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Portrait

Er gibt der Stadt ein Gesicht

Viele Bauten in Neumarkt tragen die Handschrift von Architekt Theo Nutz: Am Montag hat er seinen 70. Geburtstag gefeiert.
Von Nicole Selendt

Architekt Michael Zaschka plauderte bei der Feier zum 70. Geburtstag von Theo Nutz (l.) ein wenig aus dem Nähkästchen.
Architekt Michael Zaschka plauderte bei der Feier zum 70. Geburtstag von Theo Nutz (l.) ein wenig aus dem Nähkästchen.

Neumarkt.So viele Häuser hat er geplant und gebaut in seinem Leben. Und keins konnte dem Haus, in dem Theo Nutz das Licht der Welt erblickt hat, offenbar das Wasser reichen. Nicht anders lässt es sich erklären, dass der Architekt auch heute noch in dem Haus in Deining lebt, in dem er vor 70 Jahren geboren ist. Zwar hat er es seit seiner Kindheit ein wenig umgebaut. Doch sein Frühstück nimmt er jeden Tag nur einen Meter von dort entfernt zu sich, wo er zur Welt kam. Und das will er weiter tun. Der MZ hat er verraten, was er mit seinen 70 Jahren außerdem noch machen will.

Im Rahmen seiner großen Geburtstagsfeier, die auch gleichzeitig die Einweihungsfeier seines jüngsten Projekts an der Nürnberger Straße und die Umzugsfeier seines Architekturbüros in die neuen Räume dort war, sprach er über seine Kindheit, seine Ausbildung, seine Arbeit. Und Kollegen, Familienmitglieder und Wegbegleiter – unter anderem auch Finanzminister Albert Füracker – plauderten ein bisschen aus dem Nähkästchen.

Auch ein langjähriger Wegbegleiter von Architekt Theo Nutz, Finanzminister Albert Füracker, gratulierte zum 70. Geburtstag.
Auch ein langjähriger Wegbegleiter von Architekt Theo Nutz, Finanzminister Albert Füracker, gratulierte zum 70. Geburtstag.

So steht Nutz zum Beispiel dazu, dass er kein geborener EDV-Architekt ist. Obwohl er im Jahr 1990 als einer der ersten in Bayern auf CAD – also Pläne-Zeichnen mit dem Computer – umgestellt habe, zeichnet er selbst seine Entwürfe noch immer mit der Hand. Dass das seine Mitarbeiter gelegentlich verzweifeln lässt, erzählt Gesellschafter Michael Zaschka auf der Geburtstagsfeier. Nämlich dann, wenn er eine schnelle Fertigstellung von Plänen am PC erwartet – mithilfe der „Tschak-Tschak-Fertig-Taste“, die die Mitarbeiter aber noch immer vergeblich auf ihrer Tastatur suchen.

Wutbrief an damaligen OB Alois Karl

Auch erinnert Nutz sich mit einem Augenzwinkern an einen wütenden Brief, den er im Affekt an den damaligen Oberbürgermeister Alois Karl geschrieben und eingeworfen hatte, dann aber vergeblich dem Postboten wieder aus den Händen schwatzen wollte. Der Brief habe nämlich eigentlich dem damaligen Landrat gelten sollen – nachdem der Kreistag tags zuvor erneut einen eingereichten Plan seines Architekturbüros nicht ausgewählt hatte.

Das jüngste Projekt Großprojekt des Büros Nutz ist am Montag eingeweiht worden:

Rundgang durch das Zentrum an der Nürnberger Straße

Dass er trotz seiner 70 Jahre noch lange nicht ans Aufhören als Architekt denkt, ergibt sich für ihn aus seinem Lebensmotto: „Lieber gesund arbeiten als krank nichts tun.“ Sein Hobby sei sein Beruf und deswegen sieht er auch keinen Grund, in nächster Zeit nicht mehr zu arbeiten. Dass er Spaß an seiner Arbeit hat, betonte er bei seiner Geburtstagsfeier mehrmals. Inspiration sei er damit nicht nur für seine Mitarbeiter, wie ihm Schwerdt und Zaschka bescheinigten. Auch seine Enkelin Hanna sprach sichtlich zu Tränen gerührt vor den rund 350 Gästen von ihrem großen Vorbild, ihrem Opa. Er habe sie dazu ermutigt, beruflich nur das zu tun, was ihr auch Spaß mache. Das wolle sie beherzigen.

Alles begann mit einer Malerlehre

Dabei sei das Leben für Nutz nicht immer einfach gewesen. Schwere Malaria-Anfälle seines Vaters, der unheilbar krank aus der Kriegsgefangenschaft wieder heimkam, die Mitarbeit in der Landwirtschaft, der Tod seines Bruders haben sein Leben geprägt. Auch beruflich lief es zunächst nicht so wie erhofft. Denn eigentlich hatte er sich damals nach der Volksschule in Deining als Elektriker beworben.

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Ein Hotel, Büros, eine Praxis und ein Nahversorger für Neumarkt. Zur Einweihung durfte die MZ sich dort genauer umschauen.

Doch als solcher wurde er abgelehnt und so nahm ihn zunächst ein Malermeister – der grade mit dem Radl des Weges kam – in die Lehre. Architekt konnte er werden, weil er 1969 als einer der ersten die damals neu in Neumarkt gegründete Berufsaufbauschule absolvierte. Nach einer zusätzlichen Maurerlehre, seiner Zeit bei der Bundeswehr und seinem Studium in Nürnberg war er mit 25 schließlich fertiger Architekt und machte sich 1983 mit seiner Frau selbstständig.

Bauboom in der Wolfsgasse ausgelöst

Viele private, aber auch öffentliche Bauten im Landkreis Neumarkt tragen seine Handschrift. So hat Nutz mit seinen Mitarbeitern den Umbau des Bürgerhauses in der Fischergasse zu verantworten. Die Weinbergerschule, die Schule in Lauterhofen oder das derzeit entstehende Sonderpädagogische Förderzentrum auf dem Areal des alten Willibald-Gluck-Gymnasium stammen aus seiner Feder. Stolz ist er auch darauf, dass er mit einem Altstadt-Wohnprojekt in der Wolfsgasse viele weitere Investoren dazu ermutigen konnte, die Neumarkter Altstadt wieder aufzuwerten. „Wir haben gezeigt, dass Wohnen in der Altstadt schön ist und dort einen Bauboom ausgelöst“, sagt er.

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Das herausfordernste Projekt in seiner bisherigen Tätigkeit als Architekt sei der Bau des Ärztehauses in der Regensburger Straße gewesen. Aus einem alten Möbelhaus ein Gebäude mit rund 30 Praxiseinheiten und anderen Nutzungen zu machen, sei nicht einfach gewesen. Auch auf das umgebaute Ostendorfer Gymnasium ist er stolz. Da stecke viel Herzblut drin, „da bin ich heute noch ein bisschen verliebt.“

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