MyMz
Anzeige

Tierschutz

Harte Kritik an Neumarkter Jura-Zoo

Tierschützer haben eine lange Liste mit Vorwürfen gegen den Tierpark bei den Behörden eingereicht. Der Betreiber wehrt sich.
von Wolfgang Endlein

Dieter Pelech betreibt den Jura-Zoo in Neumarkt, der in die Kritik von Tierschützern geraten ist. Archivfoto: Drenkard
Dieter Pelech betreibt den Jura-Zoo in Neumarkt, der in die Kritik von Tierschützern geraten ist. Archivfoto: Drenkard

Neumarkt.Der Jura-Zoo in Neumarkt ist in den Fokus von Tierschützern geraten. Die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern aus Roth kritisiert den seit 1989 existierenden Tierpark als den „wohl schlimmsten Zoo der Oberpfalz“. Ein Video auf der Facebook-Seite der Tierschutzgruppe soll dies untermauern. Es sorgt für lebhafte Diskussionen.

Auch auf der Facebook-Seite der MZ diskutierten die User eifrig die Situation im Jura-Zoo:

Die Tierschützer haben einen umfangreichen Katalog an Vorwürfen gegen den Zoo der Familie Pelech zusammengestellt. Im Kern dreht es sich um den Vorwurf, dass der Zoo an vielen Stellen die rechtlichen Mindestanforderungen an die Haltung von Säugetieren nicht erfülle. Die Tierschützer sprechen nach ihrem Besuch im Zoo von „verletzten Vögeln, verhaltensgestörten Affen, verdreckten Gehegen, nackten Betonboden und stinkenden Wasserkloaken“.

Bilder aus dem Jura-Zoo zeigt die Bildergalerie:

Zu Besuch im Neumarkter Jura-Zoo

Abschließend ziehen die Tierschützer das Fazit: „Der Zoo macht einen absolut verwahrlosten Eindruck“. Deshalb habe die Aktionsgruppe Tierrechte Bayern auch Anzeige beim Veterinäramt Neumarkt erstattet. Eine Strafanzeige wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz bei der zuständigen Staatsanwaltschaft behalte man sich vor, heißt es zudem.

Zoo-Chef wehrt sich

Dieter Pelech hat die Vorwürfe mitbekommen und die Diskussion im Internet verfolgt. Noch weiß er nicht so recht, wie er darauf reagieren soll. Klar ist für ihn nur eines: die Vorwürfe sind aus seiner Sicht falsch. „Bei uns ist nichts verwahrlost“, sagt Zoo-Besitzer am Dienstag.

Wie der Tierschutz im deutschen Gesetz geregelt ist, erklärt das Infoelement:

Tierschutz im Gesetz

  • Grundgesetz:

    Der Schutz von Tieren ist seit 2002 auch Staatsziel und nach Jahre langen Diskussionen in der Politik schließlich im Grundgesetz verankert worden.

  • Artikel 20a GG:

    „Der Staat schützt auch in Verantwortung für die künftigen Generationen die natürlichen Lebensgrundlagen und die Tiere im Rahmen der verfassungsmäßigen Ordnung durch die Gesetzgebung und nach Maßgabe von Gesetz und Recht durch die vollziehende Gewalt und die Rechtsprechung.“

  • Kritik:

    Der Deutsche Tierschutzbund bemängelt, dass der Bundesgesetzgeber es bis heute versäumt habe, ein Tierschutzgesetz zu erlassen, das dem Staatsziel Tierschutz entspreche und es konkret ausgestalte. An grundlegenden Missständen in der industriellen Massentierhaltung, in Forschung, Zoo und Zirkus oder auch im Heimtierbereich habe sich bis heute wenig geändert.

  • Tierschutzgesetz:

    Grundsätzlich regelt den Umgang mit Tieren das Tierschutzgesetz. Danach dürfen einem Tier nicht ungerechtfertigt Schmerzen, Leiden oder Schäden zugefügt werden. Die Tierhalter sind verpflichtet, im Interesse des Wohlbefindens der Tiere die jeweils geltenden Vorschriften einzuhalten. Deren Einhaltung kontrollieren insbesondere die Veterinärämter.

Im Jura-Zoo, der 1989 vom 2007 verstorbenen Fritz Pelech gegründet wurde, leben laut Dieter Pelech derzeit rund 200 Tiere. Rund 15 000 Besucher kämen jedes Jahr. „Wir kommen über die Runden“, erklärt Pelech. Mehrfach im Jahr komme das Veterinäramt zu einer Kontrolle. Zu größeren Beanstandungen sei es dabei nie gekommen, sagt Pelech. „Nur Kleinigkeiten.“

Tierschützer kritisieren Behörden

Die Tierschützer der Aktionsgruppe Tierrechte Bayern kritisieren derweil auch das Veterinäramt. „Das Amt scheint mir nachlässig damit umgegangen zu sein“, sagt Simon Fischer, eines der Mitglieder der Tierschutz-Bürgerinitiative aus Roth, im Gespräch mit unserer Zeitung. Viele Menschen hätten sich bei der Aktionsgruppe beschwert, dass sie sich schon in der Vergangenheit wegen des Zoos an die Behörde gewandt hätten – ohne dass es darauf eine Reaktion gegeben habe.

