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Politik

Ein 25-Jähriger stellt sich der EU-Wahl

Der Seubersdorfer Stefan Schmid ist ein Europa-Verfechter. Für die Wahl bleibt er realistisch – und hat trotzdem Visionen.
Von Benjamin Weigl

Vor Kurzem hat Stefan Schmid noch Brüssel besichtigt – für’s Gespräch kehrte er zurück nach Neumarkt. Foto: Benjamin Weigl
Vor Kurzem hat Stefan Schmid noch Brüssel besichtigt – für’s Gespräch kehrte er zurück nach Neumarkt. Foto: Benjamin Weigl

Neumarkt.Stefan Schmid kommt in Sakko und Jeans zum Gespräch. Jugendlich und lässig wirkt der Politiker, doch gleichzeitig auch seriös. Denn die Themen, die der 25-jährige Seubersdorfer transportieren will, sind ihm sehr ernst. Als junger CSU-Ortsvorsitzender der 5000-Seelen-Gemeinde hat ihn vor einigen Monaten Albert Deß angesprochen. Landkreisbürger Deß (CSU) hat sich in diesem Jahr nach 28 Jahren aus dem Europaparlament zurückgezogen und war damals auf der Suche nach fähigen Kandidaten aus der Neumarkter Region. Stefan Schmid sagte schließlich zu, für die EU-Wahl am 26. Mai anzutreten. Damit begann für Schmid vor allem eines: Das Werben für mehr Europa. „Denn ohne Europa werden wir nicht mehr auskommen“, sagt er.

Wer einen Austritt wirklich will – ich sag mal, dem geht’s gedanklich nicht ganz gut.“

Stefan Schmid (CSU)

Der Versicherungskaufmann Stefan Schmid mache sich keine großen Hoffnungen, wirklich einen Platz im Parlament zu ergattern. „Mir ist klar, dass die Chancen relativ gering sind. Aber mein Ziel ist es nicht, ins EU-Parlament zu kommen – sondern zu erreichen, dass sich die Leute wieder mehr für Politik interessieren“, sagt er. Im Interview mit dem Tagblatt präsentiert er sich als Verfechter eines gemeinsamen Europas: „Man ist Europäer, aber die Frage ist, ob man es auch im Kopf und im Herzen hat“, sagt Schmid. „Wenn Deutschland oder Frankreich aus der EU aussteigen würden, wäre es auch vorbei mit dem Frieden hier. Wer einen Austritt wirklich will – ich sag mal, dem geht’s gedanklich nicht ganz gut.“

Freundin sieht ihn in der Zeitung

Straßburg: Blick auf das Europa-Parlament. Foto: Patrick Seeger/dpa
Straßburg: Blick auf das Europa-Parlament. Foto: Patrick Seeger/dpa

Der Friedensgedanke ist einer der drei großen Themen, mit denen Stefan Schmid im Wahlkampf aufrütteln möchte. Dass in Europa für so lange Zeit Frieden herrsche, sei nicht selbstverständlich, sagt er. Schmid spielt dabei auch auf die Zeit der Weltkriege an: „Wir brauchen Europa, damit so etwas wie damals nicht mehr passiert.“ Extremen politische Bewegungen, sowohl nach rechts, als auch nach links, betrachtet Schmid skeptisch. „Wer das Feuer nicht kennt, kann es nicht löschen“, sagt er.

Seit vielen Wochen rührt Schmid deshalb die Werbetrommel im Landkreis. Für die EU-Wahl und für seine CSU. Mit geballter Faust erzählt er davon, wie wichtig es aus seiner Sicht ist, am 26. Mai wählen zu gehen. „Ich will am Ende nicht sagen müssen, ich hätte mehr machen können.“ In den verbleibenden Tagen bis zur Wahl gehe es jetzt raus zum Haustürwahlkampf und zu den Infoständen in den Orten. Seine freien Tage in den vergangenen paar Wochen kann der 25-Jährige an einer Hand abzählen. „Meine Freundin wurde vor Kurzem gefragt, ob sie mich denn überhaupt noch sehe. Und sie hat ganz trocken geantwortet: Ja, ich lese doch Zeitung.“

Die Europawahl

  • Termin:

    Am 26. Mai wird hierzulande gewählt. In anderen Ländern wird aufgrund von Wahltraditionen teilweise ab dem 23. Mai gewählt.

  • Wahl:

    41 Parteien treten zur Wahl an – 39 davon in allen Bundesländern. Wahlberechtigte können nur eine Stimme abgeben, Kandidaten werden nicht direkt gewählt.

  • Themen:

    Mit welchen Positionen der Parteien Sie übereinstimmen, können Sie online mithilfe des „Wahl-O-Mats“ überprüfen.

Indirekt denkt er schon ans Aufhören

Stefan Schmid (CSU). Foto: Weigl
Stefan Schmid (CSU). Foto: Weigl

Schmids zweites Wahlkampfthema dreht sich um die Außen- und Sicherheitspolitik in der EU. „Wenn wir in Europa uneins sind, können wir die großen Aufgaben nicht bewältigen. An einer gemeinsamen europäischen Armee führt daher kein Weg vorbei.“ Er denkt dabei auch an die Wirtschaft. Zusammen könne sich die EU gegen Russland und China behaupten, gleichzeitig aber auch mit diesen Ländern besser zusammenarbeiten. Das ziehe sich durch bis zur Digitalisierung – bei diesen Entwicklungen solle man nicht von China abhängig sein. Kritisch blickt Schmid auf die Amerikaner: „Lange Zeit konnten wir uns auf sie verlassen, aber Trumps Wiederwahl ist nicht ausgeschlossen. Oder es kommt ein Trump-Trump als Nachfolger.“

„Meine Freundin wurde vor Kurzem gefragt, ob sie mich denn überhaupt noch sehe. Und sie hat ganz trocken geantwortet: Ja, ich lese doch Zeitung.“

Stefan Schmid (CSU)

Trotz seiner erst 25 Jahre denkt der CSU-Ortsvorsitzende indirekt schon an’s Aufhören. „Ich frage mich schon, wann hört man wieder damit auf? Denn wenn ich mal 20 Jahre drin bin, kommt so schnell kein Junger mehr nach“, sagt er. Dass Jüngere in der Politik schneller nachrücken, sei ihm wichtig. Lachend fügt er aber hinzu, das Amt nun doch erst einmal für längere Zeit ausüben zu wollen. Mit 23 wurde er in Seubersdorf zum Vorsitzenden gewählt. Nun ist er mit unter den jüngsten Kandidaten für die EU-Wahl. „Das macht mir riesig Freunde.“

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Strauß als politisches Vorbild

Um die Landwirtschaft, die beim Volksbegehren für Artenvielfalt Schmid zufolge „vergessen wurde“, dreht sich dessen dritte Wahlkampf-Säule. „Es kann nicht sein, dass Landwirte alles ausbaden müssen. Wir brauchen Landwirtschaft im ländlichen Gebiet, und vor allem kleine und mittlere Betriebe müssen gefördert werden.“ Allgemein wirbt er für regionales und nachhaltiges Einkaufen beim örtlichen Bäcker oder Metzger.

Auch Manfred Weber (CSU), der Spitzenkandidat der Europäischen Volkspartei (EVP) und Kandidat auf den Posten des Kommissionspräsidenten, ist für Schmid ein wichtiger Grund, bei der Wahl seine Partei zu unterstützen. „Ich glaube, das ist eine historische Chance auf ein neues Wir-Gefühl. Wir als Bayern waren schon einmal Papst, aber noch nie an der Spitze Europas“, sagt Schmid. Als politisches Vorbild begleite ihn Franz Josef Strauß durch den Wahlkampf: „Bayern als Heimat, Deutschland als Vaterland, Europa als Zukunft – das stimmt damals wie heute.“

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