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Fussball

FCN: Euphorisch – trotz wenig Erfahrung

Nach vierjähriger Abstinenz startet der Club am Samstag wieder in der Bundesliga. Coach und Spieler sind zuversichtlich.
Von Thorsten Drenkard und Daniel Frasch

Der 1. FC Nürnberg ist zurück im Oberhaus: Wir beleuchten die Chancen des FCN auf den Klassenerhalt. Foto: Daniel Karmann/dpa
Der 1. FC Nürnberg ist zurück im Oberhaus: Wir beleuchten die Chancen des FCN auf den Klassenerhalt. Foto: Daniel Karmann/dpa

Nürnberg.Nicht weniger als sieben Wochen harte, schweißtreibende Arbeit liegen hinter den Profis des 1. FC Nürnberg, in der sie sich für die bevorstehende Bundesligasaison vorbereitet haben.

Glaubt man Michael Köllner, hätte sie kaum besser verlaufen können. „Die Vorbereitung lief nahezu wunschgemäß, wir sind im nächsten Level angekommen“, zog Nürnbergs Trainer ein rundum positives Fazit der intensiven vergangenen Wochen.

Mehr als 50 Mal trainiert

In mehr als 50 Trainingseinheiten eigneten sich die Franken nicht nur die nötigen körperlichen Voraussetzungen an, sondern feilten auch an taktischer Flexibilität und der Integration der Sommerneuzugänge.

Auch die Ergebnisse der Testspiele lassen ein positives Fazit zu: Neben Siegen gegen die unterklassigen Vereine SV Seligenporten (3:0), FSV Erlangen-Bruck (5:2), TSV 1860 Rosenheim (4:1) und Würzburger Kickers (4:0), gewannen die Franken auch gegen den spanischen Erstligisten Real Valladolid (1:0). Niederlagen gab es nur gegen Drittligist Hallescher FC (1:2) und den Serie A-Klub FC Bologna (0:1).

Trainer Michael Köllner Foto: Patrick Seeger/dpa
Trainer Michael Köllner Foto: Patrick Seeger/dpa

Zum Bundesliga-Auftakt ist der Club am Samstag (15.30 Uhr) zu Gast bei Hertha BSC Berlin und will dort mit einem Punktgewinn für das erste Ausrufezeichen der Saison sorgen. „Auch wenn wir in der Außenseiterrolle sind, fahren wir schon nach Berlin, um dort etwas mitzunehmen“, sagte Köllner im Vorfeld der Partie. Dass dabei Fabian Bredlow zwischen den Nürnberger Pfosten stehen wird, ist spätestens seit dem 2:1-Sieg beim SV Linx sicher.

Vor der Pokalpartie hatte sich Köllner für Bredlow und gegen Neuzugang Christian Mathenia entschieden. Der 23-Jährige hatte während der Vorbereitung knapp die Nase vorn und verdrängte den weitaus erfahreneren Mathenia (71 Bundesliga-Einsätze) vorerst auf die Bank. Dort wird in den kommenden Wochen auch Innenverteidiger und Abwehrchef Ewerton Platz nehmen müssen.

Hier sehen Sie den Kader des 1. FC Nürnberg in einzelnen Steckbriefen:

Der Brasilianer, der in der abgelaufenen Saison hervorragende Leistungen zeigte, fehlt aufgrund einer Sprunggelenksverletzung noch Wochen. Ein bitterer Ausfall für die Franken, die Ewertons Gelassenheit, Übersicht und Stellungsspiel in der Mission Klassenerhalt von Beginn an gut gebrauchen könnten. Für den 29-Jährigen rückte zuletzt Eigengewächs Lukas Mühl in die Startelf. Wie in der Vorsaison ist der gebürtige Zwieseler und Kapitän der deutschen U20-Auswahl die erste Alternative und soll mit dem Österreicher Georg Margreitter die Gegner vom Nürnberger Tor fernhalten.

