderen. „Die essen alle die Teller auf – und sind begeistert, dass das supergut schmeckt.“

„Manche sagen, es schmeckt wie Hähnchen.“

Christian Kohl

Für alle, die noch keine Insekten probiert haben, beschreibt Kohl, der die Insekten am liebsten ohne Dip isst, den Geschmack so: nussig und crunchy. „Manche sagen auch, es schmeckt wie Hähnchen.“ Bei Mehlwürmern im Speziellen hat er die Erfahrung gemacht, dass die Leute sie wie Chips essen.

Stilecht: Serviert werden die Insekten aus einem Land Rover Defender. Foto: Jack’s Tasty Foodtrucks
Stilecht: Serviert werden die Insekten aus einem Land Rover Defender. Foto: Jack’s Tasty Foodtrucks

Die Insekten für den Foodtruck werden nicht etwa auf Wiesen gefangen, sondern sind „reine Speiseinsekten“, das heißt, sie werden extra für die Lebensmittel-Branche gezüchtet. Die Insekten, die in Neumarkt angeboten werden, stammen von einer Insektenfarm aus Holland, sagt Kohl.

Insekten statt Protein-Joghurt

Der Unterschied zu Insekten, die es etwa in der Tierhandlung als Futter zu kaufen gibt, sei zum Beispiel, dass der Darm gereinigt sei – die Insekten bekommen 24 Stunden vor ihrem Tod (im Regelfall in der Gefriertruhe) nichts mehr zu fressen. Getrocknet kommen sie bei Dr. Bob’s Insektenküche an, vor dem Essen werden sie komplett durcherhitzt und sind damit „zu 99 Prozent keimfrei“.

Und proteinreich sind sie obendrein – ein weiteres Argument, das den aktuellen Zeitgeist, in dem Protein-Joghurts und Eiweiß-Riegel in jedem Supermarkt für viel Geld wie die warmen Semmeln weggehen, trifft. Denn: Insekten bestehen zu 70 Prozent aus Eiweiß, sagt Kohl.

Eine Handvoll Mehlwürmer, dazu ein paar fritierte Heuschrecken, etwas Limette dazu: Fertig ist der Mixteller. Foto: Jack’s Tasty Foodtrucks
Eine Handvoll Mehlwürmer, dazu ein paar fritierte Heuschrecken, etwas Limette dazu: Fertig ist der Mixteller. Foto: Jack’s Tasty Foodtrucks

Der Renner in Dr. Bob‘s Insektenküche: die „Dschungelprüfung“, bestehend aus Mehlwürmern und Heuschrecken. Ein Teller davon ist „vollkommen ausreichend“ für die tägliche Eiweißzufuhr, sagt Kohl. Wer drei Portionen esse, der habe schon zu viel Eiweiß aufgenommen – was sich im Körper etwa durch einen verhärteten Bauch bemerkbar mache. Abgesehen davon, sei man nach einer Portion wirklich satt, „das ist eine vollwertige Mahlzeit“.

Der Dschungelcamp-Mix kostet 7,50 Euro

Diese kostet Besucher des Streetfood-Festivals in Neumarkt 7,50 Euro. Wer lieber vorsichtiger an die Sache herangehen möchte, kann sich für einen Frucht-Spieß, garniert mit Insekten, heranwagen: Himbeeren, Banane und Schokolade werden zusammen mit ein paar gerösteten Würmern für 3,50 Euro verkauft.

In asiatischen Ländern ist das Essen von Insekten nichts besonderes. Foto: Caroline Bock/dpa
In asiatischen Ländern ist das Essen von Insekten nichts besonderes. Foto: Caroline Bock/dpa

Für völlig unbedenklich hält die Verbraucherzentrale das Essen von Insekten – schließlich sei das in Asien, Lateinamerika und Afrika längst üblich, heißt es bei der Verbraucherzentrale Hamburg. Aufgrund der Nährwerte seien die Insekten sogar empfehlenswert – sie enthielten hochwertiges Protein und Fett und eine günstige Fettsäuren-Zusammensetzung. Die Vitamine B2 und B12 seien teilweise sogar in höheren Mengen enthalten als etwa in Vollkornbrot. Verlässliche Daten zu Vitaminen und Mineralstoffen seien jedoch noch sehr unvollständig.

Keine Insekten selber sammeln

Auch wegen des Insektensterbens müsse sich niemand Gedanken machen, da die Insekten in großen Zuchtanlagen in den Niederlanden, in Frankreich, in Kanada oder Thailand gezüchtet würden. Vom Essen selbst gesammelter Insekten oder solchen aus dem Zoo-Fachhandel oder aus Angel-Geschäften rät die Verbraucherzentrale „aufgrund der fehlenden hygienischen Sicherheit dringend ab“.

Verlosung

  • Probieren gefällig?

    Mit uns kein Problem. Gemeinsam mit Jack‘s Tasty Foodtrucks verlosen wir fünfmal je einen Dschungelprüfungs-Mixteller voller Mehlwürmer und Heuschrecken.

  • Teilnehmen:

    Mitmachen ist ganz einfach – am Donnerstag, 26. September, unter (0 13 79) 88 58 16 (0,50 Euro/Festnetzanruf; Mobilfunk ggf. abweichend) anrufen und Name und eine Telefonnummer hinterlassen, unter der man am Freitag erreichbar ist. Die Leitung ist den ganzen Donnerstag offen. Die Gewinner werden am Freitag telefonisch benachrichtigt.

Beim fünften Streetfood-Festival auf dem Volksfestplatz in Neumarkt wird am 29. September von 12 bis 19 Uhr allerdings auch abseits der Insekten viel geboten - insgesamt werden 20 Trucks und Foodtrailer anrollen, wie die Funtastic GmbH mitteilt. Die Foodtrucks kommen aus ganz Deutschland und werden „einiges anbieten, was man sonst nicht so oft bekommt“ – Burger, Pulled Pork, äthiopische Spezialitäten, tibetische Leckereien, Smoothies, Burritos oder Veganes.

Mit Deutschlands erstem Foodtruck „RibWich“ oder der „Donutfactory“, Europas erstem Donuttruck seien auch echte Größen der Streetfood-Szene vor Ort. Begleitend gibt es Live-Street-Music, eine Hüpfburg, Wasserbälle, Trampoline sowie ein Kasperletheater und einen Biergarten. Der Eintritt ist frei.

Weitere Nachrichten aus der Region Neumarkt lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht