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Politik

Ein Neumarkter will Europa verändern

Markus Härtl möchte für seine Partei einen Parlamentssitz in Brüssel holen. Seine Vision: ein bedingungsloses Grundeinkommen.
Von Benjamin Weigl

Früher war Markus Härtl Unternehmer. Heute ist er Hausmann und macht sich politisch für ein bedingungsloses Grundeinkommen stark. Foto: Benjamin Weigl
Früher war Markus Härtl Unternehmer. Heute ist er Hausmann und macht sich politisch für ein bedingungsloses Grundeinkommen stark. Foto: Benjamin Weigl

Neumarkt.Lange Zeit hat Markus Härtl die Nachrichten angesehen und sich immer nur aufgeregt. Irgendwann habe es seiner Frau Kerstin gereicht: „Sie hat zu mir gesagt: Aufregen bringt nichts, man muss schon was dagegen tun“, sagt Härtl. Von diesem Zeitpunkt an hat der Neumarkter begonnen, sich für seine Überzeugung zu engagieren: das bedingungslose Grundeinkommen. Die Idee sieht vor, dass jeder Bürger eine feste finanzielle Grundversorgung bekommt. Der 46-Jährige selbst sei lange Skeptiker und Gegner dieses Modells gewesen, erzählt er. Doch irgendwann habe er für sich erkannt, dass ein Grundeinkommen viele Probleme in der Gesellschaft lösen könne.

„Meine Frau hat zu mir gesagt: Aufregen bringt nichts, man muss schon was dagegen tun.“

Markus Härtl, Bündnis Grundeinkommen (BGE)

Zur anstehenden Europawahl wirbt er und seine 2016 gegründete Partei „Bündnis Grundeinkommen“ (BGE) bereits zum zweiten Mal für dieses sozialpolitische Konzept. Bei der Bundestagswahl 2017 stimmten rund 100 000 Menschen für das BGE. Am 26. Mai würden etwa 60 000 zusätzliche Stimmen genügen, um einen eigenen Platz im EU-Parlament zu ergattern. „Wir könnten dann fünf Jahre lang eine Duftmarke in Brüssel setzen“, sagt Härtl. Er beobachtet: „Seit der Bundestagswahl hat die Berichterstattung zum Grundeinkommen stark zugenommen. Mittlerweile kommt das Thema in jeder dritten Markus-Lanz-Sendung vor.“

Ein Unternehmer wird Hausmann

Härtl hat auf jede Frage zum Grundeinkommen eine passende Antwort parat. Das Grundproblem liege darin, dass in absehbarer Zeit noch viel mehr Arbeitsplätze wegfielen, weil Roboter und Maschinen immer öfter den Menschen ersetzen. „Die gesellschaftliche Spannung wird weiter zunehmen. Die wenigen mit Arbeit sollen die Arbeitslosen dann durchfüttern“, prognostiziert Härtl. Hier setze sein Zukunfts-konzept an: „Die Arbeiter bekommen ihr Gehalt plus das Grundeinkommen, und für alle anderen ist auch gesorgt.“

Außenansicht

Grundgehalt für alle

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Dass in so einem System nur noch wenige arbeiten gingen, denkt Härtl nicht. Stattdessen würde es viel leichter, einen Teilzeitjob anzunehmen und sich beispielsweise als Eltern abwechselnd um die Kinder zu kümmern. „Die Arbeitsplätzeverteilung wäre viel sinnvoller“, sagt Härtl. Auch bräuchte man keine große Angst mehr zu haben, in Harz 4 abzurutschen. „Wir möchten die Idee vom Grundeinkommen verbreiten, aber noch kein konkretes Modell festlegen“, sagt er.

So berichteten wir vor der Bundestagswahl 2017:

Politik

Seine Vision: Grundeinkommen für alle

Markus Härtl kandidiert bei der Bundestagswahl für das Bündnis Grundeinkommen, das vorerst nur eine Diskussion anregen will.

Härtl beschreibt sich als Mann aus der Wirtschaft, als Unternehmer, der früher immer nach dem Leistungsprinzip gehandelt habe: „Wer viel arbeitet, soll viel verdienen.“ Heute lebt der in Deining aufgewachsene 46-Jährige als Hausmann und kümmert sich um drei Kinder. So bleibt genug Zeit für seine Politik. Zusammen mit seiner berufstätigen Frau konnte er sich für dieses Modell entscheiden. Doch Härtl ist überzeugt: „Das bedingungslose Grundeinkommen würde jedem diese Möglichkeiten eröffnen, nicht mehr unter Druck in die Arbeit gehen zu müssen, sondern dass beide zum Beispiel abwechselnd arbeiten.“

Zahlen zur EU-Wahl

  • Parlament:

    Ins Brüsseler Parlament werden nach der Wahl insgesamt 751 Abgeordnete einziehen. Nach dem Brexit verringert sich die Abgeordnetenzahl auf 705.

  • Deutschland:

    Hierzulande werden 96 Europaabgeordnete gewählt.

  • Fraktionen:

    Die Gewählten der einzelnen Länder verteilen sich auf 8 Fraktionen, die sie im Parlament vertreten. So informiert das Europäische Parlament online.

Die anderen Parteien überzeugen

Über einen Sitz seiner BGE in Brüssel würde sich Härtl sehr freuen – doch nur, um mit anderen Parteien ins Gespräch zu kommen. Seine Vision: „Wir wollen erreichen, dass etablierte Parteien unsere Stimmen zurückhaben wollen und deswegen auf das bedingungslose Grundeinkommen setzen“, sagt Härtl. Ihm ist es wichtig, das Thema publik zu machen und zu diskutieren, wie eine konkretes Modell aussehen könnte. „Die Leute müssen es wollen, die Gesellschaft muss dafür bereit sein. Erst dann kann es politisch umgesetzt werden“, sagt Härtl. „Denn die Politik ist wie ein Segel auf hoher See – das Volk gibt den Wind vor.“

„Wir wollen erreichen, dass etablierte Parteien unsere Stimmen zurückhaben wollen und deswegen auf das bedingungslose Grundeinkommen setzen.“

Markus Härtl, Bündnis Grundeinkommen (BGE)

Der Neumarkter, der im kleinen Land Liechtenstein an einem Modellversuch zum bedingungslosen Grundeinkommen arbeitet, hofft daher auf viele Stimmen. Mit dem BGE könne man ein konkretes Thema wählen und so ein Zeichen setzen. „Viele Menschen sind so im Hamsterrad gefangen und damit beschäftigt, nicht unter die Räder zu kommen, dass im Leben nichts mehr gewagt wird.“ Das möchte Härtl mit seiner Partei ändern.

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