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Verkehr

Gefahren auf dem Schulweg

Abc-Schützen haben schon im Kindergarten von der Neumarkter Polizei gelernt, wie sie sich im Verkehr verhalten sollen.
Von Nicole Selendt

Schon in der Vorschule werden Kinder in Neumarkt darauf vorbereitet, wie sie sich auf dem Schulweg verhalten müssen. Foto: Büttner/dpa
Schon in der Vorschule werden Kinder in Neumarkt darauf vorbereitet, wie sie sich auf dem Schulweg verhalten müssen. Foto: Büttner/dpa

Die Straße auf dem Weg zur Schule überqueren: Wo hinschauen? Wann loslaufen?


Wenn die Polizei mit Vorschulkindern bespricht, wie man eine Straße überquert, redet sie nicht viel über Ampeln oder Zebrastreifen. „Das wissen die meisten schon“, sagt Polizeioberkommissar Martin Schlaffer, der bei der Polizeiinspektion Neumarkt für die Verkehrserziehung zuständig ist. Nur eines bekommen die Kinder zu diesem Thema mit auf den Weg: Der Zebrastreifen bietet nur trügerische Sicherheit, viele Fahrer bleiben nicht stehen. Deswegen sollen die Kinder immer warten, ob ein Autofahrer anhält, Blickkontakt suchen – und dann erst gehen. Kinder lernen in erster Linie, wie man Straßen in Wohngebieten überquert. Denn das ist für die meisten Schulkinder die Regel, wenn sie morgens aus dem Haus gehen. Schlaffer sagt, dass Kinder zwar rechts und links schauen – aber viele nur in den Boden und nicht dorthin, wo die Autos herkommen.

Die Beamten, die mit Vorschulkindern Verkehrstraining machen, nehmen deshalb immer Erzieherinnen als Helferinnen mit. Sie stellen sich dorthin, wo die Kinder hinschauen sollen. „Natürlich versprechen immer alle Kinder hoch und heilig, dass sie niemals ohne zu schauen über die Straße laufen würden“, sagt Verkehrserzieher Schlaffer aus Erfahrung. Doch bis sie dieses Versprechen auch verinnerlicht hätten, seien schon ein paar Tricks während des Verkehrstrainings nötig. Er habe noch kein Kind erlebt, das die Ratschläge danach nicht verinnerlicht hätte.

Kinder springen zwischen geparkten Autos hervor: Bremsen fast unmöglich.


Eine Straße zwischen zwei geparkten Autos zu überqueren, ist laut Polizei mitunter das Gefährlichste, was ein Kind auf seinem Weg zur Schule oder nach Hause bewältigen muss. Beim Verkehrstraining lassen die Beamten die Kinder in diesem Fall Auto spielen. Sie sollen an zwei geparkten Autos vorbeirennen – und plötzlich springt ein Kind hervor, das sich zuvor heimlich zwischen den Fahrzeugen versteckt hat. „Hättet Ihr jetzt so schnell bremsen können?“ werden die Kinder dann gefragt. „Und jedes Mal, wenn man Kindern etwas nicht nur erklärt, sondern erfahren lässt, haben sie es verstanden“, sagt Schlaffer, der viel davon hält, Kindern die Materie bildlich vor Augen zu führen. „So merken sie besser, wie gefährlich es ist, wenn sie zwischen zwei Autos hervorspringen.“ Wieder wird unter Aufsicht der Beamten geübt, wie es richtig geht.

Die Kinder sollen den Moment selbst wählen, in dem sie losgehen. Warum? „Kleine Kinder können Entfernungen und Geschwindigkeiten noch nicht einschätzen. Lieber lässt man sie deshalb warten, wenn ein Auto kommt, man es aber eigentlich noch über die Straße schaffen würde.“ Schlaffer rät Eltern, den Schulweg vor Schulbeginn mit den Kindern zu üben. „Man kann die Kinder auf die gefährlichen Stellen aufmerksam machen“, sagt der Beamte. Und beim dritten oder vierten Mal werden die Rollen getauscht: Das Kind zeigt den Eltern den Weg zur Schule und erklärt, wie es richtig geht.

Auf der Bushaltestelle: Anstellen, zurückbleiben und nicht raufen.

Dass man nicht raufen oder sich gegenseitig herumschubsen soll, wenn man an der Haltestelle auf den Bus wartet, versteht sich laut Schlaffer zwar von selbst. Trotzdem sagen es die Verkehrserzieher der Polizei beim Schulbustraining, das für die städtischen Kindergärten an einem extra Termin angeboten wird, mit dazu. Darüber hinaus gibt es ein paar weitere Regeln, an die sich Kinder halten müssen und die schon Vorschulkinder verinnerlichen sollen. So lernen sie von der Polizei, dass sie sich beim Warten auf den Bus anstellen müssen. Die Kinder dürfen nicht direkt am Rand des Bordsteins warten, wenn der Bus die Haltestelle anfährt. Um zu zeigen, wie gefährlich das ist, stellen die Beamten eine Flasche an den Bordsteinrand, die umfällt, wenn der Bus einfährt.

