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Region Neumarkt
Donnerstag, 20. September 2018 26° 1

Reparatur

Erste Hilfe für defekte Geräte

Spielsachen und Smartphones werden im Repair-Café erneuert. Trotz eines gescheiterten Versuchs ist Neumarkt optimistisch.
Von Bernhard Neumayer

Bei Fragen rund ums Nähen helfen die Damen der Näh-Gruppe, die sich donnerstags im G6 trifft. Foto: Neumayer
Bei Fragen rund ums Nähen helfen die Damen der Näh-Gruppe, die sich donnerstags im G6 trifft. Foto: Neumayer

Neumarkt.Probleme im Alltag treten ständig auf: der Akku des Smartphones hält nicht einmal mehr einen Tag, der Kaffee tröpfelt langsamer aus der Maschine als er sollte und der Knopf der Lieblingshose ist abgegangen. Die Lösung der Probleme muss nicht immer ein neues Gerät sein. In manchen Fällen lässt sich die Kaffeemaschine selbst reparieren – wenn man das Wissen im Kopf und das Werkzeug zur Hand hat.

Beides ist ab Mai im neuen Repair-Café in Neumarkt vorhanden. Die Freiwilligen-Agentur Neumarkt (FAN) hatte die Idee. In Kooperation mit dem G6, der CAH, der Maximilian-Kolbe-Schule und städtischen Unternehmen setzt FAN-Vorsitzende Vera Finn das Konzept um. Will ein Bürger mit Unterstützung der ehrenamtlichen Helfer sein Smartphone reparieren, geht er zu einem der Treffen in die Werkstatt des G6. Die Experten vor Ort sollen nur Tipps geben, die Neumarkter müssen bei ihrem kaputten Teil selbst Hand anlegen. „Wir sind kein kostenloser Reparaturdienstleister“, sagt Finn.

Vera Finn erklärt im Video, was alles im Neumarkter Repair-Café repariert wird:

Das Repair-Café in Neumarkt

Damit meint sie, dass die Besucher selbst anpacken und sich das defekte Gerät nicht von Experten zum Null-Tarif erneuern lassen. Die gemeinsame Reparatur ist kostenlos. Eine Spende sieht Finn trotzdem sehr gerne. „Die Organisation und Durchführung kostet ja auch Geld.“ Für den Start erhält das Café 5000 Euro von der Nürnberger Oschmann-Stiftung.

Auch Oberbürgermeister Thomas Thumann verspricht finanzielle Unterstützung. Wie viel, lässt er offen. „Wir müssen erst einmal schauen, wie das Café in Neumarkt angenommen wird.“ Er sei guter Hoffnung, dass es im zweiten Anlauf klappe.

Aus dem Scheitern gelernt?

In der Werkstatt des G6 wurde das Konzept des Repair-Cafés vorgestellt. Foto: Neumayer
In der Werkstatt des G6 wurde das Konzept des Repair-Cafés vorgestellt. Foto: Neumayer

Bereits vor knapp vier Jahren hatte eine zugezogene Neumarkterin versucht, ein Repair-Café im G6 zu etablieren. „Doch damals hatte das Netzwerk gefehlt, um es ehrenamtlich am Laufen zu halten“, erinnert sich Ruth Dorner, die Referentin für Nachhaltigkeitsförderung. Die FAN habe bessere Kontakte. „Wir haben aus diesem Fall gelernt.“

Ein weiteres negatives Beispiel ist Berching. Dort steht das bisher einzige Repair-Café im Landkreis vor dem Aus. Im April öffnet es zum letzten Mal in der Schmidstraße seine Türen. Es fehlt ein neuer Raum, der kostenlos zur Verfügung steht. „Wenn wir bis Ende April nichts finden, dann müssen wir das Ganze einschlafen lassen oder wir suchen in einem anderen Ort“, sagt Initiator Helmut Schmidt-Pauly.