Umrahnt wurde das Innenverteidiger-Duo zuletzt von Tim Leibold auf der linken und Enrico Valentini auf der rechten Abwehrseite. Während Leibold fit und gesetzt ist, droht Valentini im ersten Bundesligaspiel auszufallen. Beim Pokalerfolg gegen den SV Linx musste der gebürtige Nürnberger bereits zur Pause verletzungsbedingt vom Feld, unter der Woche konnte der Rechtsfuß nur individuell trainieren. Ob es für einen Einsatz gegen die „Alte Dame“ reicht, wird sich wohl erst kurzfristig entscheiden.

Ondrej Petrak Foto: Langer/Eibner-Pressefoto
Ondrej Petrak Foto: Langer/Eibner-Pressefoto

Als Ersatz stünde mit Robert Bauer der Neuzugang von Werder Bremen bereit. Der 23-Jährige bestritt bislang für den SVW und den FC Ingolstadt 67 Bundesliga-Einsätze und zählt damit nach Mathenia zum erfahrensten Akteur im Kader der Franken.

Vor der Nürnberger Vierer-Abwehrkette wird wie bereits in den Vorbereitungsspielen Ondrej Petrak die Position des Sechers bekleiden. Der Tscheche, der in der vergangenen Saison lange Zeit auf der Abschussliste stand und sich erst im letzten Drittel der Spielzeit dank starker Leistungen für eine Vertragsverlängerung empfahl, gewann den internen Kampf gegen Patrick Erras.

Patrick Erras ist derzeit nur zweite Wahl. Foto: Daniel Karmann/dpa
Patrick Erras ist derzeit nur zweite Wahl. Foto: Daniel Karmann/dpa

Anders als Petrak hatte der Amberger während der Vorbereitung immer wieder mit Blessuren zu kämpfen, muskulären Problemen folgte ein Magen-Darm-Virus. Das Vierer-Mittelfeld wird angeführt vom unumstrittenen Kapitän Hanno Behrens. Der Blondschopf, mit 14 Treffern Nürnbergs erfolgreichster Torschütze in der Aufstiegssaison 2017/18, ist nicht nur torgefährlich, allen voran ist Behrens der Dauerläufer schlechthin im Nürnberger Team.

Insgesamt spulte der gebürtige Elmshorner in der Aufstiegssaison 405 Kilometer ab, pro Partie lief Behrens damit 11,9 Kilometer – Bestwert der 2. Liga. Doch der 28-Jährige legte nicht nur die meisten Kilometer zurück, er stand zudem in allen 34 Ligaspielen auf dem Feld und fehlte dabei keine einzige Sekunde. „Der perfekte Kapitän“, wie Trainer Köllner bereits klarstellte, trägt auch in der neuen Saison die Spielführerbinde und wird die unerfahrene Club-Mannschaft als Häuptling anführen.

Neben Behrens hat aktuell Alexander Fuchs die besten Chancen auf einen Startelfeinsatz. Fuchs, im Sommer 2017 vom TSV 1860 München II nach Franken gewechselt und im Vorjahr nur zwei Mal in der 2. Liga eingesetzt, gilt als Gewinner der Vorbereitung. Fuchs, der im zentralen offensiven Mittelfeld zuhause ist, soll mit Behrens für offensive Akzente sorgen.

„Er ist gut reingekommen.“

Coach Michael Köllner über Neuzugang Kubo

Die größten Personalsorgen plagen den Club noch immer auf den offensiven Außenbahnen. Zuletzt bekamen Edgar Salli und Adam Zrelak den Vorzug, wirklich überzeugen konnte keiner von beiden. Auch Federico Palacios ließ bei seinen Einsätzen auf dem Flügel die nötige Durchschlagskraft vermissen.

Abhilfe könnte hier der jüngste Neuzugang Yuya Kubo schaffen. Der Japaner, der sich selbst am liebsten im Angriff oder auf der Zehner-Position sieht, soll das fränkische Angriffsspiel nachhaltig beleben und mit Tempo-Dribblings für mehr Torgefahr sorgen.

