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Gottesdienste unter strengen Auflagen

In den Kirchen wird wieder gefeiert – doch aus Hygienegründen wird sehr vieles anders, als es die Neumarkter gewohnt sind.

Pfarrer Stefan Wingen zeigt die abgesperrten Bänke in der Hofkirche.  Fotos: Bettina Dennerlohr
Pfarrer Stefan Wingen zeigt die abgesperrten Bänke in der Hofkirche. Fotos: Bettina Dennerlohr

Neumarkt.Ein Kirchenbesuch wird sich in den kommenden Wochen ein wenig wie der Gang ins Fußballstadion anfühlen. Ordner wachen an den Kirchenportalen, rein kommt nur, wer auf ihrer Liste steht – zumindest an Sonntagen. So beschreibt der Neumarkter Pfarrer Stefan Wingen, was passieren wird, wenn ab Montag öffentliche Gottesdienste in bayerischen Kirchen wieder erlaubt sind. Doch auch im Kircheninneren wird es ungewohnt weitergehen.

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Jede Gemeinde hat ein Konzept ausgearbeitet, wie sie die Hygienevorschriften umsetzt. Eine Bedingung: Zwischen den Gläubigen muss ein Mindestabstand von zwei Metern eingehalten werden. So hat auch die Hofkirche einen eigenen Sitzplan erarbeitet. Nur noch 46 Plätze gibt es so im Gotteshaus. „Unter Woche wird das kein Problem, für die Sonntagsgottesdienste gibt es aber eine Anmeldepflicht“, erklärt Pfarrer Wingen.

Anmelden für den Gottesdienst

Wer Sonntags zur Kirche will, muss bis zum Freitag im Pfarrbüro anrufen, dort wird eine Liste geführt. Nur diejenigen, die darauf stehen, dürfen die Ordner passieren lassen. Freie Platzwahl gibt es nicht, jedem wird eine Kirchenbank zugeteilt. Auch in der evangelischen Christuskirche gibt es Ordner, die den Einlass kontrollieren, erklärt Pfarrer Michael Murner. Hier werden die Kontaktdaten aller Besucher aufgenommen, Hände desinfiziert und Liedblätter verteilt. Für die Besucher, die nicht mehr in die Kirche passen, ist eine Übertragung in den Klostersaal geplant.

Wichtige Regeln

  • Gesang:

    Nur wenige Lieder dürfen gesungen werden, da hier eine besondere Gefahr durch Tröpfcheninfektion vorliegt.

  • Verbote:

    Es gibt keine Gesangbücher und Gotteslob, Chöre dürfen nicht auftreten, eine Mundkommunion ist untersagt.

  • Feiern:

    Erstkommunion, Taufen, Hochzeiten und Trauergottesdienste sind möglich, Firmungen und Konfirmationen sind abgesagt.

Während des Gottesdienstes muss in allen Kirchen ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Von dieser Pflicht sind laut der Diözese Eichstätt lediglich diejenigen entbunden, die gerade sprechen, etwa weil sie eine Lesung oder eine Fürbitte vortragen. Die Begleitung durch die Orgel oder andere Instrumente ist laut der Diözese möglich, jedoch nicht durch Chöre oder Blasinstrumente aller Art. Im Gottesdienst werden keine Gesangbücher oder Liederzettel verteilt, das Gotteslob müssen die Gläubigen selbst mitbringen. In der Hofkirche werden die Liedtexte per Beamer angezeigt, ein Gesangbuch ist daher nicht nötig. Kirchenchöre und Chorproben sind bis zum 31. August untersagt.

Auch die Laufwege sind eindeutig festgelegt: In der Hofkirche wird die Nordtür der Eingang, die Südtür der Ausgang und das Hauptportal geschlossen. Die Ordner passen auf, dass niemand nachträglich in die Kirche kommt. Entsprechende Barrieren weisen die Laufwege. In der Christuskirche erfolgt der Eingang über die ehemalige Sakristei, den kleinen Anbau im Norden. Eine Verabschiedung durch den Pfarrer an der Kirchentür gibt es erstmal nicht mehr.

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Der Friedensgruß durch Handreichung oder Umarmung muss unterbleiben. Kelchkommunion ist dem Priester vorbehalten, Mundkommunion ist ausdrücklich untersagt, erklärt die Diözese Eichstätt. Bei der Kommunion müssen die Kommunionspender eine ganze Reihe spezieller Hygienevorschriften beachten. Auch die Gläubigen müssen, wenn sie zur Kommunion herantreten, den Mindestabstand von zwei Metern einhalten. In der Christuskirche wird es vorerst kein Abendmahl geben. „Für uns ist der Wortgottesdienst ein vollwertiger Gottesdienst“, erklärt Murner.

Mesner Josef Schmid ist mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt.  Foto: Bettina Dennerlohr
Mesner Josef Schmid ist mit den letzten Vorbereitungen beschäftigt. Foto: Bettina Dennerlohr

Die nun erlassenen Regeln gelten grundsätzlich für alle Arten von Gottesdiensten. Auch Trauergottesdienste sind unter Beachtung der entsprechenden Abstands- und Hygienerichtlinien wieder möglich. Für Beerdigungen gelten jedoch weiter die entsprechenden Bestimmungen für Bestattungen, bei denen unter anderem eine Obergrenze von 15 Personen aus dem engsten Familienkreis gilt. Auch Gottesdienste im Freien sind nun wieder möglich, allerdings gilt hier eine Grenze von 50 Personen. Nicht möglich ist die Fronleichnamsprozession in der üblichen Form.

Taufe und Hochzeit auf Anfrage

Abgesagt wurden vom Bistum Eichstätt alle bis Jahresende geplanten Firmungen. Erstkommunionfeiern seien grundsätzlich möglich, müssten jedoch durch das Bischöfliche Generalvikariat genehmigt werden. Auf Antrag könne die feierliche Spendung der Taufe und des Sakramentes der Ehe ermöglicht werden. Taufen seien in der Christuskirche grundsätzlich möglich, sagt Murner: „Allerdings müsste auch hier die Familie mit Mindestabstand sitzen. Der Pfarrer darf das Kind zur Segnung nicht berühren, die Eltern müssten es mit Wasser übergießen. Eine Feier danach wäre auch nicht erlaubt.“ Bisher habe sich unter diesen Bedingungen noch keine Familie zur Taufe gemeldet.

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Für die Gottesdienstbesucher ist ein Laufweg aufgeklebt. Foto: Bettina Dennerlohr
Für die Gottesdienstbesucher ist ein Laufweg aufgeklebt. Foto: Bettina Dennerlohr

Ob sich die Konzepte in den Neumarkter Kirchen bewähren, wird sich in den kommenden Tagen zeigen. Die Hofkirche kehrt zur Gottesdienstordnung vor Corona zurück und feiert den ersten Gottesdienst am kommenden Montag ab 8 Uhr. In der Christuskirche ist laut Murner Sonntag, 10 Mai, als erster Termin angepeilt. Vorher berät darüber aber noch der Kirchenvorstand. (bt/mz)

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