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Sonntag, 23. September 2018 21° 8

Schule

Für Neumarkts Abiturienten wird es ernst

Die Abschlussprüfungen haben begonnen. Die Fragen sind so geheim, dass sogar Lehrer zeitweise Hausverbot bekommen können.
von Bettina Dennerlohr

Mathe-Abi haben die Schüler gestern geschafft – nun stehen in den kommenden Tagen noch Deutsch und das dritte Fach an. Foto: Dennerlohr
Mathe-Abi haben die Schüler gestern geschafft – nun stehen in den kommenden Tagen noch Deutsch und das dritte Fach an. Foto: Dennerlohr

Neumarkt.Es ist noch vor Sonnenaufgang, als sich eine Gruppe zusammenfindet, um das Siegel über ihren Geheimdokumenten zu brechen und die darin enthaltene Botschaft zu entschlüsseln. Was wie der Anfang eines Thrillers klingt, hat sich so am Mittwoch in Bayerns Gymnasien ereignet – denn dort stand einer der Höhepunkte des Schuljahres an: die ersten Abiturprüfungen.

Fragen lagen im Tresor

Im Ostendorfer-Gymnasium war es 5.30 Uhr, als Schulleiterin Ulrike Severa, die Mitglieder des Prüfungsausschusses und die Zweitkorrektoren zusammenkamen. Sie warfen einen ersten Blick auf die Prüfungsfragen – für die galt bis dahin strenge Geheimhaltung. Aus München kamen die Unterlagen nach Neumarkt per Bote, der die Papiere nur an die Schulleiterin persönlich aushändigen durfte. Sie verwahrte die Unterlagen im Tresor – bis eben zum Mittwochmorgen. „Im Protokoll wird alles genau festgehalten“, erklärt Studiendirektor Stephan Bartmann, Mitarbeiter im Direktorat. Wäre das Siegel der Prüfungshefte bereits gebrochen gewesen, hätte das Auswirkungen auf alle bayerischen Gymnasien gehabt. Außerdem hat die Schulleitung vorher Nachforschungen darüber angestellt, ob ein Lehrer mit einem der Abiturienten verwandt ist. „In so einem Fall dürfen die Kollegen das Schulgebäude bis zum Beginn der Prüfungen nicht betreten“, sagt Bartmann.

Oberstufenkoordinator Hebert Gimpl und seine Kollegen haben die Aufgaben am Vormittag noch nachgerechnet und ausgewählt, welche ihre Schüler bearbeiten müssen. Um Punkt neun Uhr griffen dann die Abiturienten zu den Stiften und Taschenrechnern, bis 13 Uhr hatten sie Zeit. 118 Schüler waren damit im Ostendorfer beschäftigt, 183 im Willibald-Gluck-Gymnasium.

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So schwer wie viele denken, ist das Mathe-Abi gar nicht, findet Gimpl, seines Zeichens Lehrer für eben dieses Fach: Es gebe schwierige Aufgaben, die sehr in die Tiefe gehen, aber auch leichtere Fragen, mit denen die Schüler Punkte sammeln könnten. „Ich bin einfach froh, dass es vorbei ist“, sagt am Nachmittag Abiturientin Sarah. Auch ihrer Freundin Lena ist der sprichwörtliche Stein vom Herzen gefallen, nachdem sie abgegeben hatte. Einige Fragen fanden die beiden Freundinnen durchaus knifflig. Nun gönnen sie sich einen Cappuccino – dann geht es mit dem Lernen auch schon weiter: Am Freitag wird Deutsch geprüft, nächste Woche das dritte Abiturfach. Dafür gelernt haben sie seit Anfang des Jahres, sagen die beiden Schülerinnen. Das deckt sich auch mit der Erfahrung der Lehrer: „Viele fangen etwa ab Weihnachten an, sich auf das Abitur vorzubereiten“, sagt Gimpl. Andere Schüler beginnen dagegen erst wenige Wochen vor der Prüfung zu lernen. „Beides hat es schon immer gegeben und wird es auch immer geben“, sagt Bartmann.

Lernplan kann helfen

„Erst zwei Wochen vor der Abschlussprüfung mit dem Lernen anzufangen funktioniert meistens nicht“, sagt Heidi Frank. Sie leitet die Schülerhilfe Neumarkt und hat die Erfahrung gemacht, dass viele Schüler eher unstrukturiert lernen. Sie rät, sich zunächst das Ziel klar zu machen: „Will ich einfach nur bestehen? Brauche ich einen bestimmten Schnitt?“ Danach wird dann laut Frank idealerweise ein Lernplan ausgerichtet, der den Stoff in Portionen teilt. Vokabeln lernen sollte dabei beispielsweise vorne stehen: „Das dauert, weil die Wörter oft wiederholt werden müssen, bis sie sitzen.“

Wäre ein nationales Zentralabitur gerechter? Die Redaktion ist sich uneins.

Wichtig findet Frank auch Pausen im Lernplan. Gerade für Mathe sei es außerdem wichtig, dass die Schüler keine größeren Lücken aus den Vorjahren haben. „Man kann es nicht auswendig lernen, sondern muss es verstehen – dann ist aber auch Mathe kein Problem“, sagt Frank. Schwerer als andere Fächer sei es definitiv nicht.

Die Schüler können ihr Matheabitur nun gedanklich abschließen. Für die Lehrer geht die Arbeit jetzt erst richtig los: Vier bis fünf Wochen dauert es, bis jede Arbeit zweimal korrigiert wurde und die Schüler ihr Ergebnis bekommen.

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