„Er ist gut reingekommen“, kommentierte Köllner die ersten Trainingseinheiten des Neuzugangs und machte dem 24-Jährigen Hoffnungen, am ersten Spieltag gleich dabei zu sein: „Wir werden nach den letzten Einheiten sehen, inwieweit er uns am Samstag schon helfen kann.“

Club-Neuzugang Yuya Kubo im Kurz-Interview:

Für Young Boys Bern in der Schweiz und KAA Gent in Belgien erzielte Kubo in 198 Partien starke 61 Treffer – Torgefahr, die den Nürnbergern zuletzt im Test gegen Real Valladolid (1:0) sowie im Pokal gegen Linx abging. „Ich würde mich wundern, wenn ein Spieler mit seinen Fähigkeiten nicht das Interesse anderer Vereine geweckt hätte. Aber entscheidend ist, dass wir ihn vom 1. FCN überzeugen konnten“, sagte Andreas Bornemann voller Stolz zur Verpflichtung des japanischen Nationalspielers.

Nürnbergs Sportvorstand betonte stets, die Augen nach Neuzugängen insbesondere im Offensivbereich offenzuhalten und dabei auf die nahende Schließung des Transferfensters (31. August) zu spekulieren, um Spieler nach Franken locken zu können, die noch vor wenigen Wochen nicht erschwinglich waren. Soll heißen: Die Verpflichtung von Kubo soll keineswegs die letzte gewesen sein.

Im Angriff ruhen die Hoffnungen erneut auf Mikael Ishak. Der Schwede, der in der vergangenen Saison zwölf Treffer erzielte, beendete seine achtmonatige Ladehemmung erfolgreich im Pokal und schoss die Franken mit seinem Doppelpack in Runde zwei. Doch auch der bullige Angreifer wird sich an das höhere Niveau der Bundesliga gewöhnen müssen. Neben 81 Einsätzen in der dänischen Ersten Liga und 13 Partien in der Schweizer Super League kickte der Schwede vorwiegend in niederen Klassen.

Weniger Bundesligaspiele als Ibisevic

Ein Fakt, der auch auf den Großteil der Nürnberger Mannschaft zutrifft. Insgesamt kommt der Nürnberger Kader gerade einmal auf 181 Bundesliga-Einsätze, Führungsspieler wie Hanno Behrens, Tim Leibold, Eduard Löwen, Georg Magreitter oder Mikael Ishak bestritten bis dato noch keine einzige Partie im Oberhaus des deutschen Fußballs. Zum Vergleich: Herthas Kapitän Vedad Ibisevic kommt allein auf 287 Bundesliga-Einsätze.

Nichtsdestotrotz sieht Trainer Köllner sein Team gut gewappnet und bereit, in das Unterfangen Klassenerhalt zu starten. „Die Vorfreude ist groß bei uns. Wir sind gut vorbereitet, wissen aber natürlich auch um die Schwere der Aufgabe“, blickte der Oberpfälzer auf die bevorstehende Partie im Berliner Olympiastadion.

Zwar seien die Rollen klar verteilt, findet der FCN-Coach, der sein Team als Außenseiter sieht. Nicht zuletzt auch deshalb, weil der Hauptstadtklub mit Neuzugängen wie Valentino Lazaro, Pascal Köpke und Lukas Klünter sowie der Leihe von Marko Grujic (FC Liverpool) in Transferbereiche vorgedrungen ist, die für den Club aktuell unmöglich zu erreichen sind.

Und dennoch zeigte sich der Oberpfälzer gewohnt zuversichtlich: „Wenn wir unsere Dinge gut erledigen, wird es schwer, uns zu schlagen.“ Zudem werden die Spieler starke Rückendeckung der eigenen Fans erhalten.

Die Club-Fans sind heiß auf den Saisonstart:

Gut 5000 Nürnberger Fans wollen die rund 430 Kilometer auf sich nehmen, um den Club beim ersten Bundesliga-Auftritt nach vier Jahren vor Ort anzufeuern.

Mut dürfte den Schlachtenbummlern vor allem die jüngere Geschichte machen: Die letzten drei Duelle in Berlin entschied der FCN allesamt für sich, zuletzt 2014 beim 3:1-Erfolg.

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