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Tiergarten Nürnberg

Ein Tigerfell zum Anfassen

Die Zooschule bietet viele Programme für Kinder an – wenn Christian Dienemann seinen Rucksack auspackt, ist das Staunen groß.
Von Katrin Böhm

  • Besondere Augenblicke im Tiergarten – das verspricht die Zooschule. Christian Dienemann ist einer von zwei Pädagogen, die Kindern das Leben der Tiere nahe bringen. Foto: Böhm
  • So ist es ungefährlich: Bei Führungen der Zooschule dürfen Kinder Felle von Löwen und Tigern streicheln. Foto: Böhm
  • Christian Dienemann mit dem Schädel eines Tigers Foto: Böhm
  • Früher war er hinter Gittern, heute liegt er drauf – ein Tiger, oder vielmehr das, was von ihm übrig ist Foto: Böhm

Nürnberg. Christian Dienemann lässt den großen grünen Rucksack, den er auf den Rücken geschnallt hat, auf den Boden plumpsen, und zerrt an etwas Großem herum. Es ist keine riesige Brotzeittüte und keine Jacke, es ist: ein Eisbärenfell. Was man als Zoopädagoge eben so dabei hat. Er stopft das Eisbärenfell in eine wundersame Kiste im Keller des Nürnberger Tiergartens, zieht aus dieser stattdessen ein Löwen- und ein Tigerfell heraus und lässt diese beiden in den Untiefen seines Rucksacks verschwinden.

Da werden die Kindergartenkinder, denen er heute das Leben der Tiger und Löwen näher bringen will, ganz bestimmt Augen machen. Nochmal schnell ins Büro – auf Dienemanns Schreibtisch stapeln sich Kalender und Bücher neben Federn, Gläsern und ein paar Schädelpräparaten – dann geht‘s los zum Raubtierhaus. Dort warten schon die Vorschulkinder des evangelischen Kinderhauses Thomaskirche aus Würzburg.

Weil sie sich im Kindergarten gerade mit Raubtieren befassen, war es für den Kindergarten perfekt, dass der Tiergarten eine Führung für kleine Kinder zu diesem Thema parat hat, sagt Erzieherin Kristina Dieter. Und wie erwartet sind die Kinder ebenso aufmerksam wie begeistert bei der Sache. „Das ist nicht immer so, aber da muss man dann eben schauen, wie man die Kinder einfängt. Das muss man von Fall zu Fall abschätzen“, sagt Christian Dienemann.

Seit 15 Jahren arbeitet der Biologe in der Zoopädagogik, zunächst war er in Köln und Dortmund, seit 2014 ist er in Nürnberg. Dass er seinen Job liebt, merkt man ihm sofort an. Er erzählt nicht nur voller Begeisterung davon, sondern schafft es auch, die Kinder in seinen Bann zu ziehen. Sie sollen selbst herausfinden, warum der Tiger gestreift ist (zur Tarnung) und vor wem er sich tarnt (vor seiner Beute).

Nach ein paar Witzen („Läuft denn das Stück Fleisch, das der Tiger will, einfach durch den Wald?“) sind auch die letzten Kinder aufgetaut und erfahren, dass Tiger die „Gesundheitspolizei“ sind, weil sie vor allem kranke und alte Tiere erbeuten.

Fangzähne in Kinderhand

Im Raubtierhaus selbst dürfen die Kinder erst einmal die Augen zu machen und schnuppern. Es dauert keine drei Sekunden, ehe eines sagt: „Hier stinkt‘s“ – zwei Minuten später wissen die Kinder, dass es hier stinkt, weil der Tiger mit seinem Urin sein Revier markiert. Nachdem die ersten wichtigen Fakten auf dem Tisch sind, kramt Christian Dienemann in seinem Rucksack und zieht unter ehrfürchtigem Staunen der Kinder, einen Tigerschädel heraus, zeigt die Fangzähne, mit denen der Tiger seine Beute reißt.

Alle Kinder dürfen die Zähne mal anfassen, ehe die große Überraschung folgt – der Zoopädagoge packt die Felle von Löwen und Tigern, die irgendwann einmal im Tiergarten lebten und gestorben sind, heraus und breitet sie auf dem Geländer im Raubtierhaus aus. Jedes Kind darf die Felle streicheln – dabei lernen die Fünfjährigen, dass der Tiger längere und der Löwe kürzere Haare hat und das daran liegt, dass es dort, wo der Löwe lebt, viel zu heiß für langes Haar ist und die Natur das daher so schlau eingerichtet hat.

