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Region Neumarkt
Dienstag, 22. Mai 2018 25° 2

Armut

Freystädterin kämpfte gegen Hungersnot

Walburga Greiner arbeitete in Lateinamerika und Afrika. Sie sah viel Elend – und appelliert deshalb an die Wohlhabenden.
Von Hans Gleisenberg

In Afrika gewann Walburga Greiner aufgrund ihrer Hilfstätigkeit neue Freunden. Foto: Stiftung Welthungerhilfe Walburga Greiner

Freystadt.„Es war ein steiniger Weg, den ich zu bewältigen hatte“, sagt die Freystädterin Walburga Greiner. „Auch meine Nachfolger werden es nicht leicht haben, den Menschen in Afrika und Lateinamerika zeitnah die nötige Hilfe für ein lebenswertes Leben zu geben.“ Doch die Bemühungen für eine nachhaltige Verbesserung der Situation dürften nicht nachlassen.

So lautet das Fazit von Greiner, einer steten Kämpferin gegen den Hunger in der Welt, die gut 40 Jahre humanitären Dienst in Lateinamerika und Afrika geleistet hat. Nun ist sie im Ruhestand. „Es war mein Wunsch diese Laufbahn einzuschlagen“, sagt Greiner rückblickend. Ihre Aufgabengebiete lagen zunächst im Bereich Beratung, Hilfestellung, sowie Lebenshilfe in den Entwicklungsländern. Ihre erste Berufung erhielt sie 1977 vom Deutschen Entwicklungsdienst, der sie nach Brasilien beorderte, wo sie auch die Ausbildung einheimischer jugendlicher Mädchen zu Krankenschwestern verantwortete.

Greiner engagierte sich in Afrika. Foto: Stiftung Welthungerhilfe Walburga Greiner

Schulabschluss für Mütter

1985 war sie in Tansania und Botswana tätig. Hier hatte sie die Aufgabe, den Menschen einen effizienten Umgang mit den vorhandenen Ressourcen zu vermitteln. In Botswana verhalf sie jungen, schwangeren Mädchen zu einem Schulabschluss. Afrika wurde zu ihrer zweiten Heimat. „Der Kontinent lag mir einfach am Herzen“, sagte Greiner. Die Grundlagen für ihren späteren Dienst holte sie sich in schulischen Ausbildungen, zunächst in der Volks – und Realschule. Anschließend absolvierte sie eine Ausbildung zur Krankenschwester bei den Franziskanerinnen in Buchloe.

„Diese Ausbildung war der Grundstein für meine spätere Tätigkeit“, sagt Greiner, die Portugiesisch, Englisch und Swahili spricht. Medizinisches Wissen und soziale Kompetenz seien eine wichtige Voraussetzung für ihren späteren Berufsweg gewesen. „Es ist ganz wichtig, mit den betroffenen Menschen auf Augenhöhe sprechen.“

Sie sah viel Not ein Afrika. Foto: Stiftung Welthungerhilfe Walburga Greiner

Entscheidend war für sie der Schritt, den Dienst bei der Deutschen Welthungerhilfe in Bonn anzutreten. Hier lernte sie kennen, was die Menschen in Kriegs – oder Hungergebieten erleiden. Auch persönlich war sie betroffen. Einmal sei sie von Rebellen entführt worden. „Durch Intervention der Caritas kam ich erst nach sieben Tagen wieder frei.“

Eine Bruchlandung in einem einmotorigen Flugzeug der Uno, überstand sie ebenso wie den Milzbrand und die Hepatitis A und B. Mit dem Klima und der Hitze kam sie nach eigenen Aussagen gut zurecht. Auch die Verpflegung sei kein großes Problem gewesen. „Ich bin Vegetarierin. Da reichte zur Not auch mal eine Schale Hirsebrei.“

Hoffen auf Unterstützung

  • Hilfe:

    Walburga Greiner arbeitet seit 25 Jahren bei der Deutschen Welthungerhilfe. Die Freystädterin kämpft gegen Hungersnot in Afrika.

  • Finanzspritze:

    Über Spenden freut sie sich auf das Konto: Welthungerhilfe; Stichwort: Dürre in Karamoja; IBAN: DE15 3705 0198 0000 0011 15 (ngl)

Greiner engagierte sich in der Stiftungskooperation „Fundraising“ und wurde dabei mit dem Hunger in Afrika konfrontiert. Dieses Problem bekämpfte sie mit vielen Projekten. „Es ist mit Worten nicht zu beschreiben, was sich hier abspielt.“ Nach drei Jahren ohne Regen sei die Lage deutlich angespannt, zumal die Regierung diesem Volksstamm Hilfe verweigert.

Unterstützung erhielt Greiner auch von ihrer Familie. „Meine beiden Töchter Esther und Laura sind zwar beide in Freystadt geboren.“ Doch schon im jungen Kindesalter begleiteten sie ihre Mutter in Afrika. „Natürlich habe ich von den unangenehmen Dingen meinen Eltern zuhause nichts berichtet, um sie nicht unnötig in Sorge zu versetzen“, erzählt Greiner.

Walburga Greiner ist in Freystadt geboren. Foto: Gleisenberg

Zu Besuch bei einer 105-Jährigen

Zum Abschluss ihrer offiziellen Tätigkeit durchquerte sie Afrika, verabschiedete sich von Freunden und besuchte in Südafrika ihre 105 Jahre alte Cousine. „So ganz will ich mich aber nicht zur Ruhe setzen.“ Meinen Hauptwohnsitz behalte ich mit meinem Ehemann Christoph in Bonn, will aber meine Familie und somit auch ihre Heimatstadt so oft wie möglich besuchen.“ Sie hegt auch die Hoffnung, dass ihre Töchter mal in ihre Fußstapfen treten könnten. Erste zarte Signale, der Mutter nachzufolgen, habe es schon gegeben.

„Ich bin dankbar, dass ich das alles erleben durfte, auch wenn viel Not und Elend meinen Weg begleitet haben“, sagt Greiner. Nichts davon möchte sie missen. Deshalb appelliert sie an ihre Mitmenschen, nicht auf hohem Niveau zu jammern, sondern sich einmal intensiv mit der Not auf der Welt zu befassen. Sie selbst habe vorgelebt, was Nächstenliebe und Verzicht auf eigene Annehmlichkeiten bedeutet. Sie wies eindringlich auf das Spendenkonto der Welthungerhilfe hin. Vor allem wird dadurch das Volk Karamajong unterstützt, denen ihre Aufmerksamkeit nach wie vor gilt.

Dass sie mit viel Eifer bei der Sache war, merkte man auch während des Interviews. Von ihren eigenen Erlebnissen sprach die gebürtige Freystädterin relativ emotionslos. Ging es allerdings um die Belange zur Hilfe der Menschen, nahm ihre Körperspannung deutlich zu und man merkte, wo sie ein Leben lang ihre Prioritäten gesetzt hat und woran ihr Herz hängt.

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