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Region Neumarkt
Donnerstag, 16. August 2018 27° 1

MZ-Serie

Ehrenamtliche helfen wie gute Nachbarn

16 Gruppen im Landkreis Neumarkt unterstützen Bedürftige bei Notfällen im Alltag. Doch den Helfern fehlt der Nachwuchs.
Von Bernhard Neumayer

Die Nachbarschaftshilfen mähen nicht nur den Rasen, sondern sind immer da, wenn Bedürftige Unterstützung brauchen. Foto: Wittek/dpa
Die Nachbarschaftshilfen mähen nicht nur den Rasen, sondern sind immer da, wenn Bedürftige Unterstützung brauchen. Foto: Wittek/dpa

Landkreis.Wenn Karin Larsen-Lion nach den Aufgaben der Nachbarschaftshilfen gefragt wird, antwortet die Koordinatorin der Nachbarschaftshilfen im Landkreis Neumarkt wie aus der Pistole geschossen und vergleicht die Gruppen mit einer sozialen Feuerwehr: „Wir sind da, wenn es brennt.“

Damit meint Larsen-Lion natürlich nicht das Löschen eines Feuers, sondern die kleinen Probleme, die sich vor allem älteren Menschen im Alltag stellen. Die 16 Nachbarschaftshilfen im Landkreis unterstützen ehrenamtlich im Haushalt, beim Einkaufen, bei der Gartenarbeit oder fahren Senioren zum Arzt. Nur die Fahrtkosten muss der bedürftige Anrufer bezahlen. „Wir sind aber kein Dauerdienst, der jeden Montag zum Putzen kommt“, betont Larsen-Lion. Sie sieht die Nachbarschaftshilfen als ein „Notfall-Unternehmen“. Deshalb nehme sie auch nicht jeden Auftrag an. Nur wenn die Person tatsächlich bedürftig ist, werde ihr geholfen.

Karin Larsen-Lion ist die Koordinatorin der Nachbarschaftshilfe im Landkreis Neumarkt. Foto: Neumayer
Karin Larsen-Lion ist die Koordinatorin der Nachbarschaftshilfe im Landkreis Neumarkt. Foto: Neumayer

Pfälzerin war Initiatorin

Den ersten Auftrag nahm die Pyrbaumer Nachbarschaftshilfe 1997 an. Larsen-Lion ist eine der Gründerinnen der ersten Gruppe im Landkreis Neumarkt. Edith Hutter hatte damals die Idee einer Nachbarschaftshilfe. Sie zog aus der Pfalz nach Pyrbaum und fragte im Gemeindeblatt nach personeller Verstärkung. Die bekam sie nicht nur von Larsen-Lion.

Auch Gertrud Schuster meldete sich auf die Anzeige, weil sie alten Menschen helfen wollte, wie sie sagt. Früher habe sie bei Senioren im Haushalt geholfen, später Patienten zum Arzt gefahren. Heute ist sie gesundheitlich eingeschränkt. Die Arbeit will sie dennoch nicht aufgeben. Deshalb organisiert sie als Leiterin die Pyrbaumer Nachbarschaftshilfe. Sie habe vor allem Spaß gehabt, wenn sie Kinder betreuen durfte. Aber auch vor anderen Aufgaben scheute sie sich nicht, betont aber, dass es schwer gewesen sei, einen Auftrag abzulehnen: „Auch wenn es manchmal Tage gab, an denen man keine Lust hatte – ein ‘Nein’ kam für mich nicht infrage.“ Sie habe sich in gewisser Weise gegenüber den Älteren verpflichtet gefühlt.

Zahlen, die das Altern der Bevölkerung in Stadt und Landkreis Neumarkt belegen, sehen Sie in diesem Video:

Die Menschen im Landkreis werden immer älter

Larsen-Lion sagt aber, dass jeder Ehrenamtliche nur so viel helfen solle, wie er zeitlich schaffe und wolle. In der Realität sieht es manchmal anders aus – auch, weil den Nachbarschaftshilfen der Nachwuchs fehle, wie Larsen-Lion selbst sagt. Ein weiteres Problem für die Nachbarschaftshilfen im Landkreis sei die Hemmschwelle bei den Bedürftigen. „Gerade ältere Herren schämen sich, wenn sie Hilfe brauchen.“ Andere haben laut Larsen-Lion Angst, fremden Helfern Zutritt in die eigene Wohnung zu gewähren.

Parsberg hinkt hinterher

Dass bei dem eigentlichen positiven Ansatz, Senioren zu helfen, noch nicht alles funktioniert, zeigt auch die Parsberger Gruppe, die Rosalie Wagner mit Unterstützung von Christian König leitet. Diese Nachbarschaftshilfe habe in den vergangenen zwei Monaten gerade einmal fünf Einsätze gehabt. „Ich weiß nicht, woran es liegt“, sagt Wagner. Mit Werbung will sie die Bürger auf die Nachbarschaftshilfe aufmerksam machen. Sie sei zuversichtlich, dass die Parsberger Gruppe bald wieder mehr Aufträge bekomme. „Die älteren Leute liegen mir einfach am Herzen“, begründet sie ihr ehrenamtliches Engagement.

Den gleichen Beweggrund nennt auch Rudolf Kraus. Er hilft seit gut 15 Jahren bei der Pyrbaumer Nachbarschaftshilfe mit.

MZ-Serie: Gesund im Alter

  • Anlass:

    In der Serie zeigt das Tagblatt, wie man gesund älter werden kann. Sie lehnt sich an eine Kampagne des Gesundheitsministeriums zum Thema „Gesund im Alter“ an.

  • Fortsetzung:

    Am 26. Mai lesen Sie, wie man auch im Alter fit bleibt. Die Serie erscheint immer am letzten Samstag im Monat.

Selbstverständlich ist das nicht, zumal er bis zu seinem Ruhestand 2015 sechs Jahre als Polizeipräsident der Oberpfalz sehr eingespannt war. Wenn er keinen Dienst hatte, habe er Patienten zum Arzt gefahren. „Im Vergleich zu anderen Ehrenamtlichen habe ich aber wenig gemacht“, bleibt Kraus bescheiden. Er wolle sich nicht herausheben, sondern sei nur einer von vielen Helfern gewesen.

Doch genau auf die kommt es an, wenn ältere Menschen oder junge Familien Hilfe benötigen. Interessierte Helfer können sich per Mail bei Larsen-Lion unter larsen-lion@reginagmbh.de melden. Denn nur dann kann die soziale Feuerwehr auch weiterhin ausrücken, wenn es brennt.

Lesen Sie hier einen weiteren Teil der Serie: Ein Netz fängt pflegende Angehörige auf.

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