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Bildung

E-Autos fordern die Feuerwehr heraus

Geraten Fotovoltaikanlagen oder Elektroautos in Brand, müssen Bürger wichtige Aspekte beachten, sagt die Neumarkter Wehr.
Von Nicole Selendt

Bayernweit werden Einsatzkräfte im Umgang mit Elektroautos geschult – hier mit einem BMW i3. Foto: Hoppe/dpa
Bayernweit werden Einsatzkräfte im Umgang mit Elektroautos geschult – hier mit einem BMW i3. Foto: Hoppe/dpa

Neumarkt.Auf der Feuerwache in der Florianstraße fängt es an zu pfeifen, klingeln, piepsen. Alarm. Über Funk erfahren die beiden Kommandanten, Stadtbrandinspektor Christian Kürzinger und sein Stellvertreter Roland Ehrnsberger – gerade im Gespräch mit einer Tagblatt-Reporterin – was los ist: In der Altdorfer Straße ist Öl auf der Straße ausgelaufen, die Feuerwehr muss ausrücken. Es dauert etwa zwei Minuten, bis einer der insgesamt mehr als 60 Feuerwehreinsatzkräfte, die die Neumarkter Wehr derzeit aufzubieten hat, auf der Wache eintrifft, sich umgezogen hat und einsatzbereit ist. Kurz darauf kommen drei Weitere. Keine vier Minuten dauert es, bis ein Fahrzeug, bemannt mit fünf Einsatzkräften mit eingeschaltetem Martinshorn und Blaulicht vom Hof fährt.

Einsatzkräfte der Feuerwehr rücken aus: In der Altdorfer Straße ist Öl auf der Straße ausgelaufen. Foto:Selendt
Einsatzkräfte der Feuerwehr rücken aus: In der Altdorfer Straße ist Öl auf der Straße ausgelaufen. Foto:Selendt

Schulungen und Lehrmaterial

Das ist Tagesgeschäft. Nichts Außergewöhnliches. Alles läuft ganz automatisch, jeder weiß, was er zu tun hat. Aber ist das auch so, wenn etwas nicht so Alltägliches passiert? Wenn zum Beispiel ein Auto mit alternativem Antrieb in einen Unfall verwickelt ist – ein Gas- oder Elektrofahrzeug. Wenn ein Haus mit Photovoltaikanlage auf dem Dach lichterloh brennt. Kürzinger sagt, die Neumarkter Feuerwehr sei darauf vorbereitet. Zumindest theoretisch. Denn viele E-Fahrzeuge sind in Neumarkt noch nicht unterwegs.

Weniger als ein Prozent aller zugelassenen Pkw im Landkreis Neumarkt fährt elektrisch.

Kürzinger kann sich an einen Unfall mit einem gasbetriebenen Fahrzeug erinnern, bei dem er dabei war. Lehrmaterialien der Staatlichen Feuerwehrschule Würzburg beschäftigen sich eingehend mit dem Thema, die Einsatzkräfte aus Neumarkt kennen sie.

Ehrnsberger sagt, dass es in Zeiten alternativer Antriebe bei einem Verkehrsunfall vor allem auf die Informationsbeschaffung ankomme. „Öffnet man den Tankdeckel eines verunglückten Autos, kann man oft schon erkennen, mit welchem Fahrzeug man zu tun hat“, erklärt er. Zwei Einfüllstutzen weisen auf ein gasbetriebenes, ein Stecker auf ein Elektrofahrzeug hin. Das Fehlen eines Auspuffs deutet ebenfalls auf einen alternativen Antrieb hin.

Auch Kreisbrandrat Anton Bögl gibt Entwarnung. Die Feuerwehren im ganzen Landkreis bilden sich laufend weiter – auch bei dieser Thematik. Die Feuerwehrschulen in Würzburg, Regensburg und Geretsried böten Schulungen an, bei denen die Feuerwehrleute direkt an einem E-Fahrzeug lernen könnten. Dieses Wissen nähmen sie mit heim und gäben es zuverlässig weiter, sagt Bögl. Der Kreisbrandrat erinnert sich an einen Unfall zwischen Greisselbach und Mühlhausen, in den ein Elektrofahrzeug verwickelt gewesen sei. Sollten Einsatzkräfte doch nicht feststellen können, ob es sich bei dem verunglückten Fahrzeug um ein E-Auto handelt, bleibe immer noch die Rettungsleitstelle. Die könne über das Autokennzeichen und anschließend einen sechsstelligen Code den Fahrzeugtyp feststellen und der Feuerwehr vor Ort Gewissheit verschaffen.

Regeln schützen Einsatzkräfte

Für den Umgang mit Photovoltaikanlagen gilt laut Kürzinger das gleiche, wie für E-Autos. Die Neumarkter können damit umgehen. Denn: Egal, ob das Feuer nun von der Anlage selbst ausgeht, oder durch den Hausbrand erst Feuer gefangen hat. Die Einsatzkräfte gehen grundsätzlich immer davon aus, dass sie unter Strom steht. Und damit gilt es, diejenigen Regeln einzuhalten, die beim Umgang mit Strom immer gelten – PV-Anlage hin oder her. Bögl ergänzt: Speziell im Auge behalten müsse man das hohe Gewicht der Module. Stünde ein Haus in Flammen, könnten diese herabfallen und unten stehende Personen verletzen. Das gelte aber für Dachziegel auch, sagt Ehrnsberger und verweist erneut darauf, dass es für die Einsatzkräfte Regeln gibt, die sie vor herunterfallenden Gegenständen – egal welchen – schützen.

Neumarkts Stadtbrandinspektor Christian Kürzinger hält während des Einsatzes über Funk Kontakt zu den Einsatzkräften, die ausgerückt sind. Foto: Selendt
Neumarkts Stadtbrandinspektor Christian Kürzinger hält während des Einsatzes über Funk Kontakt zu den Einsatzkräften, die ausgerückt sind. Foto: Selendt

Ohnehin rät Bögl den Besitzern von Photovoltaik-Anlagen, turnusmäßig einen Elektriker zu bestellen und die Kabel überprüfen zu lassen. Denn auch, wenn eine Anlage auf eine Nutzungsdauer von vielen Jahren ausgelegt ist – ein Marder könnte die Kabel beschädigt haben und der Auslöser für einen Brand sein. So wie im Frühjahr 2018 in Stauf. Die Feuerwehr habe ausrücken müssen, weil an einer Anlage Kabel zu schmoren begonnen hatten.

Die Feuerwehr Neumarkt

  • Status:

    Die Feuerwehr Neumarkt ist keine Berufsfeuerwehr. Sie besteht aus etwas mehr als 60 aktiven Einsatzkräften. Rückt sie aus, tut sie das als Freiwillige Feuerwehr.

  • Zusammenarbeit:

    Darüber hinaus gibt es zehn Stadtteilfeuerwehren. Und damit in Neumarkt insgesamt mehr als 450 aktive Feuerwehreinsatzkräfte. Brennt es, gibt es gegenseitige Unterstützung.

  • Bereitschaft:

    Die Feuerwache in der Florianstraße ist rund um die Uhr, sieben Tage die Woche besetzt – mit hauptamtlichen Kräften, die bei der Stadt Neumarkt beschäftigt sind.

  • Alltag:

    Die Hauptamtlichen kümmern sich im Schichtdienst um die Fahrzeuge und Gerätschaften, reinigen Kleidung, pflegen Schläuche und erledigen Arbeiten, die am Gebäude anfallen. Bald sind sie zu zehnt.

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