Ebenso anschaulich – nämlich mit Hilfe des Polizeibärs – wird vorgeführt, dass man von den Bustüren wegbleiben muss, wenn diese sich öffnen oder schließen. Sonst sind eingeklemmte Arme oder Beine die Folge. Der Bär hilft darüber hinaus dabei, etwas über tote Winkel zu lernen: Es gibt Stellen, an denen der Busfahrer ein Kind nicht sieht. Dann muss die Wasserflasche dran glauben. Sie wird unter einem Reifen abgelegt, der Fahrer des Busses fährt einen Meter vorwärts. Die Flasche zerreißt, Wasser spritzt, die Kinder erschrecken. Das passiere auch mit einem Fuß, der unter den Reifen gerät, erklärt Schlaffer dann. „Die Flasche bleibt den Kindern immer am besten im Gedächtnis.“

Einmündungen: Kommen Autos aus mehreren Richtungen, wird’s schwierig.


Wenn die Verkehrserzieher mit den Kindern zur ersten Einmündung kommen, zeigen sich viele der Kleinen schon recht zuversichtlich und haben die Regeln zum Überqueren einer Straße schon gut verinnerlicht, sagt Schlaffer. „Nach rechts und links muss ich schauen“, sagen einige dann. Und merken schnell, es so einfach dann doch nicht ist. Wieder nehmen die Beamten die Erzieherinnen zu Hilfe, um den Kindern zu verdeutlichen, aus wie vielen unterschiedlichen Richtungen Autos bei einer Einmündung kommen können. Wichtig ist Schlaffer und seinem Kollegen vor allem eins: Wenn die Kinder das Überqueren von Straßen üben, sollen sie ganz allein entscheiden dürfen, wann sie losgehen. „Nur so bekommen sie Sicherheit“, sagt der Polizist.

Im Schulbus: Der Polizeibär hilft, die Gefahr direkt vor Augen zu führen.

Der Platz in der Mitte der hintersten Reihe ist der gefährlichste im ganzen Bus – leider aber auch der beliebteste unter den Schulkindern. Denn wenn man noch dazu nicht angeschnallt ist, kann viel passieren. Das zeigen die Beamten auf einer kurzen Probefahrt. Wenn alle Kinder sitzen und angeschnallt sind, geht es los. Hinten in der Mitte liegt eine mit Wasser gefüllte Plastikflasche, der Polizeibär ist nicht angeschnallt und „klettert“ zwischen den Sitzen herum. Dann kommt eine Vollbremsung: Sowohl Flasche als auch Bär fliegen unkontrolliert durch den Bus. Auch das, sagt Schlaffer, präge sich den Kindern gut ein. Zuletzt macht er die Kinder darauf aufmerksam, beim Aussteigen aufzupassen. Denn auf dem Gehsteig könnte ein Kind mit dem Radl vorbeifahren.

Vor dem Schulhaus: Jeder will schnell heim, trotzdem gilt es, aufzupassen.


Mittags, wenn die meisten Schüler gleichzeitig Schluss haben, passiert alles auf einmal. Kinder müssen die Straßen überqueren, weil Mama oder Papa auf der anderen Straßenseite mit dem Auto auf sie warten. Direkt daneben steht ein Bus. Wieder andere Kinder warten auf den nächsten Bus und laufen ausgelassen auf der Bushaltestelle herum. Das ist vor allem der Moment, in dem sie sich an das erinnern müssen, was sie gelernt haben, sagt Schlaffer. Und außerdem: Niemals vor dem Bus über die Straße laufen. Wenn, dann immer dahinter. Einige Kinder, so erzählt es Schlaffer aus seiner Erfahrung, warteten aus Prinzip, bis kein Bus mehr dasteht. „Das ist die schlaueste Lösung“, sagt der Beamte.

Wichtig ist es Schlaffer, den Kindern beim Bustraining keine Angst zu machen. Der Bus sei das sicherste Verkehrsmittel, um in die Schule zu gelangen. Und halten sie sich an die Regeln, könne nichts passieren. Die Trainings mit den Vorschulkindern fänden jedes Jahr von Anfang Juni bis Ende Juli statt. Mit den Stadtkindergärten würden meist getrennte Termine für Verkehrserziehung und Bustraining angesetzt, in den Landkreisgemeinden werde beides oft gleichzeitig geübt. 30 bis 45 Minuten dauere ein solches Training, dann lasse die Konzentration der Kinder nach und es sei Zeit, Schluss zu machen. Schlaffer lobt: „Die Kinder strengen sich immer sehr an und korrigieren sich oft gegenseitig.“

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