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Gesundheit

Gröhe trifft auf skeptische Ärzte

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bekommt bei seinem Besuch in Neumarkt die Sorgen der Ärzteschaft zu hören.
Von Dagmar Unrecht, MZ

 Gesundheitsminister Hermann Gröhe, Facharzt Wolfgang Bärtl und MdB Alois Karl (v.r.) trafen sich in Neumarkt.
Gesundheitsminister Hermann Gröhe, Facharzt Wolfgang Bärtl und MdB Alois Karl (v.r.) trafen sich in Neumarkt.Foto: Unrecht

Neumarkt.Als Bundesgesundheitsminister ist Hermann Gröhe (CDU) Kummer gewöhnt. Ärzte, Krankenkassen, Pharmaindustrie – alle wollen ein möglichst großes Stück vom Kuchen, den er als Minister zu verteilen hat. Am Mittwoch besuchte Gröhe den Bayerischen Facharztverband (BFAV) in Neumarkt und bekam dort bei einer Podiumsdiskussion vor gut 120 Zuhörern viele Bedenken von Ärzten an seinem jüngsten Gesetzesvorhaben zu hören.

Schnellere Arzttermine, eine bessere Behandlung und eine angemessene medizinische Versorgung auch auf dem Land: Diese guten Absichten verbergen sich hinter dem sperrigen Begriff „Versorgungsstärkungsgesetz“ und sollen nach dem Willen von Gröhe bald Wirklichkeit werden. „Die Realität sieht anders aus“, ist Wolfgang Bärtl, Vorsitzender des BFAV, überzeugt. Gut 4600 Praxen könnten nach Auskunft des Verbandes bayernweit verschwinden, davon mehr als 300 in der Oberpfalz, wenn das Gesetz wie geplant kommt. „Wir fürchten um unsere Praxen“, so Bärtl. Das wollte der Minister so nicht stehen lassen: Es gehe bei den geplanten Maßnahmen vielmehr darum, Anreize für Niederlassungen zu schaffen, so Gröhe.

Schnellere Facharzt-Termine

So sollen nach den Plänen des Gesundheitsministeriums künftig Terminservicestellen Patienten innerhalb von vier Wochen einen Termin beim Facharzt vermitteln. „Wir wollen damit keine zusätzliche Bürokratie schaffen, sondern das Terminmanagement beflügeln“, sagte Gröhe. Darüber hinaus will er in Regionen mit zu vielen Arztpraxen, die Überversorgung eindämmen. Außerdem sollen medizinische Versorgungszentren auf dem Land eingerichtet werden, wenn zu wenige niedergelassene Ärzte zur Verfügung stehen. „Das Ziel ist eine bessere Kooperation innerhalb der Ärzteschaft“, betonte Gröhe. Es werde aber keine zentralistischen Vorgaben geben, es solle vor Ort entschieden werden, was zu tun sei.

Für die Mediziner, das wurde am Mittwoch in Neumarkt deutlich, sind die Pläne des Ministers bittere Pillen. Die Versorgung der Patienen werde sich „eher verschlechtern“, glaubt Bärtl. Zwar sei man mit Gröhe einer Meinung, wenn es darum gehe, das medizinische Angebot zu verbessern. „Das neue Gesetz ist in seiner jetzigen Form aber symptomorientiert“, sagte der Orthopäde. Entscheidend seien jedoch die Ursachen. Das geplante Gesetz berge die Gefahr, sich zum „Ärzteentsorgungsgesetz“ zu entwickeln, befürchtet Bärtl.

Die Bedenken der Mediziner konnte der Gesundheitsminister in der Oberpfalz zwar nicht ausräumen. „Aber noch jeder ist lebend bei uns herausgekommen“, schlug Bärtl zum Schluss versöhnliche Töne an. Der Neumarkter Bundestagsabgeordnete Alois Karl, der den Besuch eingefädelt hatte, versicherte, dass das Gesetz in den nächsten Monaten noch diskutiert werde. Niemand wolle einen Kahlschlag, so Karl. Bärtl gab Gröhe aber die Bitte mit auf den Weg, die Sorgen der Ärzte ernst zu nehmen. Der Verband hofft nun auf „notwendige Nachbesserungen“.

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