MyMz
Anzeige

Einsatz in der Neumarkter Corona-Station

Der 2015 aus Afghanistan geflohene Krankenpfleger Murtaza Ramazanzada sagt: „Wir schaffen das – und zwar alle gemeinsam!“.
Von Lothar Röhrl

Ein Afghane zeigt sich am Klinikum dankbar für Hilfe seit 2015. Foto: Böhm
Ein Afghane zeigt sich am Klinikum dankbar für Hilfe seit 2015. Foto: Böhm

Neumarkt.„Wir schaffen das“ – seit dem Jahr 2015 fällt vielen Deutschen dieser Satz nur in Verbindung mit Bundeskanzlerin Angela Merkel ein. Nun hat in Neumarkt mit Murtaza Ramazanzada ein 2017 aus Afghanistan nach Neumarkt gekommener Asylbewerber diesen Satz übernommen und um einen Halbsatz ergänzt: „Wir schaffen das – und zwar alle gemeinsam!“ Das bezieht er auf seinen aktuellen Arbeitsplatz: Der Krankenpflegeschüler ist in der Isolierstation des Neumarkter Klinikums eingesetzt.

Gesundheit

Neue Infektionsstation bietet 42 Betten

Für Corona-Infizierte wurde eine eigene Abteilung am Klinikum Neumarkt geschaffen. Der Personalbedarf ist derzeit groß.

Von der Einsatzbereitschaft und Lernwilligkeit des 27-Jährigen ist Cornelia Schneck, Lehrerin in der Neumarkter Krankenpflegeschule unter anderem für Presseauskünfte zuständig ist, sehr angetan. Damit stünde sie nicht alleine, meint Cornelia Schneck. In der gleichen Weise würden auch alle denken, die wie Ramazanzada das zweite Ausbildungsjahr der Neumarkter Schule besuchen. Die Wertschätzung für ihren Klassenkameraden haben sie ausgedrückt, indem sie Ramazanzada zu ihrem „Klassensprecher“ gewählt hätten, fügte Schneck an.

Auf der Station wird alles gegeben

Mit seiner Aussage habe der gebürtige Afghane unterstreichen wollen, dass es alle, die auf der Neumarkter Isolierstation arbeiten, schaffen werden, die Erkrankten zu betreuen: „Denn wir geben alles.“ Für ihn selbst habe der Merkel-Satz aus dem Jahr 2015 die Hoffnung bedeutet, dass er in dem für ihn fremden Land nach seiner Flucht aus Afghanistan auf deutsche Unterstützung bauen könne.

Murtazas Einsatz

  • Zuarbeiter:

    Wie alle Krankenpflegeschüler des zweiten Ausbildungsjahres darf Ramazanzada noch nicht eigenverantwortlich tätig sein. Allerdings kommt er als Lernender sowie Unterstützer der examinierten Pflegekräfte mit seinem Ganzkörper-Schutzanzug schon in die Nähe von an Covid 19 Erkrankten. Die ausgebildeten Praxisanleiter am Klinikum betreuen und begleiten Murtaza und seine Klassenkammeraden bei der täglichen Arbeit am Patienten.

  • Bezahlung:

    Schüler erhalten im ersten Jahr 1100 Euro/Monat brutto; im dritten Jahr 1300 Euro.

„Diese will Murtaza jetzt durch seinen nicht einfachen Einsatz auf der Isolierstation gewissermaßen zurückgeben“, weiß Cornelia Schneck aus Gesprächen mit dem Afghanen. Diese fielen ihr dank der inzwischen sehr guten Deutschkenntnisse von Murtaza Ramazanzada leicht.

Versorgung

Die Helden der Corona-Krise

Ohne diese Menschen würde das Zusammenleben im Landkreis Neumarkt überhaupt nicht funktionieren. Sie erzählen vom Alltag.

Von dem Afghanen weiß Schneck, dass dieser nach zwölf Jahren Schulbesuch eine 18 Monate dauernde Sanitätsausbildung in der afghanischen Armee gemacht hatte. Nach deren Ende im Jahr 2012 war Ramazanzada drei Jahre Krankenpfleger in einem Militärkrankenhaus, das in der Hauptstadt Kabul gelegen ist. Cornelia Schneck kann sich gut vorstellen, welche Erlebnisse Murtaza dort gehabt haben muss. Denn zu dieser Zeit erschütterten blutreiche Anschläge der Taliban das Land. „Er hat uns einiges über diese sehr prägende und bewegende Zeit erzählt.“

Erst Praktikum, dann Schule

2015 sei er mit seiner Familie aus dem Land geflohen und dann im November in Deutschland angekommen. Schon bald nach seiner Ankunft in Neumarkt – und zwar im September 2017 – habe sich der Afghane für ein Halbjahres-Praktikum am Neumarkter Klinikum beworben. Im März 2018 durfte er mit der dreijährigen Ausbildung zum Gesundheits- und Krankenpfleger beginnen.

Mehr Geschichten aus Neumarkt lesen Sie hier.

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht