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Kirche

Ein Kirchturm in altem Glanz

Die letzte Sanierung des Ottmaringer Kirchturms fand 1934 statt. Jetzt ist es wieder soweit, die Arbeiten laufen bereits.
von Johann Grad

Der Kran hebt Eichenbalken für den neuen Glockenstuhl der Kirche hoch. Foto: Grad
Der Kran hebt Eichenbalken für den neuen Glockenstuhl der Kirche hoch. Foto: Grad

Ottmaring.Einst gehörte Ottmaring zur Urpfarrei Kottingwörth. Im Ort stand eine Martinskapelle oder kleine Martinskirche. 1483 erhob Bischof Wilhelm Ottmaring zur Pfarrei, 33 Jahre später, wurde wahrscheinlich die „Chorturmkirche“ zum ersten Mal nach Westen verlängert, der Turm erhielt vier Dreiecksgiebel und eine Dachhaube.

Warum die Ottmaringer 1516, diese Jahreszahl ist im Gebälk eingehauen, dem rechteckigen Turmschaft eine quadratische Glockenstube aufsetzten, muss noch herausgefunden werden. Das Unterfangen war ja alles andere als einfach. Die Mauern der Süd- und Nordseite wurden eingezogen und die der Ost- und Westseite ausgekragt. Große Eichenbalken bilden das Fundament und tragen diese beiden Dreiecksgiebel.

Etwa 300 Jahre später schreibt der Visitator: „Der Turm sieht sehr übel und gefährlich aus und die Kirchenverwaltung soll die benötigte Reparatur so bald als immer möglich ohne Verzug vornehmen.“ Die letzte Reparatur „im gesamten Holz- und Blechwerk“ war 1934. Ein Foto zeigt, dass neben den Zimmerleuten auch Männer vom Dorf mit anpackten.

Glockenstuhl komplett zerlegt

Seit Ostern ist der Turm wieder eingerüstet und eine schwierige Sanierung im Gange. Elektriker machten die Glockenstube zunächst „stromlos“ und bannten so mögliche elektrische Kurzschlüsse. Ottmaringer Stahlbauer zogen die beiden großen Eisenglocken hoch ins Turmgebälk und befestigten sie an den dicken Balken. Danach zerlegten die Männer den 100 Jahre alten eisernen Glockenstuhl und schafften die Teile aus der Glockenstube.

Jetzt war Platz für die Zimmerer, die das Fachwerk des West-Dreiecksgiebels sanieren mussten. Einer der Fundamentbalken fehlte komplett, im Fachwerk waren manche Balken so morsch, dass sie ausgetauscht werden mussten. Bei anderen schnitten die Fachleute kaputte Stück ab und setzten Teile aus neuem Eichenholz ein.

Dachpappe muss herhalten

Nach der Sanierung stand das Fachwerk wieder sicher und fest. Maurer untermauerten die Balken und besserten die Gefache im Giebel aus. Die Zimmerleute nahmen unterdessen Stück für Stück die Eindeckung aus Eisenblech ab, entfernten die alte Schalung, sanierten Balken und nagelten neue und stärkere Bretter auf die Gratsparren. Aus den Archivalien geht hervor, dass der Turm schon mit Dachziegeln und Holzschindeln eingedeckt war. Nach dem Ersten Weltkrieg, als nicht viel Geld da und wegen der Inflation der angesparte Baufond nichts mehr wert war, machten die Ottmaringer an schadhaften Stellen mit Dachpappe eine provisorische Abdichtung.

Gotische Fresken

  • Fund:

    1921 entdeckte man bei einer Innensanierung im Chorraum gotische Fresken. Sichtbar blieben Szenen der Passion und Auferstehung. Aus den Unterlagen geht nicht hervor, ob die Fresken jemals behandelt wurden.

  • Restaurierung:

    Die Malereien werden gereinigt, gefestigt, konserviert und gegen aufsteigende Feuchtigkeit geschützt. Der Chorraum erhält einen neuen Anstrich.

1992 überlegte man, das Eisenblech von der Renovierung 1934 mit Dachziegeln oder Kupferblech zu ersetzen. Ein Spengler überprüfte das Dach, hielt eine Neueindeckung für unnötig und besserte schadhafte Stellen nur aus. Im Lauf der letzten 20 Jahre drang aber immer wieder Wasser ein, da die Wasserspeier nicht richtig funktionierten. Die Außenmauern wurden nass und Putz fiel ab.

Jetzt deckt der Spengler den Turm mit Kupferblech und bringt neue Wasserspeicher an. In den nächsten Tagen montieren die Zimmerer den neuen Glockenstuhl aus Eiche. Das Holz ist als natürlicher Baustoff sehr haltbar, außerdem gibt es den Glocken einen weicheren Klang. Die Glockenmotoren werden überholt, ebenso das Schlagwerk und die Zifferblätter. Die Maurer werden den Turm an den freigelegten Stellen wieder verputzen und bei den Dreiecksgiebeln das Mauerwerk ausbessern. Zuletzt können die Maler den Turm von oben bis unten anstreichen.

Geheimnisvolle Zeitkapsel

Ein besonderer Augenblick wird sein, wenn der Spengler an den Gratsparren die letzten Kupferbleche anbringt. Darauf setzt er wieder einen Oktaeder aus Blech. Beim Öffnen fand der Fachmann ein Behältnis mit Inhalt. Man ist gespannt, was da wohl drin ist. Jetzt können die Verantwortlichen wieder ein Dokument der Zeitgeschichte darin aufheben. Zuletzt kommt auf den Kirchturm das renovierte, weithin sichtbare goldene Kreuz.

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