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Experten sehen Trinkwasser ungefährdet

Das Bundesamt warnt vor Nitrat. Im Kreis gibt es laut Experten nur eine kritische Quelle – dort soll ein Projekt helfen.
von Bettina Dennerlohr

Dünger gilt als Hauptursache für Nitratvorkommen im Grundwasser. Foto: Reichel/dpa
Dünger gilt als Hauptursache für Nitratvorkommen im Grundwasser. Foto: Reichel/dpa

Neumarkt.Diese Nachricht hat Verbraucher erschreckt: Das Umweltbundesamt warnt vor mit Nitrat belastetem Trinkwasser. Bei etwa einem Viertel der Vorkommen in Deutschland wird laut dem Umweltbundesamt der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschritten.

Zumindest für das Gebiet rund um Neumarkt kommt Entwarnung von Simon Hofmeister, stellvertretender Leiter des Wasserwirtschaftsamtes in Regensburg: „Aktuell haben wir keine Probleme, den Grenzwert einzuhalten.“ Kleinere Wasserversorger prüfen den Nitratgehalt im Wasser zweimal pro Jahr, größere laut Hofmeister deutlich öfter. Nur bei der Sipplquelle nahe Dietfurt liege der Nitratwert im Grenzbereich. Seit Herbst läuft deshalb ein Leader-Projekt der Jachenhausener Gruppe mit den ortsansässigen Landwirten. Sie wollen gemeinsam ein Konzept entwickeln, um das Grundwasser besser vor Nitrat zu schützen. „Denn die Landwirtschaft ist der prägende Faktor der Nitratbelastung“, sagt Hofmeister. Andere Nitratquellen seien kaum relevant.

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Das Karstgestein im Oberpfälzer Jura mache das Grundwasser anfällig für die Verunreinigung, erklärt Hofmeister: „Der Boden kann wenig Nährstoffe halten und muss deswegen entsprechend gedüngt werden. Weil der Boden die Nährstoffe aber so schlecht hält, ist die Belastung für das Grundwasser relativ hoch.“

Lebensmittel zu produzieren sei ohne geringe Nitrateinträge schwer möglich, sagt BBV-Kreisobmann Michael Gruber. Er wolle das Nitratproblem nicht kleinreden, so Gruber: „Im Landkreis Neumarkt sind die Werte aber relativ gering. Anders sieht es in Gegenden aus, wo viele Schweinemastbetriebe konzentriert sind.“ Das gelte zum Beispiel in Teilen Niederbayerns.

„Für uns Landwirte ist die Gülle ein wertvoller Dünger“, erklärt Gruber. Belastet werde das Grundwasser vor allem nur, wenn kurz nach dem Düngen sehr starker Platzregen besonders viel Nitrat auswasche: „Durch den Klimawandel wird das noch öfter der Fall sein. Dabei wäre gleichmäßigerer Regen auch für unsere Pflanzen besser“, sagt Gruber.

Die Bauern hätten heute aber auch mehr Möglichkeiten als früher, um die Wasserverschmutzung gering zu halten: Jeder Landwirt bekomme im Frühjahr das Ergebnis einer Untersuchung, wie viel Stickstoff sich in seinem Boden befindet, sagt Gruber: „Was die jeweilige Pflanze dann noch braucht, wird nach Bedarf gedüngt.“ Das lasse sich konkret berechnen und sei heute gängige Praxis in der Landwirtschaft. Außerdem könne moderne Technik kontrollieren, wie viel Gülle und Stickstoff tatsächlich auf den Feldern landet. „Vor 20 oder 30 Jahren hatten wir diese Möglichkeiten noch gar nicht“, sagt Gruber. Außenstehende hätten oft den Eindruck, dass heute mehr Gülle ausgebracht werde als nörig. Das sei aber keineswegs der Fall – da nur öfter eine Ausbringung stattfinde, dafür aber bedarfsgerecht, sagt Gruber.

Auch der Gesetzgeber hat Rahmenbedingungen vorgegeben: Bei neuen Ställen ist die Zahl der erlaubten Tiere daran gekoppelt, dass genügend Fläche zum Ausbringen der Gülle vorhanden ist. Außerdem gibt es Sperrfristen, beispielsweise wenn der Boden vereist ist. „Das halte ich auch für vollkommen richtig“, sagt Gruber.

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