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Politik

Heiße Diskussion um Neumarkter Feuerwehr

Die Politik streitet sich wegen vier neuer hauptamtlicher Feuerwehrleute. Bei der Wehr hinterlässt das ein ungutes Gefühl.
von Wolfgang Endlein

Die Feuerwehr im Einsatz: Derzeit diskutiert Neumarkts Politik, wie viele Hauptamtliche es dafür braucht. Fotos: Röhrl
Die Feuerwehr im Einsatz: Derzeit diskutiert Neumarkts Politik, wie viele Hauptamtliche es dafür braucht. Fotos: Röhrl

Neumarkt.Der OB-Wahlkampf in Neumarkt läuft heiß. Jüngster Brandbeschleuniger ist die Diskussion über die Einstellung von vier Hauptamtlichen bei der Feuerwehr, die der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat (wir berichteten).

Anzeigen wegen übler Nachrede, Dienstaufsichtsbeschwerde und viele böse Worte, die hin und her flogen, sind die Konsequenz der letzten Tage. Letztlich geht es um Folgendes: FLitZ-Stadtrat Dieter Ries moniert, dass den Stadträten nicht alle Infos für eine Meinungsbildung vorgelegen hätten .

Rechnungsprüfer üben Kritik

Der städtische Rechnungsprüfer Max Pirzer hatte im Stadtrat die Notwendigkeit für mehr Personal bei der Feuerwehr angezweifelt. Für eine Stellungnahme war er für unsere Zeitung am Dienstag nicht erreichbar. Zudem soll es einen Rechnungsprüfbericht des Kommunalen Prüfungsverbandes (KPV) geben, der sich kritisch zur Feuerwehr äußert. Wie Dieter Ries behauptet, stelle der Bericht infrage, „ob diese überhaupt angemessen beschäftigt werden können“. Gemeint sind damit die bisher sechs Hauptamtlichen.

Wie die Feuerwehren Amberg und Weiden aufgestellt sind, zeigt das Infoelement:

Feuerwehren im Vergleich

  • Weiden:

    Die kreisfreie Stadt Weiden hat mit ihren rund 42 000 Einwohnern eine Freiwillige Feuerwehr mit zehn hauptamtlichen Mitarbeitern. Die Besetzung der Weidener Feuerwehrzentrale arbeitet laut Stadtverwaltung Weiden im 24-Stunden-Schichtdienst. Überörtliche Aufgaben nimmt die Feuerwehr Weiden nach eigenen Angaben nur im Rahmen von überörtlichen Einsätzen wahr.

  • Amberg:

    Ebenfalls rund 42 000 Einwohner leben in Amberg. Die dortige Freiwillige Feuerwehr hat laut Stadt acht hauptamtliche Kräfte. Die Wachzentrale ist im 24-Stunden-Schichtdienst besetzt.

  • Neumarkt:

    Für die rund 40 000 Einwohnern Neumarkts stehen bei der Freiwilligen Feuerwehr Neumarkt insgesamt 55 aktive Feuerwehrmänner und -frauen parat. Sechs davon sind hauptamtliche Einsatzkräfte. Hinzukommen die Freiwilligen Feuerwehren in den Neumarkter Stadtteilen. Die Feuerwehrwache in der St.-Florian-Straße ist 24 Stunden lang an allen sieben Tagen die Woche besetzt.

  • Einsätze:

    Im Jahr 2016 gab es laut Statistik der Feuerwehr Neumarkt 437 Einsätze. Davon waren 114 Fehlalarme, 55 Brände und 256 Technische Hilfeleistungen. Zwölf Einsätze in der Statistik fallen auf Sicherheitswachen.

Den nicht-öffentlichen Bericht hat Ries indes selbst nicht im Original gelesen und dies nun bei Oberbürgermeister Thomas Thumann beantragt. Die Bedenken der Rechnungsprüfer hätte der OB den Stadträten nicht vorenthalten dürfen, erklärt Ries. Der Rathauschef sagt dazu: „Die Stadträte waren ausreichend informiert“. Einerseits durch den 2016 erstellten Feuerwehrbedarfsplan und durch Besuche bei der Feuerwehr selbst.

Thumann vertraut auf Feuerwehrexperten

Nicht nur, dass er selbst den abschließenden Prüfbericht noch nicht habe lesen können, weil er erst gestern bei ihm eingegangen sei, gebe es doch zugleich mit dem Feuerwehrbedarfsplan ein Gutachten eines unabhängigen Feuerwehrexperten, erklärt Thumann. Dieser fordere die Einstellungen. Andernfalls sei die rechtlich gesetzte Hilfsfrist, binnen deren die Feuerwehr am Einsatzort eintreffen muss, nicht zu erfüllen. Dies sei derzeit in manchen Bereichen Neumarkts der Fall.

