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TRADITION

Ein Kleinod mit Geschichte

In Darshofen baut eine Gruppe Männer jährlich das Heilige Grab auf. Nachforschungen haben ergeben, dass es im Jahr Jahr 1904 angefertigt wurde.
Von Günter Treiber

  • Das Heilige Grab wird alljährlich von Mitgliedern der Pfarrkirche in Szene gesetzt.Foto: Treiber
  • Eine engagierte Männergruppe baut alle Jahre am Karfreitag das Heilige Grab auf und am Karsamstag wieder ab.

DARSHOFEN. Am Karfreitag erinnert sich die christliche Kirche an das Sterben Jesu Christi. Die Bibel überliefert als Zeitpunkt „die neunte Stunde“, also nachmittags um drei Uhr. So kommt es, dass der Gottesdienst am Karfreitag in allen Pfarreien nahezu gleichzeitig um diese Zeit gefeiert wird.

In vielen Orten in ganz Deutschland gibt es ein sogenanntes „Heiliges Grab“. Dieser Begriff wurde bis ins 16. Jahrhundert für jegliche Darstellung des Grabes Christi verwendet, sowohl für Grabbauten im Rahmen der Osterliturgie wie auch für Nachbildungen des Christusgrabes oder figürliche Darstellungen.

Darum ranken sich, vor allem in Bayern, viele Brauchtümer. Ein besonders herausgehobenes Brauchtum vollzieht man seit vielen Jahren in Darshofen. Eine engagierte Männergruppe baut alljährlich am Karfreitag das Heilige Grab auf. Hierbei handelt es sich um eine Anfertigung der Firma „Manufaktur für Hl. Gräber und Glasmosaiken Emil Zbitek“ in Neustift bei Olmütz/Mähren, heute heißt dieser Ort Nové Sady.

Fragt man die Männergruppe seit wann es dieses Hl. Grab gibt, so zucken sie mit der Schulter, sie wissen es nicht genau. Aber Josef Schmid und Ludwig Gradl haben nachgeforscht und dabei Erstaunliches erfahren. Dabei sind sie auf die Familie Zbitek-Jonas gestoßen, Nachfolger der Firmenbesitzer, die heute in Stuttgart leben und auf Willi Lang, einem privaten Krippen- und Hl. Gräberforscher. Aus allen Nachforschungen kristallisiert sich heraus, dass das Darshofener Grab aus dem Jahr 1904 stammen muss, denn Lang ist im Besitz eines Lieferverzeichnisses der Firma Zbitek.

Von der Familie Zbitek-Jonas erhielt man eine Zeitungswerbung aus dem Jahr 1878, von der man annehmen konnte, dass auf eine ähnliche die damaligen Darshofener geantwortet haben: „Zur biblischen Darstellung der heiligen Geheimnisse, welche die katholische Kirche in der Charwoche feiert, gehört unstreitig auch das Heilige Grab. Allein die Darstellung (…) dieses erhabenen Momentes ist besonders in Kirchen auf dem Lande geeignet, das Gefühl der Andacht zu unterstützen“.

In Bayern gibt es nach Willi Lang nur noch vier derselben Art Heiliger Gräber. Anhand der Rechnung für das Grab in Rommelsried kostete ein Grab, das aus dem Antepentium mit der Jesus-Statue, der „Grotte“, dem Kreuz mit Tuch, den zwei Engeln sowie im Fall Darshofen, den zwei Soldaten bestand, etwa 1610 Kronen (umgerechnet heute 4 766 Euro).

Geht man in der Geschichte der Heiligen Gräber zurück, nieder geschrieben im „Bayerischen Krippenfreund“, so stößt man auf das Jahr 1559, als die Jesuiten erstmals ein Heiliges Grab in der Kirche St. Klement in Prag aufgestellt hatten. Mit der Heimischwerdung solcher Art Gräber folgten kunstvoll gestaltete Kulissenbauten, wie die der Firma Zbitek, die als „Transparentes Glas-Mosaik-Grab“ vertrieben wurden. Die Figuren bestehen aus geschliffenen Glassteinen- und -perlen sowie aus Glasröhrchen und zählen etwa 15 000 Stück.

Die Darshofener Männergruppe hat ihr wertvolles Grab aus dem Lager ausgepackt und tatkräftig aufgebaut. Das gesamte Grab wird hinterleuchtet, so dass sich ein stimmungsvolles Bild in der völlig abgedunkelten Kirche ergibt. Am Nachmittag, um 15 Uhr, wurde die Liturgie zum Gedächtnis der Erlösung mit den drei Elementen Wortgottesdienst, Kreuzverehrung und Kommunionfeier gefeiert. Karsamstag wurde das Grab wieder abgebaut.

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