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Politik

Experten diskutieren über Juraleitung

Die Gegner von „P 53“ hatten Fachleute in die Europahalle geholt. Sie versicherten, man könne die Planung überflüssig machen.
Von Franz Guttenberger

Rainer Kleedörfer (r.) und Professor Dr. von Hirschhausen (4. v. r.) waren die prominenten Gäste der Großveranstaltung, die Wolfgang Großmann (Bildmitte) initiiert hatte. Foto: Franz Guttenberger
Rainer Kleedörfer (r.) und Professor Dr. von Hirschhausen (4. v. r.) waren die prominenten Gäste der Großveranstaltung, die Wolfgang Großmann (Bildmitte) initiiert hatte. Foto: Franz Guttenberger

Berching.Die Bürgerinitiative Pollanten und die Stadt Berching hatten in die Europahalle eingeladen, um über die geplante Stromtrasse P53 und über eine sinnvolle dezentrale Energiewende zu informieren. Gut 500 Zuhörer wollten mehr zum Thema „Energiewende dezentral – ohne Stromtrasse P 53“ wissen. Landrat Willibald Gailler schaute kurz vorbei und begrüßte die Referenten Professor Dr. Christian von Hirschhausen und Rainer Kleedorfer.

Der Widerstand gegen die Stromtrasse wird immer größer. Im Landkreis haben sich rund 3000 Bürger Initiativen angeschlossen, in der Gemeinde Berching sind es mittlerweile schon 1000, sagte der Sprecher der BI Pollanten, Wolfgang Großmann, auf Nachfrage. Er und seine Mitstreiter hatten im Sommer den Grundstein für den Widerstand gelegt. Bürgermeister Ludwig Eisenreich freute sich, dass Professor Dr. von Hirschhausen auch seine wissenschaftlichen Mitarbeiter Paula Munstermann, Elmar Zozmann und Fabian Prüger mitgebracht hatte.

Strom

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„Zumindest bei der Stromerzeugung haben wir im Landkreis und vor allem hier in Berching schon vorgelegt“, sagte Eisenreich. Im Landkreis drehten sich 65 Windräder und es würden derzeit 87 Prozent des verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energien erzeugt. „Alleine im Gemeindegebiet gibt es zehn Windkraftanlagen, neun Biomasseanlagen, fünf Wasserkraftanlagen und rund 800 Photovoltaikanlagen. Damit kann rein rechnerisch der Strombedarf in der Gemeinde Berching zu 277 Prozent gedeckt werden“, betont der Bürgermeister.

Eisenreich spricht Klartext

„Wir brauchen keine gigantischen Stromtrassen. Breite Schneisen in den Wäldern und hohe Masten beeinträchtigen das Landschaftsbild und zerstören die Natur. Die Stadt lehnt die Juraleitung P 53 kategorisch ab, sie setzt klar auf dezentrale Versorgungskonzepte“, betonte Eisenreich – und bekam dafür donnernden Applaus.

Die Trasse

  • Strecke:

    Sie reicht von der Reismühle bei Mühlhausen in Richtung „Hühnerstall“ bei Pollanten hinauf zum Berg bei Ernersdorf und Winterzhofen. Die Leitung rückt nahe an das Baugebiet Pollanten-Nord.

  • Ablehnung:

    Da eine Trasse schon Pollanten-Süd tangiert und in Richtung Ernersdorf zieht, will man keine weitere Leitung haben – und auch keine in der Gemeinde oder im Landkreis. (ugu)

Professor Dr. Von Hirschhausen – Lehrstuhlinhaber für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der TU Berlin und Forschungsdirektor am DIW Berlin – stellte sein Buch über Energiewende „Made in Germany“ vor. Sein Ergebnis: Die Umsetzung der Energiewende erfordert einen weiteren starken Ausbau der erneuerbaren Energien. Dieser mache die geplante Trasse überflüssig. Der Professor forderte, erneuerbare Energien in allen Anwendungsbereichen stärker zu nutzen.

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Großen Applaus bekam er bei der Feststellung, dass die geplante Leitung gegen die Energiewende gerichtet und volkswirtschaftlich nicht vertretbar sei. Die Abschaltung von Atomanlagen sei sinnvoll, besser heute als morgen betonte er und auch der Kohleausstieg sei dringend notwendig. 100 Prozent erneuerbare Energie sei machbar, wenn man es möchte. Der Netzausbau sei noch immer am alten System orientiert und das sei der falsche Weg. Deutschland erzeuge einen Stromüberschuss und gerade die fossilen Brennstoffe blockierten die dezentrale Energiewende.

Bürger diskutieren mit

Auch Zuhörer meldeten sich zu Wort. Bernd Mayr aus Dietfurt sagte, dass sich die Menschen von der Politik im Stich gelassen fühlten. Sigrid Schindler aus Mühlhausen plädierte dafür, bestehende regionale Netze zu modernisieren statt neue Monstertrassen bauen.

Rainer Kleedörfer von der N-ERGIE AG schilderte, wie erneuerbare Energie ausgebaut und die geplante Leitung so überflüssig werden könnte. Er forderte, mehr Gewicht auf Windkraft, Photovoltaik und Wasserstoff zu legen.

„Bei Windkraft und Photovoltaik hatten wir in Deutschland einen Vorsprung, jedoch wurden wir inzwischen von anderen Ländern weit überholt“, bedauerte er. Die Aussage, dass dafür die Netze fehlten, sei schlichtweg falsch. Eine neue Leitung sei unternehmerisch und volkswirtschaftlich gesehen Schwachsinn. An die Politik appellierte Kleedörfer, den Mut zu haben, falsche Entscheidungen zu erkennen und diese rückgängig zu machen.

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