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Region Neumarkt
Montag, 20. August 2018 28° 2

Aktion

Erst Bögl-Weiher säubern – dann feiern

Der Müll einer Party sorgte am Sengenthaler Badesee für Zoff. Paul Pfeifer startet eine Aufräumaktion mit hohem Spaßfaktor.
von Wolfgang Endlein

Paul Pfeifer (l.) und Matthias Schöll wollen am Bögl-Weiher für Sauberkeit und zugleich beste Party-Stimmung sorgen. Foto: Endlein
Paul Pfeifer (l.) und Matthias Schöll wollen am Bögl-Weiher für Sauberkeit und zugleich beste Party-Stimmung sorgen. Foto: Endlein

Sengenthal.Paul Pfeifer hat einen Nerv getroffen – obwohl er es gar nicht vorhatte. Als der junge Mann bei der MZ in Neumarkt anruft, um sein Anliegen vorzubringen, ahnt er nicht, dass sein Thema gerade das große Thema vieler Menschen im Landkreis Neumarkt ist. Der Bögl-Weiher und die dortigen Hinterlassenschaften einer wilden Schulentlassfeiern beschäftigten die Leser in Zeitung und Internet viele Tage lang. Entsprechend berichtete die MZ in Neumarkt mehrfach über die Vorfälle und die Diskussion im Nachgang.

Eine große Frage war dabei jene, wer den Müll wegräumt? Paul Pfeifer will das gemeinschaftlich organisieren – und dabei gleichzeitig auch am Ufer des beliebten Badesees nahe Sengenthal feiern. Am 4. August soll die Aktion „Baggersee - Ramma zamm!“ starten, zu der dem 29-Jährigen die Idee nicht etwa wegen der Schüler-Feier kam.

Organisator Paul Pfeifer im MZ-Video-Interview:

Besondere Müllaktion am Bögl-Weiher

Mit Schlauchboot fing alles an

Paul Pfeifer lebte einst in Postbauer-Heng, ist aber auch nach seinem Umzug ins benachbarte Franken regelmäßig im Landkreis Neumarkt zu Gast. Unter anderem am Bögl-Weiher. Foto: Endlein
Paul Pfeifer lebte einst in Postbauer-Heng, ist aber auch nach seinem Umzug ins benachbarte Franken regelmäßig im Landkreis Neumarkt zu Gast. Unter anderem am Bögl-Weiher. Foto: Endlein

„Ich hab mir ein Schlauchboot gekauft und bin dann vor einigen Wochen auf dem Bögl-Weiher herumgepaddelt. Später habe ich mir gedacht, dass man dort doch mal sauber machen könnte“, erinnert sich Pfeifer, der lange in Postbauer-Heng gewohnt hat, aber auch nach seinem Wegzug ins benachbarte Franken dem Bögl-Weiher verbunden geblieben ist. Dass für eine solche Aufräumaktion nach der umstrittenen Schüler-Party gerade besonderer Anlass besteht, ahnte Pfeifer da noch nicht. „Das ist mir völlig neu.“

„Ich lade Euch alle ein! Etwas der Region und vor allem euch selber zurückzugeben!“

Paul Pfeifer auf Facebook

Nichtsdestotrotz fackelte Pfeifer, offenbar ein Mann der Tat, nicht lange und schmiedete mit Kumpels einen Plan, der innerhalb weniger Tage sehr konkrete Züge annahm. Der Plan: An jenem Samstag Anfang August will man sich mit jedem, der mag, um 13 Uhr am Bögl-Weiher treffen, erst gemeinsam aufräumen und dann zum zwanglosen Beisammensein am Bögl-Weiher einladen.

Nach der Schüler-Party Ende Juni sah der Bögl-Weiher so aus. Foto: K. Ochsenkühn
Nach der Schüler-Party Ende Juni sah der Bögl-Weiher so aus. Foto: K. Ochsenkühn

Dazu werden die Vodoo Funkers ebenso lockere Musik auflegen. Matthias Schöll, einer der drei Musiker der Band aus dem Landkreis, erklärt: „Die Musikrichtung nennt sich Instrumental Hip Hop“. Doch laut scheppernde Beschallung muss niemand befürchten. Wer sich im Internet die im eigenen Studio selbst aus einem Mix aus Jazz, Funk, Soul und Hip Hop zusammengebauten Songs anhört, fühlt sich sogleich an den Strand des Bögl-Weihers an einem lauen Sommerabend versetzt, ein kühles Getränk in der Hand und den Sonnenuntergang betrachtend.

Reinhören in die Musik der Voodoo Funkers kann man hier:

Genauso könnte es werden, hofft nicht nur Pfeifer, der dafür Einiges in Bewegung gesetzt hat. Zahlreiche regionale Unternehmen hat er einfach angerufen und um Unterstützung gebeten, was ihm – möglicherweise unter dem Eindruck der Schlagzeilen der vergangenen Wochen – auch unbürokratisch von vielen zugesagt wurde. „Dafür möchte ich mich nochmals herzlich bedanken“, sagt Paul Pfeifer.

Matthias Schöll ist einer von drei Musikern der Band Voodoo Funkers. Foto: Endlein
Matthias Schöll ist einer von drei Musikern der Band Voodoo Funkers. Foto: Endlein

  • Artikel zum Bögl-Weiher:
  • Erstmals berichtete die MZ über die Schulentlassfeier am Bögl-Weiher und den Müll in diesem Artikel.
  • Nach der öffentlichen Kritik an der Party meldeten sich angebliche Verursacher auf ungewöhnliche Weise bei einem Kritiker. Darüber berichtete dieser Artikel.
  • Nach einigen Tagen nahmen auch die Schulen Stellung zu den Ereignissen, wie dieser Artikel berichtet.

So stellen die drei Neumarkter Brauereien im gewissen Umfang Getränke zur Verfügung. Die Feierler GmbH aus Röckersbühl sorgt wiederum dafür, dass die Musiker Strom haben werden. Vor allem aber habe ihm der Eigentümer des Grundstücks, die Firma Bögl, grünes Licht gegeben, erklärt Pfeifer. Wie der MZ auf Nachfrage von der Firmenzentrale bestätigt wird, stellt Bögl auch Müllcontainer für den eingesammelten Müll zur Verfügung. Die zu füllenden Müllsäcke gibt es frei Haus von der Neumarkter Firma Peku Folien.

Resonanz auf Facebook

Derartiges, wenn auch vielleicht nicht gerade mit diesem Ansatz, hat am Bögl-Weiher Tradition. Immer wieder, auch in den vergangenen Tagen finden sich Menschen zusammen, um gemeinsam das Uferumfeld freiwillig zu reinigen. Was zugleich eine gute und eine schlechte Nachricht ist: Bürgerschaftliches Engagement ist da, die Schmutzfinken leider nach wie vor auch.

Sengenthals Bürgermeister Werner Brandenburger ist über die Aktion erfreut. Foto: Schlittenbauer
Sengenthals Bürgermeister Werner Brandenburger ist über die Aktion erfreut. Foto: Schlittenbauer

Wie viele von „den Guten“ am 4. August kommen werden, um mitanzupacken, kann Pfeifer, der so etwas nach eigener Aussage zum ersten Mal macht, nicht abschätzen. Auf der Facebook-Seite der Veranstaltung gab es aber schon einige Resonanz. Pfeifers Aufruf scheint viele anzusprechen: „Ich lade Euch alle ein!

Etwas der Region und vor allem euch selber zurückzugeben!“

Hier geht es zu der Veranstaltungsseite auf Facebook.

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