Wie die Reaktion des Amtes jetzt ausfallen sollte, ist für Simon Fischer klar, auch wenn er eine solche als nicht wahrscheinlich ansieht. „Der Zoo sollte geschlossen werden“, sagt er. „Das wäre wohl auch das Beste für die Betreiber.“ Fischer glaubt, dass diese mit dem Zoo überfordert sind. Die Aktionsgruppe sei bereit, mitzuhelfen und im Fall der Fälle Auffangstationen für die Tiere zu vermitteln. Das wolle man Pelech auch anbieten, zu dem die Tierschützer noch Kontakt aufnehmen wollen.

Auch an anderer Stelle waren Tierschützer in Neumarkt aktiv – bei einem Zirkus. Hier geht es zum Artikel.

Derweil reagierte das Veterinäramt noch am Dienstag. Dr. Martin Schmid fuhr zum Jura-Zoo, um sich vor Ort umzuschauen und den Vorwürfen nachzugehen. „Wir kontrollieren den Zoo mehrfach im Jahr“, sagt Schmid. Mehrfach, das bedeute mehr als zwei Mal. Tierschutzrechtliche Beanstandungen habe es in der Vergangenheit immer mal wieder gegeben – nicht zuletzt wegen des sich weiter entwickelnden Tierschutzrechts. Die Mängel seien bislang aber immer innerhalb einer Frist behoben worden.

Amtsveterinär Dr. Martin Schmid (l.) schaute sich noch am Dienstag im Jura-Zoo von Dieter Pelech um. Von vorne fotografieren lassen wollten sich die Herren nicht. Foto: Endlein
Amtsveterinär Dr. Martin Schmid (l.) schaute sich noch am Dienstag im Jura-Zoo von Dieter Pelech um. Von vorne fotografieren lassen wollten sich die Herren nicht. Foto: Endlein

Auch diesmal fanden die Kontrolleure nach eigenen Angaben kleinere Mängel, die binnen einer zeitnahen Frist beseitigt werden müssen. „Wir haben aber auch manche Mängel nicht bestätigt gefunden“, erklärt Schmid mit Blick auf die Anzeige der Tierschützer. Fazit: Eine Schließung des Zoos ist aus Sicht des Veterinäramtes nicht erforderlich.

Außenwirkung könnte besser sein

Die tierschutzrechtlichen Bestimmungen sind das eine, die Außenwirkung etwas anderes. Bei letzterem hat das Veterinäramt keine rechtliche Handhabe. Es kann lediglich Ratschläge geben. In einer Pressemitteilung des Landratsamtes zum Jura-Zoo heißt es daher: „Aufgrund des insgesamt nicht mehr neuesten baulichen Zustandes ist jedoch die Außenwirkung auf Besucher nicht optimal und das Veterinäramt versucht auf den Betreiber einzuwirken, dass er künftig im Hinblick auf den allgemeinen Zustand mehr tut, als rein rechtlich vorgeschrieben erforderlich ist“. Der Gedanke, den das Landratsamt verfolgt, ist klar: Der äußere Eindruck könnte zu irrigen Schlussfolgerungen über den Tierschutz im Zoo verleiten.

Für Dieter Pelech selbst ist klar: „Im Zoo gibt es immer Ecken, wo man etwas machen könnte“. Und es geschehe ja auch etwas. So werde beispielsweise das Gehege der Emus und Kängurus im Herbst erweitert. Doch klar ist auch, dass die Mittel im Jura-Zoo beschränkt sind. Pelech betreibt den Zoo samt Gastwirtschaft neben seinem eigentlichen Beruf gemeinsam mit seiner Mutter.

Hilfsangebote per Telefonanruf

Womit sich die Frage stellt, die auch in den Diskussionen im Internet mehrfach zu lesen ist: Braucht Pelech Hilfe? Der Zoo-Chef sagt dazu nichts Eindeutiges, außer, dass er am Dienstag bereits Anrufe von Menschen bekommen habe, die ihm ihre Hilfe angeboten hätten. Was er damit anfangen will? Pelech weiß es noch nicht.

Diese Stimmen zeigen aber auch, dass die Diskussionen im Internet um den Zoo nicht einseitig geführt werden. Neben solchen, die eine Schließung fordern, finden sich auch Stimmen, die zu Hilfe auffordern oder gar den Zoo gegen Vorwürfe verteidigen.

Weitere Nachrichten aus Neumarkt lesen Sie hier.

Aktuelle Nachrichten von mittelbayerische.de auch über WhatsApp. Hier anmelden: https://www.mittelbayerische.de/whatsapp

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht