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Gesundheit

Funkmast sorgt für Angst bei Anwohnern

Mitten im Wohngebiet hinter der Neumarkter Lammsbräu wird ein Mobilfunksender errichtet. Etliche Bürger fürchten nun die elektromagnetischen Felder.
Von Thorsten Drenkard

Der Mobilfunkmast auf dem Dach des Telekom-Gebäudes in der Milchhofstraße wurde bereits aufgestellt – in Betrieb ist er noch nicht.

Neumarkt.Die Anwohner sind verunsichert. Immer wieder gehen ihre Blicke bange nach oben, während sie aufgeregt von ihren Sorgen und Ängsten erzählen. Derweil installieren in Sichtweite zwei Arbeiter auf dem Dach des Gebäudes in der Milchhofstraße 17 (hier geht’s zur Grafik) konzentriert einen Mobilfunkmast.

Die Anlage ragt vom Dachstuhl aus knapp acht Meter in den wolkenverhangenen Neumarkter Himmel – auf die vier diskutierenden Anwohner wirkt der Mast wie eine Bedrohung.

„Wir haben keine Informationen darüber erhalten, dass hier, mitten im Wohngebiet, ein Funkmast errichtet wird“, klagt eine Anwohnerin. Nun werde man vor vollendete Tatsachen gestellt – und bleibe mit der Angst zurück. Und diese ist groß unter den anwesenden Anwohnern der Milchhofstraße, Lorenz-Hiltner-Straße, Carl-Zinn-Straße und Kornstraße.

„Ich fürchte mich vor der elektromagnetischen Strahlung. Ich habe Angst, dass uns dieser Mast krank machen könnte“, sagt eine Frau. Auch er sei um seine Gesundheit besorgt, verrät ihr Mann. Ebenso um den Wertverlust seiner Immobilien, denn: „Wer will denn schon in die direkte Nähe eines solchen Funkmasts ziehen?!“

Bewohner wollen anonym bleiben

Die Anwohner wollen anonym bleiben. Ihnen ist in der Angelegenheit nicht ganz geheuer. „Wir fühlen uns wie David gegen Goliath“, sagt einer. Schließlich lässt die Deutsche Funkturm GmbH, ein Tochterunternehmen der großen Telekom, den Funkmast errichten. Allesamt seien sie Telekom-Kunden. „Noch!“, so der Tenor. Man wolle keinen Ärger, dafür aber Informationen vom Telekommunikations-Riesen über die Funkanlage.

Sie fordern zudem eine Messung der elektromagnetischen Felder und wünschen sich eine Stellungnahme der Stadt Neumarkt zu den Vorgängen in ihrem Viertel.

Doch Dr.Franz Janka, Sprecher der Stadt, vermag diese nicht zu liefern: „Wir sind eine ausführende Behörde. Uns steht es nicht zu, zu beurteilen, ob etwas gut oder schlecht ist.“ Die Verwaltung sei ihrer Verantwortung nachgekommen und habe geprüft, ob die Errichtung des Masts die Stadt „baurechtlich betreffe“. Das sei nicht der Fall gewesen, da der Funkmast niedriger als zehn Meter sei „und somit nicht genehmigungspflichtig ist“, so Janka.

Für das Errichten eines Mobilfunkmasts benötigt der Bauherr generell zunächst eine sogenannte Standortbescheinigung. Diese erhält er bei der Bundesnetzagentur in Bonn. So auch in diesem Fall geschehen, wie Agentursprecherin Armasari Soetarto auf Nachfrage bestätigt.

Durch die Bescheinigung wird festgelegt, wie stark und in welche Richtung der Funkmast senden darf und wie groß der Abstand zu Wohnhäusern sein muss, um vorgegebene Grenzwerte einzuhalten. Die festgeschriebenen Werte hängen von der gesendeten Frequenz der jeweiligen Antenne ab. Messungen in unregelmäßigen Abständen nimmt die Bundesnetzagentur vor – auch in Neumarkt.

Datenmengen werden größer

Der rund acht Meter hohe Mast in der Milchhofstraße 17 wird künftig über die drei Mobilfunkstandards GSM, UMTS und LTE verfügen. Während per GSM vor allem Gespräche abgewickelt werden, sind UMTS sowie LTE notwendig, um über Handy große Datenmengen wie Videos, Fotos oder Musik austauschen zu können. Gerade der Bedarf, immer umfangreichere Informationen mit dem Mobiltelefon zu übermitteln, steige, wie Telekom-Sprecher Markus Jodl erklärt.

So sei die Grundversorgung im Bereich Telefonie am Neumarkter Unternehmens-Knotenpunkt in der Milchhofstraße zwar gewährleistet, aber „wir haben tatsächlich Kapazitätsprobleme, was UMTS- und LTE-Daten betrifft“. Darum werde der Funkmast errichtet, um „dem gesteigerten Wunsch unserer Kunden nachzukommen“.

Bis der Funkmast sendet, wird es noch Monate dauern. Zunächst einmal müssten die umfassende Technik sowie die Stromanbindung installiert werden. Dann werde der neue Standort ins engmaschige Mobilfunknetz integriert. „Dazu muss eine komplexe Rechenleistung erbracht werden“, weiß Jodl, weshalb der Mast erst im Herbst in Betrieb genommen werden könne. Spätestens im November soll der 18. Mobilfunkstandort des Unternehmens auf städtischem Gebiet Daten übertragen.

In der Stadt Neumarkt befinden sich derzeit insgesamt 25 sogenannte ortsfeste Funkanlagen. Einen Sender hatte Dr. Franz Ehrnsperger, Besitzer der Lammsbräu, vom Schornstein seiner Brauerei entfernen lassen.

Wegen der Kritik an Funkanlagen habe man sich damals zu diesem Schritt entschlossen. Der Mast habe nicht zur Unternehmenskultur gepasst, die auf Nachhaltigkeit setze.

Auch bei Ehrnsperger springt der Funke der Begeisterung über die Funkantenne nicht über. „Dass der Mast in der Nähe unserer Brauerei und im Wohngebiet errichtet wird, gefällt mir natürlich nicht“, so Ehrnsperger. Allerdings: „Wer auf Mobilfunk verzichtet, der darf am lautesten schreien.“

Sein Rat an alle Beteiligten: Man solle gemeinsam nach Möglichkeiten und Wegen suchen, um die vom Funkmast ausgehenden elektromagnetischen Felder zu minimieren.

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