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Emilia Müller gibt CSU-Bezirksvorsitz ab

Albert Füracker ist Favorit für die Nachfolge. Sozialministerin begründet Schritt mit hoher Arbeitsbelastung in Asylpolitik
Von Christine Schröpf, MZ

Emilia Müller ist seit ihrem Amtsantritt als Sozialministerin im Herbst 2013 mit ständig steigenden Flüchtingszahlen konfrontiert.
Emilia Müller ist seit ihrem Amtsantritt als Sozialministerin im Herbst 2013 mit ständig steigenden Flüchtingszahlen konfrontiert. Foto: dpa

Regenstauf.Sozialministerin Emilia Müller kandidiert beim Parteitag am 18. Juli nicht mehr als Oberpfälzer CSU-Vorsitzende und empfiehlt Finanzstaatssekretär Albert Füracker als ihren Nachfolger. „Er hat Führungsqualitäten. Ich kann mir vorstellen, dass er es sehr gut machen kann“, sagte sie.

Bei der Bezirksvorstandssitzung am Samstagvormittag in Regenstauf informierte sie die Vorstandskollegen über ihren geplanten Schritt. Die 63 Jahre alte CSU-Frau erhielt für ihre Arbeit in der Vergangenheit lang anhaltenden Beifall. „Ich mache es aus Vernunftgründen“, sagt sie gegenüber der Mittelbayerischen Zeitung. Als Hauptmotiv nannte sie die wachsende zeitliche Belastung im Amt als Sozialministerin durch den steigenden Zustrom von Asylbewerbern. Täglich treffen nach ihren Worten rund 500 neue Flüchtlinge im Freistaat ein. „Der Zugang wird nicht weniger.“ Aktuelles Hauptproblem ist die große Zahl unbegleiteter minderjähriger Flüchtlinge. Der Passauer Landrat Franz Meyer hatte in der vergangenen Woche einen Hilferuf abgesetzt.

Füracker in starker Position

Müller hatte bei ihrer Entscheidung gegen eine weitere Kandidatur auch die anstehenden Wahlen im Blick, die ab der Bundestagswahl 2017 bis 2021 im jährlichen Rhythmus stattfinden und vollen Einsatz erforderten. Der Verzicht sei ihr schwer gefallen. Sie wolle die Interessen der Region aber weiter „mit Herzblut“ im Kabinett vertreten.

Albert Füracker gilt nicht erst seit seiner Berufung als Finanzstaatssekretär ins Kabinett Seehofer II im Herbst 2013 (Bild) als starke Figur in der Oberpfälzer CSU.
Albert Füracker gilt nicht erst seit seiner Berufung als Finanzstaatssekretär ins Kabinett Seehofer II im Herbst 2013 (Bild) als starke Figur in der Oberpfälzer CSU. Foto: dpa/Archiv

Füracker, bisher nur in der Funktion als Schriftführer, gilt seit längerem als starker Mann in der Oberpfälzer CSU. Als Finanzstaatssekretär verantwortet er im Ressort von Minister Markus Söder unter anderem den Breitbandausbau in Bayern mit. 2008 war der gelernte Landwirt aus Degerndorf (Lkr. Neumarkt) erstmals in den Landtag gewählt worden. Ab 2009 bis zu seiner Berufung ins Kabinett Seehofer II leitete er dort den Landwirtschaftsausschuss. Er ist 47 Jahre alt, verheiratet und hat vier Kinder.

