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Ein großes Wagnis: Das Langhaus wird rekonstruiert

Nur in der nachgemachten Wirklichkeit ist das Erleben möglich.
Von Johann Grad

Das mächtige bronzezeitliche Langhaus, bewacht von einem Krieger.
Das mächtige bronzezeitliche Langhaus, bewacht von einem Krieger.

Im Jahr 2004 war es soweit. Nach vielen theoretischen Überlegungen, wie so ein großes Projekt zu stemmen ist, beschloss die Vorstand der Alcmona, in die Praxis einzusteigen und ein Gebäude, auch als Anschauungsobjekt, zu errichten.

Nachdem man als Standort ein Grundstück am Fuß des Wolfsbergs ins Auge gefasst hatte, aber nicht so geeignet erschien, legte man sich auf das Gelände bei der Schleuse 14 fest. Auch Professor Martin Schmidt fand die Lage sehr geeignet, auch weil mit einem Stück des Ludwig-Kanals das Element „Wasser“ in das Vorhaben eingebaut werden könne. Die Stadt Dietfurt, das Landratsamt und andere Behörden gaben ihren Segen und der „Hausbau“ konnte beginnen. Ein großes bronzezeitliches Langhaus sollte errichtet werden, um zu testen, welche Nutzungsarten möglich sind und ob diese von Besuchern angenommen werden.

Als Materialien brauchte man Holz, Lehm und Stroh. Bäume, gestiftet von der Stadt, wurden gefällt, entastet und zum Bauplatz transportiert, Lehm aus einer Baugrube brachte ein Lastwagen und Stroh kam von einem Bauern. Der Platz neben dem Ludwigskanal wurde hergerichtet und planiert, der Grundriss ausgesteckt und die Pfostenlöcher markiert. An vielen Wochenenden arbeiteten freiwillig tüchtige und interessierte Vereinsmitglieder. Sie bauten die Stämme in die Löcher ein und hoben darauf andere Hölzer, die Zimmerermeister Friedrich Pöppl in alter handwerklicher Technik mit einander verband. Es wurde gesägt und gebohrt und kräftige Arme schlugen lange und starke Eichennägel ein.

Keinen Nagel aus Eisen oder Metallbänder verwendete der Fachmann. Die Sparren für das Dach hob ein Kran hinauf und bald stand das „Gerippe“ des bronzezeitlichen Langhauses. Halbierte Rundlinge bildeten das Dach, das weitere Helfer mit über 9000 Schindeln von etwa ein Meter Länge eindeckten. 18 000 kleine Eichennägel halten die Schindeln fest. Nägel und Schindeln wurden alle in Handarbeit hergestellt. In die Fächer zwischen den Seitenstämmen kam Flechtwerk aus dicken Ästen und dünneren Zweigen. Hier halfen Schulklassen und hatten viel Freude bei der handwerklichen Arbeit. Aus nassem Lehm-Stroh-Gemisch entstanden nach und nach die Wände. Auch hier waren Klassen aus Mittel- und Realschule und sogar vom Gymnasium Neumarkt dabei, hatten keine Scheu vor dem „Dreck“, arbeiteten tüchtig und staunten, wenn sie eine Wand geschafft hatten.

Richtfest konnte gefeiert werden, eine Mannschaft Archäologen der Grabungsfirma Adilo zimmerte die Eingangstüren und ein Gruppe Menschen mit Behinderung fertigte den ersten Lehmofen. Zimmerermeister Pöppl baute eine breite Treppe ein und auf ihr gelangt man gut in den Dachraum. Ein großes Gemeinschaftswerk war entstanden, viele Leute hatten mitgeholfen, Handwerker und Hilfsarbeiter, jeder hatte seine Aufgabe. Und alle staunten zum Schluss, welch großes und stattliches Gebäude entstanden war, nur aus Holz und Lehm, im Sommer innen angenehm kühl und gar nicht so kalt im Winter. Die Einrichtung kam dazu, nachgebaute Werkzeuge, eine offene Feuerstelle und Sitzmöglichkeiten. Das Schleusenhaus 14 renovierte die Stadt, baute Toiletten, Duschbad und eine Küche ein. Um die Einrichtung zum Beispiel in der Stube oder oben im großen Dachzimmer und im Vorraum die kleine, aber feine Ausstellung mit Werkzeugen aus der Steinzeit und aus der Bronzezeit kümmerte sich die Alcmona.

Sie erhielt dafür eine Förderung aus dem europäischen Programm „ELER“. So können Kinder und Erwachsene bei Führungen zum Beispiel an der Sichel aus der Steinzeit und einer aus der Bronzezeit erkennen, wie sich im Laufe von vielen Jahrzehnten Werkzeuge weiter entwickelt haben. Bäume und Sträucher pflanzte man, für Maschinen und Gerätschaften wurde ein großer Schuppen errichtet, natürlich aus Holz, Lehmöfen zum Brotbacken und ein Brennofen für Keramik. Im Garten wachsen viele Kräuter, die man schon in der Bronzezeit kannte und auf dem „Acker“ alte Getreidesorten wie Emmer, Dinkel oder Einkorn.

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