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Gericht

Fahrerflucht wurde für den Schüler teuer

Ein Schüler machte sich zuerst einfach aus dem Staub. Doch nun folgte der Denkzettel der Richterin in Neumarkt.
Vom Sarah Bloos

Es geht um Fahrerflucht. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa
Es geht um Fahrerflucht. Symbolfoto: Frank Rumpenhorst/dpa

Neumarkt.532 Fahrerfluchten hat es im vergangenen Jahr im Landkreis Neumarkt gegeben – fast die Hälfte davon, nämlich rund 200 – in der Großen Kreisstadt. Meistens handelt es sich laut Polizist Richard Löhner um „Parkplatzrempler“, wenn ein Autofahrer beim Ein- oder Ausparken andere Fahrzeuge oder einen Verteilerkasten streift und beschädigt.

Eigentlich müsste der Unfallverursacher an Ort und Stelle auf den anderen Autofahrer warten bzw. die Polizei informieren. Doch die Zahl der Unfallfluchten zeigt, dass sich die Täter oft aus dem Staub machen in der Hoffnung, nicht erwischt zu werden. Und tatsächlich ist es schwierig, die Unfallverursacher zu erwischen, wenn sie nicht von einem Zeugen beobachtet worden sind. Laut Polizeihauptkommissar Löhner beträgt die Aufklärungsquote bei solchen Delikten nur rund 38 Prozent.

Kurioser Fall

In einem besonders kuriosen Fall kam es nach einem leichten Auffahrunfall dazu, dass beide Betroffenen bei verschiedenen Dienststellen Anzeige erstattet haben, erzählt Löhner. Durch den dichten Verkehr hätten sich die Autofahrer aus den Augen verloren und seien anschließend unabhängig voneinander zur Polizei gegangen.

Manchmal meldet sich der Unfallverursacher etwas später von selbst – so wie ein 19-jähriger Schüler, der sich wegen Fahrerflucht am Mittwoch vor dem Neumarkter Jugendgericht zu verantworten hatte. Er hatte in der Paulstraße in Postbauer-Heng früh morgens einen parkenden BMW beschädigt. Als er mit seinem Peugeot vorbeifuhr, hatte er die linke Seite mit dem Seitenspiegel gestreift.

Kratzer am Auto

Obwohl auch sein eigenes Auto dabei Kratzer davontrug, hielt er es nicht für nötig, stehenzubleiben und den Schaden zu melden. Er sei „auf dem Weg zur Arbeit und im Stress gewesen“, sagte der Angeklagte, der in Postbauer-Heng wohnt. Er habe den Schaden bemerkt und sei deshalb nach Feierabend sofort zum Unfallort zurückgefahren. Da ihm beim Klingeln niemand aufgemacht habe, habe er es am folgenden Tag erneut versucht und dann die Mutter des Autobesitzers angetroffen. So konnte er die Kontaktdaten austauschen – doch da war die Anzeige schon raus.

Vor Gericht sah der junge Mann seinen Fehler ein, er versprach, so etwas werde nicht mehr vorkommen. Dass er sich zwar verspätet aber dennoch von selbst gemeldet hatte, rechnete ihm das Gericht positiv an. Jugendrichter Marcel Dumke und Staatsanwältin Lisa Rackl einigten sich darauf, das Verfahren einzustellen. Zumal, da der 19-Jährige zuvor noch nie straffällig geworden war.

Denkzettel von der Richterin

Dennoch verpasste ihm der Richter einen kleinen Denkzettel und entschied sich für eine Geldauflage in Höhe von 250 Euro. Diese Summe muss der Schüler an die Diakonie seiner Heimatstadt zahlen. Da er als Schüler und Aushilfsjobber nur begrenzte finanzielle Möglichkeiten hat, darf er die Strafe in monatlichen Raten von 50 Euro abbezahlen.

Der von ihm verursachte Schaden beläuft sich laut einem Gutachten auf rund 2000 Euro. Der Betrag wird allerdings von seiner Versicherung übernommen. Bevor der 19-Jährige aus der Verhandlung entlassen wurde, ermahnte ihn Richter Marcel Dumke noch mit den Worten: „Ich hoffe, Sie fahren in Zukunft vorsichtiger“.

Kurz & knapp

  • Gesetz: Beim „Unerlaubten Entfernen vom Unfallort“ droht je nach Schwere des Unfalls neben Geldstrafen und Punkten in Flensburg auch ein Fahrverbot oder eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren.
  • Achtung: Ist der Besitzer des beschädigten Autos nicht da, reicht es nicht, einen Zettel mit den Personalien zu hinterlassen. Man muss eine halbe Stunde warten – oder direkt die Polizei benachrichtigen.

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