Natürlich gehört sich zu einem Café auch ein Heißgetränk. Foto: Neumayer
Natürlich gehört sich zu einem Café auch ein Heißgetränk. Foto: Neumayer

An den Räumen kann es in Neumarkt nicht scheitern. „Wir dürfen in der Werkstatt des G6 am Volksfestplatz die kaputten Geräte reparieren“, sagt Finn. Der Leiter des Jugendbüros Siggi Müller unterstützt das Konzept – auch aufgrund der Nachhaltigkeit. „Wir müssen weg von der Wegwerfgesellschaft.“ Stattdessen solle man seine Geräte lieber im Repair-Café erneuern.

Freiwilligen-Agentur sucht noch Helfer

  • Start:

    Im Mai startet das Repair-Café in Neumarkt. Ein genauer Termin steht noch nicht fest.

  • Helfer:

    Die Organisatorin sucht weiterhin Ehrenamtliche, die ab und an ihr Wissen weitergeben.

  • Termin:

    In der Werkstatt des G6 findet das Repair-Café (rechts im Bild) statt. Geplant sind drei Stunden an einem Tag im Monat. Es steht aber noch kein Wochentag fest.

  • Finanzspritze:

    Wer das Café unterstützen will, kann seine Spende unter dem Stichwort „Repair-Café“ auf das Konto IBAN DE52 76 05 20 80 00 08 31 52 28 überweisen.

Grundsätzlich wollen sich die Ehrenamtlichen um vier Bereiche kümmern: Nähen, Elektro, IT und Spielsachen. Darunter fallen unter anderem löchrige Kleidungsstücke, defekte Küchengeräte, kaputte Smartphones und halb zerrissene Kuschelbären. Finn empfiehlt, die Gebrauchsanweisung eines Gerätes zur Reparatur mitzubringen. „Das Café ist eine Weiterentwicklung der Fahrradwerkstatt bei der CAH“, sagt Finn. In der Goldschmidtstraße werden weiterhin Drahtesel verkehrssicher gemacht. Der Rest soll im G6 repariert werden. Ehrenamtliche aller Altersstufen sollen mit ihrem Wissen helfen – egal ob Senioren, Berufstätige oder Schüler.

Vera Finn initiierte das Repair-Café. Foto: Neumayer
Vera Finn initiierte das Repair-Café. Foto: Neumayer

Um junge Menschen mit ins Boot zu holen, fragte Finn bei dem Schulleiter der Maximilian-Kolbe-Schule, Markus Domeier, nach. Etwa zehn bis 15 Schüler hätten sich bereiterklärt, ihr Wissen im Repair-Café weiterzugeben. „Ich finde es beeindruckend, dass junge Leute freiwillig helfen und den Umweltgedanken verfolgen“, sagt der gelernte Elektriker. Das Reparieren von Geräten liegt ihm am Herzen.

Lesen Sie hier: Reparieren kommt wieder in Mode.

Die beiden Schüler Luca Ranieri und Anton Krieger können sich vorstellen, ab und an im Repair-Café zu helfen – wenn sie in der Schule das Vorwissen erlernt haben. Momentan besuchen die 18-Jährigen die elfte Klasse an der FOS. Im Technikerzweig lernen die Schüler in Praktika Grundkenntnisse in den Bereichen Metall, EDV und Elektro. „Ich finde es nur blöd, wenn ich in der Werkstatt stehe und nicht helfen kann, weil ich etwas noch nicht gelernt habe“, sagt Ranieri.

Doch Scheitern ist im Repair-Café einkalkuliert. Manchmal lohnt sich eine Reparatur nicht, ein anderes Mal fehlt den Ehrenamtlichen das Know-how. Um so viele Bereiche wie möglich abzudecken, will die FAN mit den Jura-Werkstätten der Lebenshilfe kooperieren. „Menschen mit Behinderung haben oft ungeahnte Talente“, sagt Werkstattleiter Sebastian Schauer. Zusammen sollen die kleinen Alltagsprobleme schnell gelöst werden.

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