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Schädlinge

Eine neue Borkenkäfer-Plage droht

Bereits Ende April stehen Wälder im Landkreis Neumarkt wieder vor einer Dürre. Waldbesitzer befürchten nun schlimme Folgen.
Von Benjamin Weigl

Christian Kleiner und Alexander Mann (von links) zeigen die Pheromonfalle, die Borkenkäfer am Waldrand von Pölling anlockt. Foto: Benjamin Weigl
Christian Kleiner und Alexander Mann (von links) zeigen die Pheromonfalle, die Borkenkäfer am Waldrand von Pölling anlockt. Foto: Benjamin Weigl

Neumarkt.Christian Kleiner und Alexander Mann konnten sich sicher sein, dass ihre „Jagd“ erfolgreich sein würde. Was sie dann an der Borkenkäfer-Falle vorfinden, bestätigt ihre Befürchtungen. An einem ungewöhnlich warmen April-Nachmittag sind die beiden Männer am Waldrand in der Nähe von Pölling unterwegs. „Die Gefahr für unsere Wälder ist sehr groß“, sagt Kleiner. „Jeder Tag zählt jetzt.“ Denn wer in diesen Tagen im Wald unterwegs ist, kann mithelfen – bei der Früherkennung von Bäumen, die von den Schädlingen befallen sind.

„Die Gefahr für unsere Wälder ist sehr groß. Jeder Tag zählt jetzt.“

Christian Kleiner, Abteilungsleiter Forsten beim Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Neumarkt i.d.OPf.

Kleiner und Mann, beide vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Neumarkt, prognostizieren den Wäldern im Landkreis heuer besonders düstere Aussichten. Nach dem letzten Dürresommer sind viele Bäume noch geschwächt. Zusätzlich ist der Wasservorrat im Boden nun bereits im April schon sehr knapp, da es wochenlang kaum geregnet hat. „Es ist dramatisch, denn anders als im letzten Jahr können sich die Bäume bei so einer Trockenheit gar nicht mehr wehren“, sagt Mann. An seine größte Hoffnung, nämlich „dass es am besten das ganze Jahr durchregnet“, glaubt er selbst nicht mehr.

Neue Käferart ist eingewandert

Etwa 3200 Borkenkäfer befinden sich in diesem Messbecher. Foto: Weigl
Etwa 3200 Borkenkäfer befinden sich in diesem Messbecher. Foto: Weigl

Als Mann die Schale mit den gefangenen Käfern aus einer der drei Fallen zieht, wird klar, wie groß das Problem tatsächlich ist. Über 3000 Stück befinden sich darin. „Bisher haben wir zwei Arten von Borkenkäfern in den Fallen beobachtet, nämlich Buchdrucker und Kupferstecher. Seit diesem Jahr sind es drei Arten, die wir hier fangen“, erklärt Kleiner. In der dritten Falle, die wie die anderen auch mit Lockstoffen für die Käfer präpariert wurde, finden die Männer einige Exemplare des neuen Nordischen Fichtenborkenkäfers. Im benachbarten Tschechien hat diese Art im letzten Jahr schon massive Schäden angerichtet. Nun droht sie sich auch nach Bayern auszubreiten.

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Neumarkt: Neue Borkenkäfer-Plage droht

„Wir sind absolut in Alarmbereitschaft“, sagt Daniel Rübens, Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung (WBV) Berching-Neumarkt. „Die Startbedingungen für den Borkenkäfer waren noch nie so gut. Wir gehen von einer Verschärfung der Lage in diesem Jahr aus.“ Rübens befindet sich gerade auch in Verhandlungen, die den Holzpreis festlegen werden. Er weiß, dass der Preis der letzten Jahre nicht zu halten sein wird. Das Baumsterben durch Trockenheit, der Borkenkäfer und der oft massive Schneebruch des Winters sorgen für ein reiches Holzangebot.

Natur

Das geheime Stück Wald der Neumarkter

Manche Waldbesitzer haben keine Ahnung, wo ihr Grundstück liegt – oder was sie damit machen sollen. Ihnen hilft das Forstamt.

Das bestätigt auch Alois Meier, der die WBV in Parsberg führt: „Die Auswirkungen für Waldbesitzer sind gravierend, die Lager sind proppenvoll. Wenn uns die Witterung nicht hilft, werden wir Probleme mit der Aufarbeitung der ganzen Bäume bekommen.“ Der Borkenkäfer macht viel Holz auch unbrauchbar oder mindert dessen Wert. Wo er sich ausbreitet, bringt er einen Pilz mit, der das Holz schnell bläulich werden lässt, erklärt Meier. Selbst, wenn der Baum schnell gefällt wird, ist das Holz zur Verarbeitung dann nicht mehr zu gebrauchen, sondern nur noch als Brennholz. Weiterhin gibt es an vielen Stellen im Landkreis Neumarkt ein Problem: Wohin mit dem befallenen Holz? „In der Jura-Landschaft gibt es oft nur wenige Stellen, an denen man das Holz mindestens 500 Meter vom Waldrand entfernt lagern kann“, sagt Meier. Doch dieser Abstand sei wichtig, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern.

Das Bohrmehl ist der Schlüssel

An diesem Baum sieht man das Bohrmehl der Borkenkäfer. Foto: Meier
An diesem Baum sieht man das Bohrmehl der Borkenkäfer. Foto: Meier

Waldbesitzer Meier ist es ein besonderes Anliegen, auf die Möglichkeiten der Früherkennung des Käfers hinzuweisen. „Wo sich der Käfer neu niederlässt, fällt bräunliches Bohrmehl von der Baumrinde herab.“ Er bittet Waldbesitzer und Spaziergänger, das zu beobachten. Denn in diesem Fall bleiben nur noch wenige Wochen: „Sobald aus dem Baum neue Käfer erst einmal ausfliegen, ist es unfassbar, wie viel Schaden sie dann anrichten.“

Frühzeitige Erkennung hilft

  • Bohrmehl:

    So heißt das wichtigste Stichwort, wenn es um die Bekämpfung der Borkenkäfer geht. Sobald sich Käfer in einen Baum einbohren, fallen feine, braune Späne. Frühzeitig erkannt, können betroffene Bäume schnell entnommen werden und zumindest das Holz gerettet werden.

  • Meldung:

    Waldbesitzer und Spaziergänger sollten Beobachtungen an die jeweilige Waldbesitzervereinigung oder das AELF melden.

Eine Baumart trifft es dabei besonders hart. „Wer keine Fichte hat, hat weniger Stress“, sagt Alexander Mann. „Die Fichte ist das große Sorgenkind.“ Doch auch bei Kiefern treten zunehmend Probleme auf. Nachhaltig helfen könnte nur eine feuchte Witterung. Dann hätten die Bäume genug Wasser, um viel Harz zu bilden. Möchte sich ein Käfer in so einem vitalen Baum einnisten, hat er keine Chance. Der Baum könnte sich auf ganz natürliche Weise schützen – indem er das frische Bohrloch verharzt.

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