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Porträt

Helfen ist ihr Lebenswerk

Zum zehnjährigen Bestehen ihrer Stiftung gibt das Neumarkter Ehepaar Waltraud und Michael Fuchs die Leitung ab.
Von Eva Gaupp

Das Ehepaar Waltraud und Michael Fuchs überreichte den Vertretern von Caritas, Diakonie, der Lebenshilfe und des Tagblatt-Hilfsvereins Spenden in Höhe von insgesamt 17500 Euro. Foto: Privat
Das Ehepaar Waltraud und Michael Fuchs überreichte den Vertretern von Caritas, Diakonie, der Lebenshilfe und des Tagblatt-Hilfsvereins Spenden in Höhe von insgesamt 17500 Euro. Foto: Privat

Neumarkt.Sie unterstützen talentierte Fußballer und junge Schachspieler, finanzieren einen Gebärdendolmetscher, wenn Gehörlose einen Ausflug unternehmen und helfen, wenn Menschen im Landkreis Neumarkt in Not geraten. Vor zehn Jahren hat das Ehepaar Waltraud und Michael Fuchs eine Stiftung gegründet, weil sie aus dem Verkauf ihres Unternehmens Geld übrig hatten. Seitdem haben die Neumarkter 140000 Euro gespendet. „Wir wollten immer unbürokratisch helfen“, sagt Michael Fuchs.

Doch inzwischen ist er 84 Jahre alt und seine Augen machen ihm zu schaffen. Da strengt die Arbeit am Computer doch sehr an. Deshalb hat er sich entschieden, den Vorsitz der Stiftung abzugeben. Und seine Frau geht den Schritt mit, wechselt als Vorsitzende in den Beirat. „Ich habe mir das lange überlegt“, sagt Michael Fuchs und lächelt etwas traurig. „Der Abschied von der aktiven Zeit fällt mir nicht ganz leicht.“ Aber der Zeitpunkt sei nun gekommen, die Verantwortung in jüngere Hände abzugeben.

Familienmitglied im Vorstand

Und er weiß sie in guten Händen: Den Vorsitz der Stiftung übernimmt der Neumarkter Steuerberater Stefan Wittmann, der schon vier Jahre lang dem Beirat angehörte, sein Stellvertreter wird Dr. Christian Kuhlicke, ein Großneffe des Ehepaars Fuchs. „Ich freue mich, dass es weitergeht“, sagt der 84-Jährige.

Seiner Frau ist der Schritt weniger schwer gefallen, „bis jetzt bin ich ja noch voll drin“, lacht die 78-Jährige. Und das will sie auch bleiben. Denn eines hat das Ehepaar in den vergangenen zehn Jahren festgestellt: Ein persönliches Netzwerk ist für eine soziale Stiftung sehr wichtig. Angesichts der dauerhaft niedrigen Spenden sogar überlebenswichtig. Denn eine Stiftung darf ihr Grundkapital nicht angreifen, sondern nur Zinsen ausgeben. Deshalb sind auch Einrichtungen wie die Fuchs-Stiftung inzwischen auf Spenden angewiesen. „Die Spendenakquise ist eine der Hauptaufgaben und wir werden sie noch intensivieren müssen, um auf gleichem Niveau weiterhin Geld ausschütten zu können“, sagt Stefan Wittmann. Wenn er potenzielle Spender persönlich anspreche, habe er oft Erfolg, erzählt Michael Fuchs. Die Neumarkter seien großzügig, wenn sie wüssten, wofür sie ihr Geld geben.

Vorsitzender Stefan Wittmann (2.v.r.) und sein Stellvertreter Dr. Christian Kuhlicke (rechts) werden von einem Beirat bei ihrer Arbeit unterstützt. Foto: Röhrl
Vorsitzender Stefan Wittmann (2.v.r.) und sein Stellvertreter Dr. Christian Kuhlicke (rechts) werden von einem Beirat bei ihrer Arbeit unterstützt. Foto: Röhrl

Die Stiftungsziele hat sich das Ehepaar Fuchs genau überlegt. Vor allem Kinder und Jugendliche wollen sie unterstützen. „Erwachsene können sich eher selbst helfen“, erklärt Waltraud Fuchs. Und so half es, Theatertage zu finanzieren, Trikots anzuschaffen, Bücher für eine Schulbibliothek zu kaufen und Fahrten zu Sprachunterricht zu ermöglichen. Sportvereine und kulturelle Aktivitäten für Kinder zu ermöglichen, ist den Stiftungsgründern sehr wichtig. „Die Jugendlichen brauchen ein Ziel, damit sie nicht auf der Straße rumhängen. In Vereinen sind sie gut aufgehoben und treffen andere junge Leute, die die gleichen Interessen haben“, sagt Waltraud Fuchs.

