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Gericht

Frau muss in Sicherheitsverwahrung

Eine 49-Jährige hätte in Neumarkt fast ihre Wohnung in Brand gesteckt. Ihre Erkrankung schließt weitere Vorfälle nicht aus.
Von Nikolas Pelke

Geht von der Angeklagten eine Gefahr für die Öffentlichkeit aus? Diese Frage musste von Justitia zumindest vorerst mit Ja beantwortet werden. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa
Geht von der Angeklagten eine Gefahr für die Öffentlichkeit aus? Diese Frage musste von Justitia zumindest vorerst mit Ja beantwortet werden. Foto: Frank Rumpenhorst/dpa

Nürnberg.Bei einem Prozess wegen schwerer Brandstiftung im Landgericht Nürnberg-Fürth haben am Donnerstag die Zeugenaussage eines Polizisten, das Gutachten einer Psychiaterin und am Ende das Urteil gegenüber der 49-jährigen Angeklagten aus Neumarkt im Mittelpunkt gestanden. Aufgrund ihrer psychischen Erkrankung hat Richter Bernhard Germaschewski eine Sicherungsverwahrung für die Frau angeordnet.

Bevor das Gericht das Urteil verkündet hat, schilderte ein als Zeuge geladener Polizeibeamter die Brandspuren, die in der Wohnung der Angeklagten in Neumarkt vor fast genau einem Jahr gefunden worden sind. „Wir haben einen technischen Defekt definitiv ausschließen können“, sagte der Beamte im Zeugenstand. An einem Freitagnachmittag im Juni letzten Jahres hätten Nachbarn um 15.30 Uhr die Rauchentwicklung in der Wohnung der Angeklagten im Erdgeschoss des Mehrfamilienhauses bemerkt. Nachdem das Klingeln an der Tür nichts genützt hatte, brach die Feuerwehr die Tür auf. In der verqualmten Wohnung hätte man einen abgebrannten Papierstapel neben der Kommode auf dem Holzboden entdeckt. „Wenn es noch länger gedauert hätte, wäre es vielleicht zum Brand gekommen.“

Angeklagte fühlte sich bedroht

Gegenüber Sanitätern hätte die Angeklagte, die sich aufgrund von psychischen Erkrankungen bereits im Ruhestand befindet, gesagt, dass sie die Wohnung angezündet habe. Der Alkoholtest habe ergeben, dass die Frau nicht betrunken war. Der Polizist hatte den Eindruck, dass die Angeklagte mit der Brandstiftung nur auf sich aufmerksam machen wollte und nicht die Bewohner des Hauses in Gefahr bringen wollte. Nach der Tat wurde die 49-Jährige in einer geschlossenen Anstalt untergebracht.

Dort habe sie das Gespräch mit der psychologischen Gutachterin verweigert. Bei der Analyse habe sich die Sachverständige deshalb auf die Kranken- und Polizeiakten verlassen müssen. Die Psychiaterin schilderte am Donnerstag vor dem Landgericht, dass bei der Angeklagten aufgrund einer schizophrenen Erkrankung eine Veränderung im Denken und Wahrnehmen stattgefunden habe. Die Angeklagte leide unter wahnhaften Vorstellungen. Sie habe beispielsweise Angst vor einer Vergiftung. Zum Tatzeitpunkt habe wohl eine akute Schizophrenie vorgelegen. Ihre Wohnung habe sie als „unchristlichen Ort mit ausländischen Spitzeln“ bezeichnet. Aufgrund der schweren Erkrankung sei die Frau schuldunfähig. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt müsse die Gutachterin von einer negativen Legalprognose ausgehen. Die Angeklagte könnte mit weiteren Brandstiftungen versuchen, auf ihre Wahnvorstellungen aufmerksam zu machen. Wegen möglicher Gefahren für die Öffentlichkeit plädierte die Sachverständige für eine dauerhafte Unterbringung. Ziel dürfe nicht sein, dass die Angeklagte dort für immer bleibe. Aber im Augenblick wäre es besser für die Angeklagte und die Bevölkerung, sagte die Gutachterin.

Schlimmeres war möglich

Dieser Schlussfolgerung hat sich die Staatsanwaltschaft in ihrem Plädoyer angeschlossen. „Man kann von Glück reden, dass die Nachbarn in dem Mehrfamilienhaus den Brand entdeckt haben“, sagte die Staatsanwältin. Auch der Verteidiger der Angeklagten, Christoph Schönhofer, sprach sich für eine dauerhafte Unterbringung ohne Bewährung aus. Seine Mandantin sei noch nicht stabil genug, um wieder in Freiheit leben zu können. Am Ende sprach sich das Landgericht für eine Sicherungsverwahrung der Angeklagten aus. Falls sich der gesundheitliche Zustand der Frau bessert, kann die Unterbringung wieder aufgehoben werden.

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