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Region Neumarkt
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Besonderheit

Ein Heilig Abend der besonderen Art

Am 24.Dezember feiern im Bezirkskrankenhaus Parsberg Mitarbeiter und Patienten zusammen Weihnachten.
Von Günter Treiber

  • Hier im Bezirkskrankenhaus der medbo sind straffällig gewordene und drogenabhängige Jugendliche als Therapiepatienten untergebracht. Fotos: Treiber
  • Wolfgang Schmidt (l.) und Rudolf Bleicher beschäftigen sich am Hl. Abend mit den Patienten.

Parsberg.Im Bezirkskrankenhaus Parsberg, der Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, gibt es große Kameradschaft unter den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, so dass am Heiligen Abend viele freiwillig Dienst für andere tun. Unsere Zeitung hat sich mit den Krankenpflegern Rudolf Bleicher und Wolfgang Schmidt unterhalten, wie so ein Tag abläuft.

Man muss vorausschicken, dass in dem Krankenhaus straffällig gewordene und drogenabhängige Jugendliche untergebracht sind. Der Heilige Abend ist für sie ein Tag, an dem die Emotionen hochkochen und sie etwas aus dem seelischen Gleichgewicht bringen. „Es ist ein Tag“, sagte Wolfgang Schmidt, „an dem alles etwas anders läuft.“ Es beginne schon kurz nach dem Aufstehen der Patienten, da an diesem Tag keine Therapiemaßnahmen stattfinden. Es könnte Langeweile aufkommen, da die Patienten es gewohnt seien, dass sie mit Arbeitstherapien und Anwendungen beschäftigt seien.

Arbeiten, wenn andere feiern

Aber reden wir zunächst einmal über die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wenn am Sonntagabend in den Wohnungen die Kerzen an den Christbäumen aufleuchten, wenn die Familie beim Festschmaus beisammensitzt und wenn dann die Geschenke ausgepackt werden, gibt es viele Menschen, die Weihnachten nicht bei ihren Lieben feiern können. Zu ihnen gehören Menschen, die Weihnachten in Krankenhäusern verbringen müssen.

Zu ihnen gehören aber auch diejenigen Personen, die am Heiligen Abend ihrer Arbeit nachgehen müssen. Nämlich die, die zu den sogenannten Dienstleistern gehören, unter anderem das Pflegepersonal im Bezirkskrankenhaus.

In Wolfgang Schmidt und Rudolf Bleicher hat unsere Zeitung zwei gefunden, deren Familienleben grundverschieden abläuft. Bleicher, der seit über 40 Jahren in Regensburg und Parsberg bei der medbo als Krankenpfleger beschäftigt ist, ist verheiratet und hat Kinder. „Ich habe schon sehr oft an Heilig Abend Dienst gehabt“, sagt der Familienvater, „aber bei uns herrschte ein so gutes Klima, dass ich, als die Kinder noch klein waren, gar keinen Dienst hatte oder frühzeitig abgelöst wurde, so dass ich spätestens um 22 Uhr zu Hause war und mitfeiern konnte.“

Mehr über das Parsberger Bezirkskrankenhaus erfahren Sie hier:

Wolfgang Schmidt ist noch ledig, er arbeitet seit 2006 im Bezirkskrankenhaus. Nach eigenen Worten mache es ihm wenig aus, wenn er an Heilig Abend oder Silvester Dienst tun muss. „Ich beschäftige mich an diesem Tag dann verstärkt mit den Patienten“, erklärt er, „und da gibt es einiges zu tun“. An Heilig Abend dürfen Patienten, je nachdem wie nahe sie an einer Entlassung stehen, in Begleitung zum Einkaufen gehen. Sie bekommen an Weihnachten und Silvester zu ihrem üblichen Taschengeld, das je nach Lockerungsstufe im Maßregelvollzug zwischen 55 und 110 Euro beträgt, zehn Euro für eine kleine Feier.

Schöne Erlebnisse

„Dies und anderes wäre ohne den Verein ‚Hilfe zur Unterstützung Suchtkranker‘ nicht möglich“, erklärt Bleicher. „Das ist ein Verein, der die Patienten immer wieder finanziell unterstützt“. Gegen Abend, so Schmidt weiter, vor allem, wenn die Familienangehörigen, die zu Besuch waren, wieder gegangen seien, sei so manchem Patienten dann schon etwas mulmig zumute. „Dann müssen wir das schon respektieren, dass sie sich zurückziehen, anstatt mit den anderen das Abendessen zu kochen oder sich sonst wie zu beschäftigen.“

Nach schönen oder unschönen Erlebnissen mit den Patienten befragt, gab es nur Positives zu berichten. „Mich hat gleich zu Beginn, als ich hier mit der Arbeit begonnen habe, eine Aktion eines Patienten beeindruckt“, erzählte Schmidt. Dieser habe eine Lichterkette ins Fenster gehängt, um den Parsbergern, den Menschen draußen, zu zeigen, „wir sind auch da, wir sind auch Menschen“.

Rudolf Bleicher erinnerte sich an ein eher lustiges Erlebnis. Zum Abendessen sollte es eine am Nachmittag gekaufte Pute geben. Aber die Einkäufer haben nicht darauf geachtet, dass die vorhandene Bratröhre zu klein für den 20-Pfünder war. Also galt es, mit Messer und Säge das Tier zu zerkleinern. „Es wurde noch ein sehr schmackhafter Braten daraus“, lacht Bleicher heute noch darüber.

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