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Ernährung

Eine zweite Chance für Gemüse mit Makeln

Pascal Nießlbeck ist der „Rübenretter“. Er will dafür sorgen, dass weniger Feldfrüchte aus optischen Gründen entsorgt werden.
von Bettina Dennerlohr

Eigentlich wollte Pascal Nießlbeck einen Online-Shop für Obst entwickeln. Nach einem Gespräch mit einem Landwirt rief er dann aber stattdessen „Rübenretter“ ins Leben. Foto: Kevin Hernandez
Eigentlich wollte Pascal Nießlbeck einen Online-Shop für Obst entwickeln. Nach einem Gespräch mit einem Landwirt rief er dann aber stattdessen „Rübenretter“ ins Leben. Foto: Kevin Hernandez

Neumarkt.82 Kilogramm Lebensmittel wirft jeder Deutsche pro Jahr weg– das sagt eine Studie der Uni Stuttgart. Beinahe die Hälfte davon, nämlich 44 Prozent, machen Obst und Gemüse aus. Einer der Gründe: Obst und Gemüse werden oft entsorgt, wenn sie nicht hübsch genug erscheinen. Schrumpelige Möhren oder Äpfel mit Druckstellen werden aussortiert, was nicht der Norm entspricht, landet oft gar nicht in den Läden. Einen Gegenpol dazu will Pascal Nießlbeck setzen. Er führt in der Maria-Hilf-Straße in Neumarkt einen Gemüseladen. Sein neuestes Projekt trägt den Titel „Rübenretter“.

Unter www.ruebenretter.de und in seinem Laden verkauft Nießlbeck Boxen mit Gemüse. „Das entspricht nicht den Kriterien im Supermarkt, ist aber einwandfrei und schmeckt sehr gut“, erklärt der 21-Jährige. So finden sich in seiner aktuellen Box zu kleine Paprika, zu kurze Gurken, Äpfel mit kleinen Schalenfehlern und lose Strauchtomaten. „Das ist die Natur, die Erzeuger können das nicht beeinflussen“, erklärt Nießlbeck. Auf die Idee für die Rübenretter hat ihn ein Gespräch mit einem Landwirt gebracht. Der berichtete ihm, wie viele seiner Feldfrüchte er nicht verkaufen kann. Rund 40 Prozent der Ernte werde dann zur Energiegewinnung genutzt oder gar nicht erst geerntet, sagt Nießlbeck.

BBV-Kreisobmann Michael Gruber sieht die Bauern unter Druck. Archivfoto: Andreas Friedl
BBV-Kreisobmann Michael Gruber sieht die Bauern unter Druck. Archivfoto: Andreas Friedl

„Die Bauern stehen ungemein unter Druck. Je schöner ihr Produkt, desto lieber ist es den großen Handelsketten“, sagt BBV-Kreisobmann Michael Gruber. Unperfektes Gemüse habe da keine Chance. Gruber erkennt darin durchaus widersprüchliches Handeln: „Einerseits sollen Obst und Gemüse möglichst wenig gespritzt und behandelt sein, andererseits einwandfrei aussehen. Das passt aber nicht zusammen.“ Nur Bio-Produkte dürften manchmal auch kleine Makel haben, lautet Grubers Erfahrung: „Da ist der Kunde eher bereit, das zu akzeptieren.“

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Im Landkreis gibt es zwar verhältnismäßig wenige Gemüsebauern. Der Anbau in der Region findet eher in Mittelfranken statt. Doch die Probleme der Erzeuger seien überall ähnlich, sagt Gruber, selbst Haupterwerbslandwirt. Große Ketten geben den Preis vor und die Bauern sind gezwungen, mitzumachen – so beschreibt Gruber die Situation. Wer sich nicht in das System eingliedere, der werde ersetzt. Der BBV plädiere deshalb dafür, die regionale Vermarktung zu stärken, beispielsweise in dem Produkte aus Bayern deutlich deklariert werden. „Die Verbraucher schätzen das“, ist sich Gruber sicher. Denn den Schritt zum Selbstvermarkter könne nicht jeder Landwirt gehen: „Man muss viele Vorschriften einhalten, sich seine Kundschaft aufbauen und vor allem viel Zeit investieren – da muss alles passen.“

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Für Nießlbeck war jetzt der passende Zeitpunkt, seinen Onlineshop zu eröffnen. Sein „unperfektes“ Gemüse verschickt er deutschlandweit – und hat nach eigener Aussage schon Kunden in den nördlichen Bundesländern für seine Box mit Waren aus dem Knoblauchsland begeistern können. Aufgefallen ist ihm bereits, dass sich vor allem ältere Menschen für das Gemüse mit kleinen Fehlern begeistern können. Einen Grund hat Nießlbeck dafür auch schon ausmachen können. So hätten ihm Kunden berichtet, die kleinen Makel erinnerten sie mehr an das Gemüse, das früher im eigenen Garten angebaut wurde.

Aktuell kann Nießlbeck mit seiner B-Ware aus dem vollen schöpfen: Gerade wird viel geerntet und dementsprechend viel aussortiert. Im Winter soll die Box dann wiederum das passende Gemüse enthalten. Denn zu Nachhaltigkeit gehöre auch Saisonalität. Das findet auch Landwirt Gruber: „Mittlerweile gibt es dauerhaft Erdbeeren im Winter zu kaufen. Ich finde das nicht mehr richtig.“

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