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Kirche

Große Inspektion für die Orgel

Die Orgel in Breitenbrunn wird gewartet. Zwei Spezialisten aus der Schweiz werden dafür rund fünf Wochen vor Ort sein.
Von Markus Rath

Orgelbauer Franz Schmidig erklärt Organistin Birgit Kobl, welche Arbeiten bei der Orgel anfallen. Foto: Markus Rath
Orgelbauer Franz Schmidig erklärt Organistin Birgit Kobl, welche Arbeiten bei der Orgel anfallen. Foto: Markus Rath

Breitenbrunn.Wer ein Auto besitzt, kennt die Situation: nach spätestens 30 000 Kilometer muss der Wagen zum großen Service. Nicht nur ein Ölwechsel steht an, Motor, Getriebe und Fahrwerk werden genau überprüft, kleine Defekte gleich behoben. Ähnlich ist es auch mit einer Orgel. Nur, dass hier die Intervalle größer und die Kosten im Vergleich zum Auto unermesslich sind. Rund 40 000 Euro muss die Pfarrei aufbringen, um die 1997 gebaute Orgel warten und revidieren zu lassen.

Orgelbauer Franz Schmidig von der Schweizer Mathis Orgelbau AG ist in Breitenbrunn kein Unbekannter. Schließlich hat er die Orgel vor Ort selber aufgebaut und schon damals die Gastfreundschaft von Organistin Birgit Kobl genossen, die so der Pfarrei „ein paar Euro Übernachtungskosten spart“. Aus der anfänglichen Geschäftsbeziehung ist Freundschaft geworden, das Instrument als gemeinsamer Nenner bringt Orgelbauer und Organistin regelmäßig zusammen. So auch jetzt bei der ersten großen Revision, die in Breitenbrunn stattfindet.

500 000 Mark investiert

Doch wie kommt ein Schweizer Unternehmen nach Breitenbrunn, um dort eine Orgel zu bauen. „Wir haben uns 1995 entschlossen, die Bittner-Orgel nicht restaurieren zu lassen, sondern eine komplett neue Orgel zu kaufen“, erzählen Kobl und Kirchenpfleger Hans Ehrl. Damals hätten alle Experten dazu geraten. Es wurde Kontakt zu verschiedenen Firmen aufgenommen und dann ging es auf eine Klang-Erforschungs-Reise. „Als wir in Plankstetten die Mathis-Orgel hörten, waren wir begeistert, weil sie viel weicher klang, als die anderen Instrumente.“ Zudem genieße das vor 50 Jahren gegründete Schweizer Unternehmen im Bistum Eichstätt einen hervorragenden Ruf, schaffte es doch mit dem Bau der Orgel in der Eichstätter Schutzengelkirche 1966 den Durchbruch. Das Instrument ist noch heute die größte mechanische Orgel in Bayern und war damals klanglich wie auch technisch richtungsweisend für die Branche. Und auch das Instrument in Breitenbrunn ist gelungen: „Wir sind sehr glücklich, dass wir uns damals so entschieden haben“, sagt Kobl, die herausstellt, dass die rein mechanischen Orgeln bei weitem langlebiger sind, als pneumatische oder gar elektronische. Trotzdem ist die Pflege des Instruments unerlässlich. „Die regelmäßige zweijährige Wartung und immer wiederkehrende Revision sind Pflicht, um den Wert zu erhalten“, sagt Schmidig.

500 000 Mark kostete die Orgel

Schließlich hat die Pfarrei 1997 rund 500 000 Mark in die Hand genommen, um die damals defekte pneumatische Bittner-Orgel, die zur Jahrhundertwende gebaut worden war, zu ersetzen. Der größte Teil des Geldes wurde über einen Orgelbauverein gesammelt. Zusätzlich bezuschusste das Bistum die Anschaffung.

Rudi Herrmann reinigt die Orgelpfeifen. Foto: Markus Rath
Rudi Herrmann reinigt die Orgelpfeifen. Foto: Markus Rath

Bei der Revision ist trotz des guten Zustands des Instruments viel zu tun. „Keine Frau würde ihre Stube so zeigen, wie die Orgel innen aussah.“ Die Orgel wird geöffnet, alle 1278 Metall- und die 84 Holzpfeifen werden abgebaut, von Hand gereinigt und poliert. Handschuhe sind dabei unerlässlich, um zu verhindern, dass die Säure der Haut das wertvolle und empfindliche Material angreift. Sämtliche Ventile werden überprüft und, sollten sie undicht sein, mit eigens mitgebrachten Schafleder repariert. Auch Motor und Gebläse müssen sauer gemacht und getestet werden, damit später keine Probleme auftreten. Zum Schluss der rund fünfwöchigen Arbeiten wird das Instrument wieder zusammengebaut und anschließend neu gestimmt.

Mathis Orgelbau AG

  • Schutzengelkirche:

    1963 der erste Auslandsauftrag für die junge Firma. Nach Jahren des kunsthandwerklichen Niedergangs im Orgelbau sollte dieses Instrument erstmals in Süddeutschland eine rein mechanische Traktur erhalten.

  • Bistum Eichstätt:

    Im Bistum ist die Firma Mathis gerngesehen. Orgel befinden sich in Breitenbrunn und Eichstätt (3), sondern auch in Neumarkt (2), Plankstetten, Lengenbach und Leutenbach.

Keine größeren Defekte

Eine positive Nachricht gibt es dabei schon: „Größere Defekte wurden nicht festgestellt und auch das Problem, dass sich im Instrument wegen der Temperaturschwankungen sehr viel Kondenswasser und als Folge davon Schimmel bildete, ist ausgestanden.“ Die extra deswegen vor einigen Jahren installierte Heizung hat hier ihren Dienst wie vorgesehen getan und so Schäden am Instrument verhindert.

So wird es in Zukunft auch nicht wie in der Osternacht passieren, dass eine Orgelpfeife hängenbleibt und weiterpfeift, weil das Ventil sich nicht komplett geschlossen hat. Für die Organistin, die noch die alte Bittner-Orgel „erleben durfte“, sicherlich eine frohe Botschaft. „Als ich 1992 das Orgelspielen gelernt habe, war meinem Ausbilder Helmut Lehner die Orgel in Breitenbrunn zu grausam. Wir haben deshalb immer in Griesstetten geübt“, erzählt Kobl, die auf Wunsch des damaligen Pfarrers Helmut Hummel die D-Prüfung zur Kirchenmusikerin absolviert hat.

Diese Ausbildung kommt ihr jetzt in der Wartungszeit zugute, in der die Orgel in der Pfarrkirche stumm bleibt. „Wir haben direkt nach Ostern begonnen und hoffen, dass wir bis zum Pfingstfest fertig sind“, sagt Ehrl. Während dieser Zeit müssen die Gläubigen ohne Orgelunterstützung singen, auch wenn das „nicht so schön klingt“. Angestimmt werden die Lieder von der Organistin, dem Diakon, der Mesnerin oder dem Pfarrer selbst. Zudem werden in dieser Zeit Gesänge ausgewählt, deren Melodie die Gottesdienstbesucher im Ohr haben. „Außerdem haben wir mehrere Chöre, die unsere Messen auch ohne Orgel feierlich gestalten können“, sagt Pfarrer Dr. Jacek Machura. Dies gelte auch für die Erstkommunion, die vom Jugendchor mit Gitarren- und Flötenbegleitung gestaltet wird.

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