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Bildung

Gewalt schon im Vorfeld verhindern

Ein Projekt am Pädagogischen Zentrum in Parsberg regte die Jugendlichen zu Diskussionen an. Das Feedback war überraschend.
Von Günter Treiber

  • Das „Dreipersonen-Theater“ fand sowohl bei den Kindern als auch bei den Pädagogen viel Beifall. Foto: Treiber
  • Geschäftsleiter Josef Riedl dankte den Schauspielern. Foto: Treiber

Parsberg.Sexuelle Gewalt an und unter Kindern und Jugendlichen: ein heißes Thema. Genau dieses Themas hat sich die Schulleitung des Pädagogischen Zentrums angenommen. Organisiert hat das Projekt Lehrerin Ines Benincasa, geleitet wurde es an zwei Tagen von Christine Klein vom Institut Fenestra.

Das Projekt umfasste drei Teile. Im ersten Teil wurden Pädagogen und Eltern unterrichtet. Der zweite Teil war ein interaktives Theaterstück zu den Themen Liebe, Freundschaft, Sexualität und AIDS. Der dritte Teil war das Feedback der Schüler, das mit den Pädagogen und mit Christine Klein diskutiert wurde.

Kein Projekt – sondern eine Haltung

Zunächst ging es unter den Pädagogen darum, abzuklären, was Prävention zum Thema sexuelle Gewalt unter Kindern und Jugendlichen sei. Dazu sagte Christine Klein: „Prävention umfasst jede Maßnahme, die dazu dient, sexuelle Gewalt gegen Mädchen und Jungen zu reduzieren und bereits im Vorfeld zu verhindern.“ Es sei auch eine Querschnittsaufgabe im pädagogischen Alltag. Klein: „Vor allem ist Prävention kein Projekt, sondern eine Haltung eines Erwachsenen als Vorbild für seine Schützlinge.“

Zum Thema gehörte natürlich auch die Pubertät. Kinder und Jugendliche würden ausprobieren, wie sie auf den potenziellen Geschlechtspartner wirken. Dies geschehe zum Teil auch, indem man andere zu Übergriffen ermuntere – oder indem man Nacktaufnahmen verschicke. Klein erklärte: „Da besteht eine hohe Dunkelziffer, aber man weiß, dass die Zahl der Übergriffe beträchtlich steigt. Ausübende und Betroffene sind Jungen und Mädchen sowohl im Gleichgeschlechtlichen wie auch im Gegengeschlechtlichen, wobei Mädchen öfter die Betroffenen sind“.

Klein gab der Schulleitung und den Pädagogen Tipps, was zu tun sei, wenn solche Vorfälle überhandnähmen. Auf die Frage, ob es im PÄZ bereits Konzepte zum Thema gebe, sagte Geschäftsleiter Josef Riedl, dass man solche schon seit Längerem entwickelt habe: „Aber wir nehmen dieses Projekt dankend an und werden das eigene weiterentwickeln zum Wohl unserer Kinder und Jugendlichen“.

Nachdem dann Lehrer, Eltern, Kinder und Jugendliche das Theaterstück gesehen hatten, gab es eine Nachbesprechung, in der das Feedback der Schulklassen erklärt wurde.

Dabei gab es viel Interessantes, zum Beispiel in den 6. und 7. Klassen. „Es war sehr erstaunlich, wie locker die Kinder darauf reagiert haben“, sagte eine Lehrerin. Es seien auch konkrete Erfahrungen genannt worden. Wenn die Erwachsenen zuerst fragten, würden auch Antworten kommen – und die sollten ernst genommen werden.

In einer reinen Jungen-Klasse hätten erst nur wenige etwas gesagt. Ein Lehrer erklärte: Bei den Themen Sex und sexuelle Gewalt müsse man harmlos beginnen und die Schüler nach und nach an die Härte des Themas heranführen – dann werde auch offen diskutiert.

Zum Teil schon sehr aufgeklärt

In einer höheren Klasse habe es einen Schüler gegeben, der deutlich gesagt habe, dass er „keinen Bock“ habe. Er wolle gehen – und wisse das alles schon. Es sei ihm unangenehm gewesen. Ein Lehrer sagte, dabei sei auch das Gefühl aufgekommen, dass einige der Älteren doch schon sehr aufgeklärt wirkten. Andere hätten das Thema – wohl auch aus Scham – ins Lächerliche ziehen wollen. Doch dann sei es noch sehr spannend geworden.

Ein Pädagoge erklärte, in einer Klasse mit „supercoolen Jungs“ sei ein Mädchen gewesen, das auch über Homosexualität reden wollte. Klein sagte abschließend: „Es ist großartig, was in solchen Einrichtungen wie dem PÄZ geleistet wird“.

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Hintergrund

  • Theater Eukitea:

    Das Theater ist ein reines Improvisationstheater. Die jugendlichen Zuschauer bestimmen mit, wie sich die Story, die drei Charaktere und deren Beziehungen im Stück entwickeln. Die Schauspieler reagieren spontan auf die Vorschläge der Zuschauer und setzen sie um. So wird jede Vorstellung einzigartig. Immer wieder entstehen so neue Situationen, in denen die Jugendlichen ihre Sehnsüchte und Träume, aber auch ihre Ängste wiederfinden.

  • Institut Fenestra:

    Seit 1. Juli 2011 ist Fenestra ein eigenständiges Institut unter der Leitung von Sozialpädagogin Christine Klein. Fenestra zielt ab auf Prävention von sexueller Gewalt gegen Mädchen und Jungen. Dies bedeutet im Einzelnen die Zusammenarbeit mit anderen Fachstellen sowie die Entwicklung qualifizierter Präventionsaktivitäten durch didaktisch-methodische Konzepte für Fortbildungen und Materialien für den pädagogischen Bereich. (pgt)

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