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Eine der innovativsten Physik-Lehrer

Die Neumarkterin Ulrike Englert durfte ihr Unterrichtskonzept in Berlin bei einem bundesweiten Kongress präsentieren.
Von Eva Gaupp

  • An einem Info-Stand stellte Ulrike Englert ihr Unterrichtskonzept vor. Foto: Englert
  • An den Ständen konnten sich die Lehrer über innovative Unterrichtsideen aus ganz Deutschland informieren. Foto: Science on Stage
  • In Workshops und Präsentationen stellten Lehrer ihre Unterrichtsideen den Kollegen vor. Foto: Science on Stage

Neumarkt.Laut Studien liegt Physik bei Schülern ganz weit vorn – wenn es um die unbeliebtesten Fächer geht. Auch für Ulrike Englert war es während ihrer Schulzeit nicht unbedingt das absolute Lieblingsfach. „Wir haben damals nicht ein einziges Experiment gemacht“, erinnert sich die 43-Jährige. Heute unterrichtet sie selbst Physik und erzählt im Gespräch mit der MZ, dass sich ihr erst während des Studiums die Faszination und Möglichkeiten dieser Wissenschaft erschlossen.

Doch wie begeistert man Schüler für Physik? „Indem man einen Bezug zum Alltag herstellt“, antwortet die Lehrerin für Physik und Mathematik am Willibald Gluck Gymnasium. Und wie bekommt man die Aufmerksamkeit der Schüler? „Motivation kommt auch durch eigenes Tun, indem die Schüler in die Pflicht genommen werden, Verantwortung übernehmen“, lautet ihre Antwort.

Ideal ließ sich beides in einem P-Seminar verbinden, in dem das Modell eines modernen Stromnetzes entstanden ist. Die physikalischen Begriffe von „Energie“ und „Leistung“ wurden greifbar, als die Schüler anhand von realen Daten des Stromanbieters N-Ergie aus Nürnberg erkannten, was es bedeutet, Energieerzeugung und Energieverbrauch ins Gleichgewicht zu bringen. Gleichzeitig wurden die großen Herausforderungen der Energiewende deutlich und worum es bei der geplanten Stromtrasse geht.

Diese Unterrichtsidee brachte ihr und ihren Schülern nicht nur den ersten Preis beim Wettbewerb „Vision-Ing21“ der Friedrich-Alexander-Universität in Erlangen – sondern ermöglichte Ulrike Englert eine Teilnahme an der Veranstaltung „Science on Stage“ in Berlin. Zwei Tage lang präsentierten 100 der „engagiertesten Naturwissenschaftslehrer der Bundesrepublik“ auf dem Campus Berlin-Buch innovative Unterrichtskonzepte, wie die Organisatoren mitteilen.

„Es war wie eine Art Messe“, erzählt Ulrike Englert. An Ständen stellten sie und die Kollegen aus ganz Deutschland ihre Ideen vor, man tauschte sich aus, diskutierte neue Wege, es gab Workshops und Seminare. „Das war Inspiration pur“, schwärmt die 43-Jährige. „Ich habe viele Einblicke gewonnen und Ideen für mich mitgenommen.“

Es sei spannend gewesen zu erfahren, wie der Physikunterricht in anderen Bundesländern aufgebaut ist und welche Schwerpunkte die unterschiedlichen Lehrpläne vorsehen. Jeder sei unwahrscheinlich motiviert und interessiert gewesen. Beispielsweise habe ein Lehrer seinen Schülern Winkelberechnungen anhand von Blättern aus der Natur beigebracht. „Die Einfachheit hat mich fasziniert.“

Im Gegenzug hat Ulrike Englert die Jury von Science on Stage beeindruckt: Sie ist eine von zwölf ausgewählten Lehrkräften, die im Juni 2015 Deutschland beim internationalen „Science on Stage Festival“ in London vertreten. „Ich fühle mich sehr geehrt“, lächelt Ulrike Englert.

Etwas Besonderes ist es aber auch, dass mit Ulrike Englert eine Frau das Fach Physik vertritt. An der Uni seien Frauen schon in der Minderheit gewesen, am WGG sei sie die einzige Physiklehrerin. „Und in meinem P-Seminar mit 17 Teilnehmern hatte ich 17 Jungs.“ Warum interessieren sich Mädchen eher weniger für Physik? „Das ist eine meiner ungeklärten Fragen“, lacht die 43-Jährige. Als sie vor 14 Jahren begonnen habe zu unterrichten, habe sie noch angenommen, als Frau mehr Mädchen für den Physikunterricht begeistern zu können.

„Jungs sind interessierter an Technik, sie probieren eher Dinge aus, legen einfach los, auch wenn einmal etwas kaputt geht“, ist ihre Beobachtung. Mädchen hingegen seien zurückhaltender, experimentierten nicht so unbefangen. „Wenn sie aber rangehen, dann strukturierter und überlegter.“

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