Aber auch die Wohlfahrtsverbände kamen in den vergangenen Jahren nicht zu kurz wie auch einzelne Personen, die kurzfristig in Not geraten sind. „Da können wir sofort helfen, das ist uns sehr wichtig“, sagt Gatte Michael.

Bisher hätten sie immer darauf geachtet, nur Summen zwischen 500 und 1000 Euro auszugeben, um mehr Projekte berücksichtigen zu können. Doch im Jubiläumsjahr hätten sie sich dazu entschieden, auf eine Feier zu verzichten und stattdessen eine größere Summe auszuschütten – nämlich 17500 Euro. Nutznießer sind Lebenshilfe, Diakonie und Caritas, die je 5000 Euro erhalten, sowie der Tagblatt-Hilfsverein „Für Menschen in Not“ mit 2500 Euro. Diese hohe Spende ist ihr Geburtstagsgeschenk zum Zehnjährigen.

Ein Ständchen als Dankeschön

Und Anfragen auf Unterstützung gab und gibt es viele. Diese zu bearbeiten, zu prüfen, Spenden zu vermitteln, geld aufzutreiben, Spendenquittungen auszustellen und mit einer lückenlosen Dokumentation die Anforderungen des Finanzamts zu erfüllen, war eihne tagesfüllende Arbeit für die Stiftungsgründer. „Aber es sind auch viele Freudenstunden dabei gewesen, es war nicht nur Arbeit“, sagt der 84-Jährige. Ein ganz besonderer Moment war für seine Frau, als Mädchen und Buben des Kindergartens St. Pius in der Adventszeit plötzlich vor ihrer Haustür standen und ihnen ein Ständchen gesungen haben. „Darüber habe ich mich sehr gefreut.“

Stefan Wittmann übernimmt gerne den Vorsitz zusammen mit Dr. Kuhlicke und der Unterstützung von Fritz Schön, der die Geschäftsstelle als Bindungsglied zwischen Vorstand und Beirat leiten wird. „Ich finde es gut, dass die Mittel relativ unbürokratisch in der Region eingesetzt werden. Dafür engagiere ich mich gern.“

Auch Großneffe Dr. Kuhlicke freut sich auf die neue Aufgabe: Denn in seinen mittlerweile 42 Jahren kennt der Wahl-Leipziger Neumarkt und dessen Umgebung bestens. Ob früher als Schüler in den Schulferien oder später in den Semesterferien, als er für die Firma von Michael Fuchs arbeitete, war Dr. Christian Kuhlicke viel in der Metrop0le der West-Oberpfalz. Das Jura-Volksfest habe er zu schätzen gelernt. Von Beruf her ist er am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig auf die Forschung zur Vermeidung von Hochwasserschäden spezialisiert. Mit Stefan Wittmann ist er sicher, dass die Stiftung auch in Zukunft zum Wohl vieler Menschen einiges tun kann.

Auch wenn mit der Neuwahl von Vorstand und Beirat das Ehepaar Fuchs nicht mehr an vorderster Front steht, ihr Lebenswerk wird weitergeführt. „Ich werde nicht ganz die Hände in den Schoß legen“, kündigt Michael Fuchs lächelnd an. Außerdem steht bald sein 85. Geburtstag an und dann wird er sicher wieder um Spenden für seine Stiftung bitten, anstatt um Geschenke.

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Gut zu wissen

  • Der neue Vorstand:

    Stefan Wittmann, Dr. Christian Kuhlicke

  • Der neue Beirat:

    Waltraud Fuchs (Vorsitzende), Birgit Wagner, Gerti Buchwald, Helmut Oberleiter, Fritz Schön.

  • Spenden:

    Wer die Arbeit der Stiftung unterstützen möchte, kann Geld auf folgende Konten überweisen: HypoVereinsbank Neumarkt, IBAN: DE38 7602 0070 0648 9393 70 oder Sparkasse Neumarkt-Parsberg, IBAN DE91 7605 2080 0042 3683 16.

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