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Krimi

Ein Mord im Escort-Milieu

Die Mordkommission ermittelt in Neumarkt – jedenfalls im Krimi von Roland Geisler. Der Ex-Polizist setzt auf Realitätsnähe.
von Wolfgang Endlein

Erotisch und zugleich mörderisch geht es im neuesten Kriminalroman von Roland Geisler zu. Fotos: Roessler/dpa
Erotisch und zugleich mörderisch geht es im neuesten Kriminalroman von Roland Geisler zu. Fotos: Roessler/dpa

Neumarkt.Es ist ein Montag im Dezember. Zwei Nürnberger Kriminalpolizisten Georg Bachmeyer und Horst Meier steigen aus ihrem in der Oberen Marktstraße geparkten Dienstwagen. Ihr Weg führt sie in die Karthäusergasse, wo sie Miriam Scheitel befragen wollen. Die aufreizend gekleidete blonde Mittvierzigerin ist die Chefin der Agentur Call an Escort, die Prostituierte an gut zahlende Kunden vermittelt. Doch jetzt ist eine ihrer Frauen Opfer eines aufsehenerregenden Mordes geworden.

Roland Geisler lässt seinen neuesten Krimi teils in Neumarkt spielen. Foto: Endlein
Roland Geisler lässt seinen neuesten Krimi teils in Neumarkt spielen. Foto: Endlein

Ein Mord, von dem die Polizeiinspektion Neumarkt nichts weiß? Ein Escort-Service in der Stadt Neumarkt, in der nach Angaben der Stadtverwaltung nichts Derartiges gemeldet ist? Und vor allem: Wo soll in Neumarkt die Karthäusergasse liegen? Sie merken schon – das eingangs geschilderte ist alles nur Fiktion. Wenn auch eine sehr realitätsnahe, wie Roland Geisler, der Autor des Kriminalromans mit dem sperrigen Titel „Interficere …und das Wartenbergrad“, betont.

Wie im wahren Leben

Der 58-Jährige war Jahrzehnte lang Ermittler bei verschiedenen Polizeibehörde. Zuletzt ermittelte er für die Generalbundesanwaltschaft. Aber auch in seinem Ruhestand hält er die Beziehungen zu Polizei, Justiz und Nachrichtendiensten aufrecht.

Das kommt den Fällen seines Alteregos, Kommissar Schorsch Bachmeyer, zugute. „Ich wollte Krimis schreiben mit Handlungen aus dem wahren Leben“, sagt Geisler. Aus dem wahren Leben eines Ermittlers.

Eine Escort-Agentur mag es in Neumarkt nicht geben, Prostitution ist aber auch in der Stadt kein unbekanntes Thema, wie dieser MZ-Artikel zeigt.

Darin sollen sich seine Romane von vielen anderen Krimis unterscheiden, die nicht so viel Wert auf Bezüge zur realen Polizeiarbeit legen. „Dass der Kommissar allein im dunklen Keller umherirrt und man sich fragt, warum er jetzt nicht den Lichtschalter drückt, das gibt es bei mir nicht“, sagt Geisler.

Der Roman „Interficere … und das Wartenbergrad“ verlegt Roland Geisler im Eigenverlag. Foto: Endlein
Der Roman „Interficere … und das Wartenbergrad“ verlegt Roland Geisler im Eigenverlag. Foto: Endlein

Spannung solle bei ihm nicht durch Effekte, sondern durch eine an sich spannende Geschichte entstehen – und die spannendsten Geschichten schreibt die Realität. Vieles in seinen Büchern habe reale Vorbilder, sagt Geisler. Sowohl, was die Ereignisse, die Personen oder die Techniken und Methoden der Ermittler betrifft. Er belasse zudem bewusst Begriffe aus der Polizeiarbeit in seinen Texten, auch wenn diese mitunter sperrig wirken. „Eine Verhaftung ist rechtlich eben etwas anderes als eine vorläufige Festnahme.“

„Ich gebe viele private Dinge von mir preis: Höhen und Tiefen.“

Roland Geisler

Und so reist Schorsch Bachmeyer von der Mordkommission Nürnberg in seinem neuesten Fall auch nur deswegen nach Neumarkt, weil der Mord an der Escort-Dame in Nürnberg stattfand. Normalerweise ermitteln in Neumarkt nämlich nur die Kollegen aus Regensburg.

  • Weitere Informationen zum Roman:
  • Preis: 14,95 euro
  • ISBN: 978-3-00-057716-1
  • Internet: www.dadord-frangn.com

Die Ermittlungen des Kommissars im benachbarten „Moosbüffelland“, wie Geisler mit einem Augenzwinkern die Oberpfalz nennt, kommt aber nicht von ungefähr. Der 58-jährige Franke hat nicht nur durch seinen Wohnort Oberferrieden eine enge Beziehung zum Landkreis Neumarkt, auch im Beruf seien die Oberpfälzer immer präsent gewesen, sagt Geisler in Erinnerung an so manche Frotzelei. Etwas, was er auch in seinen Romanen auslebt.

Über Regionalkrimis hat sich die MZ mit der Leiterin der Neumarkter Stadtbibliothek, Stefanie Auer, unterhalten. Das Interview finden Sie hier.

Die Bachmeyer-Romane konzentrieren sich nämlich nicht nur auf das reine Geschehen rund um die Ermittlungen, sondern nehmen den Leser auch mit zu Land und Leuten. Landschaft, markante Orte und kulinarische Tipps lässt Geisler ebenso in die Schilderung einfließen wie sein eigenes Leben. „Ich gebe viele private Dinge von mir preis: Höhen und Tiefen“, sagt der Schriftsteller. „Der Charakter des Schorsch Bachmeyer das bin ich.“

Wo befindet sich das Haus der Escort-Agentur?

Im vierten Roman hat es der Nürnberger Kommissar aber nicht nur mit einem Serienkiller zu tun, der es auf die Escort-Damen der Neumarkter Agentur abgesehen hat, auch die Drogen-Mafia spielt in einem zweiten Handlungsstrang auf den rund 370 Seiten des Romans eine Rolle. Und dann wäre da noch die katholische Kirche…

Übrigens, in Bezug auf Neumarkt ist im Roman nicht alles fiktiv. Das Haus, in dem die Escort-Agentur natürlich nur im Roman residiert, gibt es in Neumarkt wirklich. Geisler hat es detailreich in seinem Buch beschrieben. Jetzt müssen Sie nur noch die Karthäusergasse ermitteln.

Reale Kriminalfälle und die ganz alltäglichen Vorkommnisse bei der Polizei im Landkreis Neumarkt lesen Sie immer aktuell hier.

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