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Geschichte

Frauen und Kinder retteten Gnadenberg

Die Gemeinde erinnert an das Kriegsende. Eine Zeitzeugin hat miterlebt, wie das Klosterdorf vor der Zerstörung bewahrt wurde.
Von Hans Stepper

Durch eine mutige Aktion von Gnadenberger Bürgern wurde das Dorf im zu Ende gehenden 2. Weltkrieg gerettet.  Foto: Hans Stepper
Durch eine mutige Aktion von Gnadenberger Bürgern wurde das Dorf im zu Ende gehenden 2. Weltkrieg gerettet. Foto: Hans Stepper

Berg.„Halten wir doch inne und machen wir uns deutlich, was die wirklich bedeutsamen Dinge des Lebens sind“, sagt Bürgermeister Helmut Himmler zu Beginn des Jahres 2020. Man habe das große Glück seit fast 75 Jahren in der Mitte Europas in Frieden leben zu können.

Vor diesem Hintergrund bereitet er für Mitte April 2020 eine Veranstaltung der Gemeinde zum 75-jährigen Kriegsende in der Schwarzach-Gemeinde vor. Mit Pfarrer Martin Fuchs sei ein Dankgottesdienst abgesprochen und er arbeite derzeit an der Gestaltung einer Gedenktafel, auf der die Rettung des ehemaligen Klosterdorfes Gnadenberg durch den Mut von drei Frauen aus dem Ort gewürdigt werde. Es habe nämlich kurz vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges die Zerstörung gedroht, da die US-Armee aus dem Nürnberger Land nach Gnadenberg anrückte und die noch anwesenden SS-Männer das Dorf verteidigen wollten.

Zeitzeugin Rosa-Maria Höllerl erinnert sich noch an die Schrecken im April 1945.  Foto: Hans Stepper
Zeitzeugin Rosa-Maria Höllerl erinnert sich noch an die Schrecken im April 1945. Foto: Hans Stepper

Die damals zwölfjährige und noch lebende Zeitzeugin Rosa-Maria Höllerl, Mutter der Neumarkter Bürgermeisterin Gertrud Heßlinger, berichtet: „In den letzten Kriegstagen wurden viele Gefangene – ganze Kolonnen Menschen – durch unser Dorf getrieben.

Kinder sahen Misshandlungen

Sie wurden von den deutschen Posten geschlagen. Wenn sie nicht mehr gehen konnten, wurden sie auf einen nachfolgenden Wagen, der von Pferden gezogen wurde, zu den Toten geworfen. Wir Kinder standen am Weg. Diesen Umgang mit Menschen sahen wir – das kann man nie vergessen“.

Gedenken an das Kriegsende

  • Tafel:

    Der Bürgermeister arbeitet an der Gestaltung einer Gedenktafel, auf der die Rettung des ehemaligen Klosterdorfes Gnadenberg gewürdigt werden soll.

Am 15. April 1945 war „Weißer Sonntag“ – in aller Stille. Tags darauf fand ein schwerer Tiefflieger-Angriff auf Gnadenberg statt. Am Klosterberg wurde ein deutscher Munitionszug von den US-Streitkräften beschossen. Dabei war ein Toter zu beklagen. Am Abend gingen alle Dorfbewohner in den Kirchenkeller der Familie Loos neben der Klosterruine. „Auch am 17. April saßen wir alle im Keller auf Stroh“, berichtet Zeitzeugin Höllerl. „Es kam ein SS-Mann und schrie in den Keller: ‚Leute, seid froh, Gnadenberg wird verteidigt, ich habe in Neumarkt um Verstärkung bei der SS angerufen.‘ Da rannte Frau Loos zu dem Soldaten und schrie, so laut sie konnte: ‚Verlassen sie sofort meinen Grund‘. Der SS-Mann war so geschockt und ging ohne ein Wort. „Wir alle weinten“.

Frau Loos, eine geborene Winkler, war in Nürnberg verheiratet. Sie war mit ihren fünf Kindern wieder in Gnadenberg. Die „Winkler-Marie“ – wie sie im Dorf hieß – hatte einen Plan: Das Dorf musste gerettet werden. Ihre zwei großen Mädchen mussten in der Nacht zum 18. April auf dem Bauch kriechend zur Hagenhausener Straße gelangen.

Der erste Panzer kam am Vormittag

In einem Kartoffelsack hatten sie ein weißes Betttuch mit und der dritte im Bunde, Michael Fuchs, hatte eine Stange dabei. An die Stange banden sie das weiße Betttuch als Zeichen der kampflosen Übergabe, danach krochen alle drei wieder durch den Wald zurück in den Kirchenkeller.

Danach wurde Gnadenberg nicht beschossen und das Dorf konnte gerettet werden. Am 18. April 1945 waren um elf Uhr die ersten Panzer der US-Armee im Dorf.

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