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Region Neumarkt
Mittwoch, 23. Mai 2018 25° 8

Stadtgeschichte

Ein Tag, der die Stadt Neumarkt prägte

Am 24. April vor genau 20 Jahren begann die Landesgartenschau dort, wo drei Jahre zuvor eine gerne vergessene Kloake lag.
Von Lothar Röhrl

Am 24. April vor 20 Jahren: Hans Zehetmair war in seiner Funktion als stellvertretender Ministerpräsident nach Neumarkt zur Eröffnung gekommen. Er durchschnitt mit Landesgartenschauen-Chef Senator Basso (l.) und OB Alois Karl das Eröffnungsband zur LGS 1998.Archivfoto: Schönberger

Neumarkt.Dieser 24. April genau vor 20 Jahren war ein Tag, der in der Geschichte Neumarkts eine herausragende Bedeutung gehabt hat: An diesem wurde die Bayerische Landesgartenschau 1998 eröffnet. Untrennbar ist die Vorgeschichte mit dem damaligen Oberbürgermeister Alois Karl verbunden. Denn eigentlich war Neumarkt zunächst nur „Lückenbüßer“. Dreieinhalb Jahre vorher hatte Landshut, das eigentlich für 1998 vorgesehen war, wegen Problemen bei der Bereitstellung von Grundstücken die Landesgartenschau zurückgegeben. Schnell packte Karl zu und signalisierte: „Dann macht eben Neumarkt das!“

23. Februar auch mal ein guter Tag

Die Landesgartenschau in Neumarkt stand unter dem Motto „Sinneswandel“. Die Sinnesorgane waren denn auch ihre Maskottchen und Erkennungszeichen. Für Neumarkt wurden ihnen Füße ‚gemacht‘. Foto: Archiv Hans Berger

Etwas mehr als drei Jahre vor dem Eröffnungstag wurde ein 23. Februar endlich mit einem positiven Ereignis in Neumarkts Stadtgeschichte belegt. Genau 50 Jahre zuvor war am 23. Februar 1945 die Stadt zum ersten Mal im Zweiten Weltkrieg bombardiert und vor allem in der Nähe des Bahnhofs schwer zerstört worden. Exakt 50 Jahre später am 23. Februar 1995 bekam Neumarkt den Zuschlag für die 8. Bayerische Landesgartenschau. Der schnellen Entschlusskraft Karls folgte die Bildung eines schlagkräftigen Organisationsteams mit ihm selbst, Stadtbaumeister Rudolf Müller-Tribbensee und dem aus dem Ruhestand reaktivierten ehemaligen Stadtwerke-Direktor Hanns Obermüller als Kern. Obermüller fungierte als Geschäftsführer der Landesgartenschau GmbH. „Aus einer Kloake wird ein Blumengarten“: Unter diesem Motto ging es in nur drei Jahren an die Umgestaltung der ehemaligen, seit den 80er Jahren nicht mehr benötigten Kläranlage. Die grundlegende Idee war, die alten Gebäude der Kläranlage nicht abzureißen, sondern in neuer Funktion in die Landesgartenschau einzubinden. Diese Vorgabe setzte das Architekturbüro Röth aus Amberg nach Überzeugung der Jury am besten um. So wurde aus dem ehemaligen runden Faul- der blau-angestrichene Vortragsbereich des Schauturms. Beides gehört zusammen mit dem See-Café, das auf dem Fundament eines ehemaligen Gasmotors entstand, sowie dem muschelartig geformten Zeltdach der Arena-Bühne zu den Wahrzeichen des Geländes. 20 Jahre nach der LGS 1998 sind noch 91 Prozent als Park erhalten.

Für Alois Karl steht heutzutage fest: „Mit Fug und Recht kann ich sagen, die Landesgartenschau hat Neumarkt bereichert, weit über die sechs Monate ihrer Dauer hinaus. Nachhaltigkeit ist hier in Neumarkt im besten Sinne ihrer Bedeutung umgesetzt worden.“

Auch Segen für die Innenstadt

Als über viele Jahrzehnte wirkender Experte für den Tourismus sieht das auch Karl Lehmeier so. Die 1,1 Millionen Gäste der LGS zwischen dem 24. April und dem 4. Oktober 1998 hätten die Stadt zumindest in ganz Bayern bekannt gemacht. Noch heute ist Lehmeier froh, dass er sich vehement für die Lage des Haupteingangs eingesetzt habe. Statt des heutigen Westeingangs sei der heutige Osteingang nahe Tiroler Hof bevorzugt gewesen. „Damit hätte man den Fehler einiger Landesgartenschauen davor wiederholt. Dort war die LGS auch am Stadtrand gelegen. Busse und mit dem Zug ankommende Besucher sind um die jeweiligen Stadtzentren herum geleitet worden.“ Das sei mit der Wahl des Haupteingangs in Neumarkt ganz anders geworden. Vom Bahnhof seien viele auf ihrem Weg zu Fuß zur Landesgartenschau an den Schaufenstern entlang gebummelt. Und oft habe dem ein Einkauf gefolgt.

Einen Bilderreigen zum LGS-Gelände damals 1998 und heute sehen sie hier:

20 Jahre 8. Landesgartenschau Neumarkt 1998

Heute noch zeigt sich Lehmeier zufrieden über den Erfolg einer weiteren Idee von ihm: „In Neumarkt wird die Tschu-Tschu-Bahn gebaut: Lassen wir sie doch vom Gelände aus durch die Innenstadt rollen!“ Gesagt, getan.

Spielplätze blieben Vorbilder

Mit der LGS 1998 verknüpft ist auch der Name Emil Silberhorn. Nur zwei Tage nach der Eröffnung durfte er seinen 60. Geburtstag feiern. Nach dem deshalb übermorgen seinen 84. Geburtstag feiernden, damaligen 2. Bürgermeister ist heute westlich des Kanals ein Spielplatz benannt. In Sachen Spielplätze hatte die LGS einiges zu bieten: Der Abenteuerspielplatz in den Maierbach-Auen und der Monsterspielplatz nahe östlicher Ausgang bestehen auch noch heute.

„Nach Neumarkt kamen damals und erst Recht danach viele Bürgermeister und Stadtbaumeister, die sich Ideen abgesehen haben“, erinnerte er sich dieser Tage. Neumarkt habe wegen der Vielfalt seiner Spielplätze schon immer einen guten Ruf gehabt, zeigte sich Emil Silberhorn stolz und erfreut, dass das immer noch durch Besuche bestätigt werde.

Übrigens: Vor fast genau zwei Jahren gab es Überlegungen, ob Neumarkt nicht ein zweites Mal für eine Landesgartenschau einspringen sollte. Das wäre 2022 gewesen. Denn die Bürger der Stadt Traunstein hatten einen dicken Strich durch entsprechende Pläne ihrer Stadtväter gemacht. Nach einem heftigen Schlagabtausch der Argumente für oder gegen eine LGS 2022 wieder in Neumarkt – da in einem Teilbereich des Flugplatzgeländes – bewarb sich Neumarkt nicht. Mittlerweile hat Freyung im Bayerischen Wald den Zuschlag erhalten.

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