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Eishockey

Gespaltene Stimmung bei Ice Tigers-Fans

Nach dem verkorksten Saisonstart fand das Team zuletzt wieder in die Spur. Die MZ hat sich unter den Tigers-Fans umgehört.
Von Daniel Frasch

Ice Tigers-Fan Bastian Stemmer Foto: Hahn
Ice Tigers-Fan Bastian Stemmer Foto: Hahn

Bastian Stemmer (33), selbst lange Jahre im Nürnberger Nachwuchs aktiv, kritisiert die Außendarstellung:

„Meine größte Sorge im Vorfeld der Saison, die erste Teilnahme an der Champions Hockey League könnte der Mannschaft wegen Überbelastung schaden, ist leider voll und ganz eingetroffen. Betrachtet man dazu noch die vielen Verletzten zu Saisonbeginn und den frühen Trainerwechsel, kann der schwache Saisonstart nicht wirklich verwundern.

Zwei gravierende Fehler wurden in der laufenden Saison gemacht: Zum einen ist Martin Jiranek der falsche Mann auf der Trainerposition. Nicht, weil ich ihm die Kompetenz abspreche. Vielmehr scheint es mir nicht möglich, die beiden Positionen des Cheftrainers und des Sportdirektors vernünftig miteinander zu vereinen. Unglücklich war für mich auch die Neubesetzung des Geschäftsführer-Postens. Mit Wolfgang Gastner wurde hier ein ehemaliger Ice Tigers-Fan und Berichterstatter (Ice Tigers-TV) installiert. Kein Eishockey-Fachmann, wie ihn diese Mannschaft auch in Bezug auf Autorität bräuchte.

Sportdirektor und Trainer Martin Jiranek Foto: Michael Bermel/Eibner
Sportdirektor und Trainer Martin Jiranek Foto: Michael Bermel/Eibner

Deutlich wurde das vor allem beim Transfer-Theater um Yasin Ehliz. Wie sich der Klub in dieser Personalentscheidung verhielt, hatte nichts mit einer professionellen Vereinsführung zu tun und war eines DEL-Klubs nicht würdig. Auch der Umgang mit Leo Pföderl ist meiner Meinung nach falsch. Anstatt Fakten zu schaffen und diese der Öffentlichkeit, insbesondere den Fans, mitzuteilen, wird sein angeblicher Wechsel nach Berlin totgeschwiegen. Transparente und seriöse Öffentlichkeitsarbeit geht definitiv anders.

Die Ice Tigers tun gut daran, die Saison, die für mich spätestens im Viertelfinale enden wird, vernünftig abzuschließen und aus den gemachten Fehlern zu lernen. Heißt: Die wichtigsten Positionen innerhalb des Vereins neu besetzen und sportlich den Fokus wieder mehr auf hungrige und deutsche Spieler zu legen.“

Roland Frey (50), seit 1985 glühender Fan, sieht die Tiger maximal im Viertelfinale. Er wünscht sich besseres Scouting:

„In den 34 Jahren, in denen ich schon Fan des Nürnberger Eishockeys bin, war ich selten so enttäuscht wie in dieser Saison - auch wenn die vergangenen vier Wochen die Situation etwas beschönigten. Am meisten stört mich, dass bis heute kaum ein Spielsystem zu erkennen ist und die Ice Tigers in diesem Jahr zu häufig unattraktives Eishockey spielen.

Roland Frey Foto: Frasch
Roland Frey Foto: Frasch

Natürlich war die Erwartungshaltung vor der Saison groß. Bei Neuverpflichtungen wie Brandon Buck oder Will Acton ist das aber auch kein Wunder. Doch mit Ausnahme der Neuzugänge Jason Bast und Chad Bassen überzeugten mich die anderen „Verstärkungen“ nicht. Mit Brandon Segal und Milan Jurcina haben zudem zwei Spieler ihren Zenit überschritten, daher wünsche ich mir für die kommende Saison erneut personelle Veränderungen. Die Ice Tigers wären gut beraten, den Fokus wieder mehr auf das Scouting im Ausland zu legen. Bestes Beispiel ist Augsburg. Jahr für Jahr holen die Panther unbekannte, aber hungrige Spieler aus der American Hockey League, die überdurchschnittlich oft in der DEL einschlagen und sich beweisen.

„Mein Wunschkandidat für den Trainerposten ist ganz klar Steven Reinprecht.“

Roland Frey

Als Sportdirektor hat Martin Jiranek bereits gute Arbeit abgeliefert. Er sollte sich künftig jedoch auf diese Position beschränken, denn als Trainer sehe ich ihn nicht. Weder in Nürnberg, noch während seiner Zeit in Krefeld überzeugte er hinter der Bande. Mein Wunschkandidat für den Trainerposten ist ganz klar Steven Reinprecht. Er bringt die nötige Erfahrung mit, er kennt das Nürnberger Umfeld und ist in der Lage, neue Aufbruchstimmung erzeugen.

