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Gericht

Ein Frust-Rausch mit Folgen

Ein 23-Jähriger schlug und beleidigte Polizisten. Eine einjährige Freiheitsstrafe wird in Neumarkt zur Bewährung ausgesetzt.

Die Verhandlung fand in Neumarkt im Amtsgericht statt. Foto: Benjamin Weigl
Die Verhandlung fand in Neumarkt im Amtsgericht statt. Foto: Benjamin Weigl

Neumarkt. Nicht weniger als fünf Tatbestände, die im Gesetzbuch unter Strafe gestellt sind, erfüllte ein 23-jähriger Lagerist bei seinen Taten am 10. November vergangenen Jahres. Dafür musste er sich nun vor dem Neumarkter Amtsgericht verantworten.

Um 1.45 Uhr war er mit seinem Auto – alkoholisiert – gegen eine Straßenlaterne geprallt. 1000 Euro Schaden hatte er – ausgestattet mit 1,59 Promille – dort hinterlassen. Ohne sich um den Schaden zu kümmern, hatte er die Unfallstelle verlassen. Als er später hierhin zurückkehrte, beobachtete er einen Mann, der mit einem Mobiltelefon Fotos machte. Der Angeklagte hat diesen ins Gesicht geschlagen und gegen ein Auto gedrückt, zu Boden gebracht, sich auf dessen Brust gekniet und erneut auf diesen eingeschlagen. Ein weiterer Mann – wie sich später herausstellte der zweite Polizist – kam zur Unfallstelle und zeigte seinen Ausweis. Der 23-Jährige bedachte jedoch auch diesen Mann mit „Watschn“. Zuvor habe der Angeklagte darum gebeten, dass sich der als Polizist Ausgewiesene entfernen solle.

Ausdruck „Bulle“

Als der 23-Jährige, begleitet vom zweiten Polizisten, zur Seite ging, um zu urinieren, beleidigte er diesen unter anderem mit dem Ausdruck „Bulle“. Zu verantworten hatte er sich damit für Trunkenheit im Verkehr, unerlaubtes Entfernen vom Unfallort, Körperverletzung, Widerstand und tätlicher Angriff gegen Vollstreckungsbeamte sowie Beleidigung.

Wie so oft, erscheine auch hier bei näherem Hinsehen alles ein wenig anders. Es gebe nämlich, wie es der Pflichtverteidiger formulierte, eine „Geschichte hinter der Geschichte“. Der Verteidiger habe den Fall ausführlich mit dem Angeklagten besprochen. Dabei habe sich herausgestellt, dass der 23-Jährige bereits seit sechs Jahren Probleme mit seiner Ex-Freundin habe, mit der er auch einen sechsjährigen Sohn hat. Am Tag der Taten habe der Angeklagte, so schilderte es der Rechtsanwalt, wieder besonderen Stress mit seiner Ex-Freundin gehabt.

Mit Auto gegen Lampe

Der Sohn hatte Geburtstag, der Vater wollte ihm eine Freude machen und mit ihm zu einem Indoor-Spielplatz fahren, was die Ex-Freundin aber nicht erlaubte. So habe der Angeklagte „tiefen Frust“ gehabt und „sich volllaufen lassen.“ Eigentlich habe er beim Sohn auch übernachten wollen, dann aber wollte er weg. Bei der Abfahrt sei er schon nach ein paar Metern mit dem Auto gegen die Lampe geprallt. Es sei eine „Kurzschluss-Reaktion“ gewesen, bekräftigte der Anwalt.

Auch wenn er all diese Hintergründe ins Kalkül ziehe, so musste Richter Rainer Würth dem 23-Jährigen dennoch mitteilen, dass es „fünf vor zwölf“ sei, zumal er kurz zuvor auch noch wegen eines „Blödsinns“ – nämlich ein Diebstahl – vor Gericht gestanden hatte. Auf ein Jahr und zwei Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung sowie 600 Euro Geldauflage plädierte die Staatsanwaltschaft unter Berücksichtigung der problematischen Lebensverhältnisse des Angeklagten. Auf ein Jahr Freiheitsstrafe lautete schließlich das Urteil. Der Führerschein wird vorläufig eingezogen, die Bewährungszeit beträgt drei Jahre. Eine neue Geldauflage sei „Quatsch“, weil der Angeklagte noch an den juristischen Folgen des Diebstahls zahle, so das Gericht. (ngs)

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