„Es ist ein Riesenunterschied, ob ich erzähle, eine Spinne hat acht Beine oder ob ich sie zeige.“

Zoopädagoge Christian Dienemann

Nach gut 30 Minuten ist die Führung zu Ende – aber die Kinder haben so viel gelernt und erlebt, dass sie noch Tage später davon erzählen und im Kindergarten Löwe und Tiger nachspielen werden. „Wir würden das sofort wieder machen, das war super“, sagt Erzieherin Kristina Dieter.

Hier lesen Sie mehr über die Programme der Zooschule

Die Zooschule

  • Schulkinder:

    Die Zooschule bietet Programme für Schüler aller Altersstufen an. Themenvorschläge sind: Haus- und Nutztiere, Wirbeltiergruppen, Vielfalt der Säugetiere, Reptilien, Lebensraum Wasser, Berufe im Tiergarten, Evolution der Primaten. Nach Absprache können weitere Themen angeboten werden. Die Programme dauern eine oder 1,5 Stunden und Kosten pro Schüler zwei oder drei Euro (Mindestgebühr 30 Euro) zuzüglich Eintritt. Schüler zahlen 4,80 Euro, Berufsschüler 11,50 Euro. Pro zehn Schüler erhält eine Begleitperson freien Eintritt.

  • Kindergärten:

    Für Kinder ab drei Jahren bietet die Zooschule zwei Themenvorschläge an: „Spinnen und Insekten“ und „Löwen und Tiger“. Beide Programme dauern 30 bis 45 Minuten und kosten pro Kind einen Euro (Mindestgebühr 15 Euro) zuzüglich des Eintritts von 4,80 Euro (Kinder unter vier Jahren sind frei).

  • Kontakt und Anmeldung:

    Die Zoopädagogen Christian Dienemann und Barbara Reinhard sind unter Telefon (09 11) 54 54-830 und per Email an zooschule@stadt.nuernberg.de erreichbar. Gebuchte Termine, die nicht wahrgenommen werden können, müssen einen Tag vorher abgesagt werden.

Auch Christian Dienemann ist zufrieden – er hat sein Ziel erreicht. Glückliche Kinder, eine gelungene Zooführung und wieder ein paar mehr Menschen, die jetzt mehr über Tiere wissen als noch beim Aufstehen am Morgen.

Vor allem im Sommer, kurz vor den Ferien, ist der Zoopädagoge eigentlich nur unterwegs. „Da explodiert hier alles.“ Er würde sich wünschen, dass auch unterm Jahr mehr Kinder kommen, vor allem Schüler. Klar, die Lehrpläne seien auf Kante genäht, „aber mir ist wichtig, den Lehrer zu zeigen, was hier für ein Schatz liegt: Hier können Kinder Biologie ganz praktisch wahrnehmen. Es ist ein Riesenunterschied, ob ich erzähle, eine Spinne hat acht Beine oder ob ich sie zeige.“

Denn auch das macht Christian Dienemann: Seine eigene, zutrauliche Vogelspinne lebt mittlerweile im Zoo und ist beim Programm „Insekten und Spinnen“ der Star, der auch mal angefasst werden darf. „Die meisten Kinder finden das super.“

Neue Themen im nächsten Jahr

Bei Jugendlichen ist es Dienemann wichtig, mit ihnen in die Diskussion zu kommen, zum Beispiel zum Thema Delfinhaltung. „Es gibt auch Diskussionen, bei denen wir auf keinen Nenner kommen, aber ich habe die Möglichkeit, da meinen Part rüberzubringen.“ Sein Plan für das neue Schuljahr: neue Programme, zum Beispiel über Tiere als Haus-, Labor- und Nutztier. Oder Tiere der Bibel. Oder Tierethik.

Wenn er dazu kommt – denn nebenbei kümmert er sich auch um die Beschilderung im Tiergarten, um die Organisation von Aktionstagen und Infoständen, um das Vortragsprogramm des Zoos, die Ausbildung neuer Zoll-Mitarbeiter, die Übernachtungen für Schulklassen im Zoo und die Zusammenarbeit mit Naturschutzverbänden. Nicht alleine, das schon, aber dennoch könnte ein Tag für Christian Dienemann gerne auch 48 Stunden haben. Zumindest in der Hochsaison.

Alle Serienteile über den Nürnberger Tiergarten finden Sie hier!

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