Die wird im Sommer auch dringend nötig sein, denn mehr als das Viertelfinale traue ich dieser Ice Tigers-Mannschaft heuer nicht mehr zu. Egal ob München oder Mannheim - beide möglichen Gegner wären in diesem Jahr zu stark für uns.“

Sven Leng (40), selbst Schiedsrichter und seit über zwei Jahrzehnten Tigers-Fan, hofft auf das „Ingolstadt-Phänomen“:

„Trotz des Aufschwungs in den letzten Wochen bin ich mit dem bisherigen Saisonverlauf äußerst unzufrieden. Die Mannschaft konnte nie die große Erwartungshaltung des Umfeldes erfüllen und spielte bisher viel zu unbeständig. Wie eine solch erfahrene Truppe mit über 1400 NHL-Spielen über einen so langen Zeitraum derart schwankende Leistungen zeigen kann, ist mir unerklärlich.

Sven Leng Foto: Frasch
Sven Leng Foto: Frasch

Als Hauptgrund sehe ich Martin Jiranek. Er ist der falsche Mann auf der Trainerposition und im Vergleich zu seinem Vorgänger Rob Wilson kein Motivator, wie ihn diese Mannschaft bräuchte. Da hat Wilson in den vergangenen drei Jahren viel bessere Arbeit geleistet. Wie wichtig ein guter Trainer ist, zeigte auch das Beispiel Wolfsburg. Die Ice Tigers sind Jahre lang nicht an der Mannschaft der Grizzlys, sondern viel mehr an deren Trainer Pavel Gross gescheitert.

Hinzu kommt, dass die Mannschaft, die für mich auf dem Papier zu den Top Teams der Liga zählt, ihr Leistungsvermögen bisher nie vollends ausgeschöpft hat. Spieler wie Brandon Buck oder Will Acton haben bereits bewiesen, dass sie Spieler sein können, die den Unterschied machen. Auch wenn sie zuletzt besser in Fahrt kamen, ich hatte mir mehr von ihnen erhofft.

Der Kader der Ice Tigers 2018/19:

Trotzdem schreibe ich die laufende Saison noch nicht komplett ab. Sollten die Ice Tigers die Preplayoffs überstehen und ins Viertelfinale einziehen, könnten wir in der Arena durchaus auch das Ingolstadt-Phänomen erleben. Auch die Panther zogen 2014 nur als Neunter der Hauptrunde in die Preplayoffs ein, am Ende holten sie gegen Köln überraschend den Meistertitel. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit auf Grund des bisherigen Saisonverlauf eher gering ist: Warum sollte uns das nicht auch gelingen? Über ausreichend Erfahrung verfügt unsere Mannschaft.“

Alexander Lowig (35) hat die aktuelle Saison abgehakt. Für die Zukunft wünscht er sich eine Neuausrichtung:

„Die aktuelle Saison verlief bislang so enttäuschend, weil die Vorfreude, gerade wegen der ersten Teilnahme an der Champions Hockey League, sehr groß war. Das Ausscheiden war nicht zuletzt wegen der hervorragenden Ausgangsposition nach den ersten vier Gruppenspielen genauso frustrierend wie viele der folgenden Spiele in der aktuellen Hauptrunde.

Alexander Lowig Foto: Frasch
Alexander Lowig Foto: Frasch

Insbesondere unsere große Heimstärke der vergangen Jahre scheint seit Beginn der Spielzeit wie weggeblasen. Die Mannschaft hat leider nie richtig in die Spur gefunden und es trotz vorhandener Qualität verpasst, über einen längeren Zeitraum gutes, erfolgreiches Eishockey zu spielen.

Den größten Fehler hat jedoch die Führungsebene bei der Neubesetzung der Trainerposition durch Martin Jiranek gemacht. Dazu kommt das seit Saisonbeginn anhaltende Verletzungspech und unvorhergesehene Formtiefs etlicher Schlüsselspieler. Das zusammengefasst ergibt dann eine solch schwache Saison, wie wir sie bis dato erlebten.

Ich hoffe, dass sich die Mannschaft auch nach der Länderspielpause genauso stabil präsentiert wie in den vergangenen Partien und sich in die Pre-Play-Offs rettet. Das Erreichen des Viertelfinals wäre aus meiner Sicht ein ordentlicher Abschluss dieser verkorksten Saison.

Als bisheriges Highlight sehe ich den Spengler-Cup, der für die Fans, die die Reise nach Davos auf sich nahmen, ein einmaliges Erlebnis darstellte und man auf sowie neben dem Eis ein gutes Bild des Nürnberger Eishockeys abgab. Für die kommenden Jahre erhoffe ich mir dennoch eine Neuausrichtung des Klubs und ein neues, sportliches Konzept. Ich würde mich über eine jüngere und läuferisch stärkere Mannschaft mit passendem Trainer freuen. Gerade bei den deutschen Spielern haben wir aus meiner Sicht Nachholbedarf.“

Mehr über die Nürnberg Ice Tigers erfahren Sie hier:

Ice Tigers-Spezial

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