Der Feuerwehrbedarfsplan betrifft auch ein mögliches neues Feuerwehrgebäude. Darüber lesen Sie in diesem Artikel mehr.

Das Fazit des Rathauschefs: Bei der Antwort auf die Frage, ob es in der Praxis einer Feuerwehr wie Neumarkt mehr hauptamtliche Mitarbeiter braucht oder nicht, wiege für ihn als Feuerwehr-Laien das Gutachten eines anerkannten und unabhängigen Feuerwehrexperten deutlich mehr als der Bericht von Rechnungsprüfern. Aus Thumanns Sicht sind die Diskussionen Wahlkampfgetöse, das eines aus dem Blick verliere: das Wohl der Bürger.

Kommandant Manfred Meier verteidigt die Einstellung von neuen Hauptamtlichen. Foto: Gaupp
Kommandant Manfred Meier verteidigt die Einstellung von neuen Hauptamtlichen. Foto: Gaupp

In die gleiche Kerbe schlägt neben dem Referenten des Stadtrats, Reinhard Brock (CSU) („Es geht um die Sicherheit der Bürger.“) auch Manfred Meier, Kommandant der Feuerwehr Neumarkt. Er und sein Stellvertreter Christian Kürzinger stehen nach eigener Aussage voll hinter den Einstellungen.

Die Anforderungen an die Feuerwehr Neumarkt seien in den vergangenen Jahrzehnten gewachsen, so wie sich auch die Stadt entwickelt habe. Mehr Bewohner, dichtere Bebauung, mehr Gewerbegebiete sind die Schlagworte, die Meier nennt. Aufgaben seien zwar auch weggefallen, etwa durch die Integrierte Leitstelle in Regensburg, zugleich seien aber andere Aufgaben hinzugekommen. Etwa die Aufschaltung von Brandmeldeanlagen in öffentlichen Gebäuden in Neumarkt.

Feuerwehr verteidigt sich

Hinzu kommen laut Meier viele andere Aufgaben neben dem Einsatzdienst für die Hauptamtlichen, die eine 24-stündige Besetzung der Wache gewährleisten. Diese reichen von der Gerätepflege über administrative Aufgaben bis hin zur Feuerbeschau. Dazu gehören auch Aufgaben, die das große System der Feuerwehren im Landkreis unterstützen: etwa die Instandsetzung der Atemschutzgeräte. Auch hier besteht laut Meier übrigens eine erhöhte Anforderung: 1979 gab es 60 Atemschutzgeräte, 2016 waren es 324.

Mit welchen modernen Gerätschaften die Feuerwehr Neumarkt arbeitet, zeigt die Bildergalerie am Beispiel eines ganz speziellen Fahrzeugs:

Das neue Fahrzeug der Feuerwehr Neumarkt

„Vor allem aber sind wir da, um die Freiwilligen beim Einsatzdienst zu unterstützen“, sagt Meier und fügt an: „Ohne die Freiwilligen geht es nicht“. Dabei sind deren Zahlen rückläufig. 1990 gab es laut Feuerwehr 67 aktive Freiwillige, bei drei Hauptamtlichen. Inzwischen sei das Verhältnis 53 zu sechs – bei immer mehr Aufgaben.

Letztlich entscheidend ist für Meier aber eines: Bei rund 450 Einsätzen der Feuerwehr Neumarkt im Jahr mögen viele dabei sein, bei denen es nicht um Leben oder Tod gehe, aber es komme auf den einen an, bei dem dies der Fall sei. Dann müsse man gewährleisten, das Bestmögliche getan zu haben.

Entscheidend ist der Drehleiterwagen

Gemeint ist dabei insbesondere der Einsatz des Drehleiterwagens. Um zu gewährleisten, dass dieser binnen der Hilfsfrist zu drehleiterpflichtigen Einsatzorten in allen Teilen des Stadtgebiets kommen kann, brauche es mehr Personal. Der Feuerwehrbedarfsplan empfiehlt, dass zu jeder Tageszeit zwei hauptamtliche Einsatzkräfte parat stehen. Um dies im 24-Stunden-Betrieb zu gewährleisten braucht es dementsprechend mehr Personal.

Insgesamt sind Meier und Kürzinger enttäuscht darüber, wie die Belange der Feuerwehr politisch diskutiert werden. Sie sehen die Arbeit aller Feuerwehrfrauen und -männer von einem Teil der Stadtpolitik nicht entsprechend gewürdigt. In Richtung der Kritiker sagt, Manfred Meier: „Die stehen nicht dafür gerade, wenn etwas passiert. Das sind dann wir.“

Der höchste Feuerwehrmann im Landkreis, Kreisbrandrat Anton Bögl, möchte sich nicht zur Diskussion um die Feuerwehr Neumarkt äußern. Er sagt lediglich, dass Dinge derzeit nicht optimal liefen. Wohl wahr.

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