Rückhalt von Markus Sackmann

Füracker freute sich am Samstag über die Unterstützung durch Müller. „Das ehrt mich natürlich“, sagte er. Wenn er beim Parteitag im Juli das Vertrauen der Delegierten bekomme, werde er das Amt des Vorsitzenden sehr gerne übernehmen. Weiteren Rückhalt erhielt er bereits vom Oberpfälzer CSU-Vize Markus Sackmann. Die Region brauche weitere eine starke Stimme in München. „Es ist absolut erforderlich, dass der Bezirksvorsitzende auch im Kabinett sitzt.“ Füracker verfüge zudem über sehr gute Kontakte zur CSU-Landtagsfraktion. „Er ist dort gut verankert und anerkannt.“ Rückenwind gab es zudem aus der Nordoberpfalz. „Wir werden Albert unterstützen“, kündigte der Tirschenreuther Kreisvorsitzende und Landtagsabgeordnete Tobias Reiß an. „Wir wollen als CSU große Geschlossenheit zeigen.“ Der Bezirksvorsitzende der Jungen Union, Christian Doleschal, betrachtet Füracker, der von 1997 bis 2001 stellvertretender JU-Landesvorsitzender war, gewissermaßen als Mann aus den eigenen Reihen. „Der Albert ist im Herzen noch immer ein JUler. Ich gehe davon aus, dass er die Anliegen der jungen Generation gut vertreten wird.“

Respekt aus Frauen-Union

Emilia Müller ist seit Juni 2008 Bezirkschefin, sie hatte den früheren Staatssekretär Hans Spitzner abgelöst. „Ich war die erste weibliche Vorsitzende in der CSU“, sagt sie. Aktuell sind inklusive Müller nur zwei von zehn dieser Posten in Frauenhand - der Bezirksverband Oberbayern wird von Ilse Aigner geführt. Ein heikler Randaspekt: Parteichef Horst Seehofer hat sich die Frauenförderung auf die Fahnen geschrieben, nun verliert er an der Spitze des mit rund 20 000 Mitgliedern zweitgrößten CSU-Bezirksverbandes eine weibliche Repräsentantin. Auch die Vorsitzende der Oberpfälzer Frauen-Union und CSU-Bundestagsabgeordnete Barbara Lanzinger reagierte deshalb mit gemischten Gefühlen. „Sie ist unsere Frontfrau und hat immer auch für Frauen an der Spitze gekämpft.“ Auf der anderen Seite empfinde sie für die Entscheidung großen Respekt. Es erfordere „Mut und Selbstbewusstsein sich aus freien Stücken ganz auf das Amt als Sozialministerin zu konzentrieren“.

Müller kandidiert beim Bezirks-Parteitag im Sommer in Barbing auch für kein anderes Amt, sie bleibt aber wohl durch ihre Funktion als Ministerin kooptiertes Mitglied. In der Oberpfälzer CSU kommt es zum weiteren Stühlerücken. Dem Vernehmen nach kandidiert der frühere Landrat von Neustadt/WN, Simon Wittmann, nicht mehr - er könnte durch den amtierenden dortigen Landrat Andreas Meier ersetzt werden. Da bei den Vizeposten auf Regionalproporz Wert gelegt wird, dürften sich ansonsten nichts ändern. Markus Sackmann aus Roding hat bereits seinen Hut in den Ring geworfen, für Regensburg gilt Sylvia Stierstorfer als gesetzt, für Amberg der Landtagsabgeordnete Harald Schwartz, vorausgesetzt die Delegierten setzen nicht überraschend andere Akzente. Vakant wird offenbar auch ein weiterer Schriftführerposten. Der frühere Regensburger OB Hans Schaidinger tritt wohl nicht mehr an. Eine Frau könnte für ihn nach vorne rücken - etwa die Regensburger Bundestagsabgeordnete Astrid Freudenstein, die bereits Beisitzern im Vorstand ist.

Regensburg bleibt Wermutstropfen

Müller verwies am Samstag darauf, dass der Bezirksverband Oberpfalz in sehr guter Lage sei. „Ich kann geordnet übergeben.“ Bei der Bundestagswahl 2013 habe die Oberpfälzer CSU sieben Mandate errungen, bei der Landtagswahl 2013 neben allen acht Stimmkreisen ein zusätzliches Listenmandat erkämpft. Auch die Kommunalwahl 2014 sei gut verlaufen. Einziger Wermutstropfen ist aus ihrer Sicht das Ergebnis in der Bezirkshauptstadt. In Regensburg hatte SPD-Mann Joachim Wolbergs den CSU-Kandidaten geschlagen, im Landkreis Regensburg gelang das Tanja Schweiger von den Freien Wählern.

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