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Gericht

Ex-Freundin in den Magen geschlagen?

Sie wollte in der Disco mit ihm Schluss machen, er sei betrunken gewesen und hat offenbar gegen Bewährungsauflagen verstoßen.
Von Alexandra Lindner

Zum wiederholten Male stand ein junger Mann vor Gericht. Foto: picture alliance / dpa
Zum wiederholten Male stand ein junger Mann vor Gericht. Foto: picture alliance / dpa

Neumarkt.Wann läuft bei Richter und Schöffen „das Fass über“ – oder wie lange kann man Jugendstrafrecht ausreizen? Die Frage stellte sich im Prozess wegen Körperverletzung gegen einen 22-Jährigen, der zur letzten Tat noch 21 Jahre alt war.

Insgesamt vier Verurteilungen hatte der Angeklagte bis dahin schon gesammelt. Zwei Mal ebenfalls wegen Körperverletzung, dann noch wegen Urkundenfälschung und Hausfriedensbruch. Doch innerhalb der laufenden Bewährungszeit stand er nun nach wenigen Monaten erneut vor Gericht: wieder wegen Körperverletzung. Dieses Mal begangen an seiner Ex-Freundin, mit der er nun jedoch angeblich wieder liiert ist. Sie wollte in der Disco mit ihm Schluss machen, er sei betrunken gewesen und wenn er was gesoffen habe, fliege ihm halt der Schalter raus.

Drogentest positiv

Dabei hatte er auch gegen Bewährungsauflagen verstoßen, denn trotz Alkoholverbots war ein Drogentest positiv. Und auch die Tat in der Disco fand unter Alkoholeinfluss statt. Der Staatsanwalt sah darin „schädliche Neigungen“ des Angeklagten bestätigt und keine Grundlage für eine weitere Bewährungsstrafe. Zwei Monate später zeigte der Angeklagte vor der Diskothek Berlin einem Polizisten den Stinkefinger. Obwohl der Angeklagte abstritt, den Finger explizit dem Polizisten gezeigt zu haben, hatte der Richter daran keinen Zweifel.

Vorher und Nachher

  • Urteil:

    Die Bewährung wird auf drei Jahre festgesetzt, mit vier Wochen Arrest. Höchstens vier Mal pro Jahr, aber mindestens ein Mal, muss er auf Weisung des Bewährungshelfers einen Drogentest ablegen.

Nur der Bewährungshelfer konnte dem jungen Mann noch helfen: er bestätigte eine positive Sozialprognose, aber keine vollständig ausgereifte Persönlichkeit. Deshalb solle er „jetzt mal arbeiten, richtig arbeiten, Geld verdienen und Steuern bezahlen“. Der Richter solle ihm eine „letzte Chance“ geben. Außerdem habe der Angeklagte kein Drogenproblem, was in Neumarkt ja schon eine Ausnahme sei.

Letzte Chance

Am Ende sprach diese Aussage dafür, dass Richter und Schöffen eine „zweite letzte Chance“ gaben und auf eine Bewährungsstrafe setzen. Dabei hielt der Richter zugute, dass der Angeklagte ein Teilgeständnis gemacht habe und seine Lebensgefährtin bei dem Vorfall keine bleibenden Schäden davongetragen hat. Dass er sie nur „wegschubsen“ wollte und dies mit beiden Fäusten in den Magen gemacht hat, war aus Sicht des Richters unstrittig. Er habe eine Körperverletzung „billigend in Kauf genommen“.

Dass er betrunken gewesen sei, wirke nur ganz geringfügig zu seiner Entlastung. Die „erhebliche Rückfallgeschwindigkeit“ spreche auch für eine Gefängnisstrafe. Bisher hatte er nur zwei Tage Arrest, doch dieses Mal soll es ein „Warnschuss“ sein, vier Wochen Arrest als „intensivere Erfahrung“. Im Urteil kommt es zu einem Jahr und sechs Monaten Gefängnis, auf drei Jahre Bewährungszeit.

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