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Kolumne

Hunde auf der Anklagebank

Dieses Mal befasst sich der Neumarkter Jurist mit bissfesten Vierbeinern, klagenden Besitzern und gefährlichem Strom.
Von Geedo Paprotta, Rechtsanwalt

Nicht alle Hundebesitzer gehen auf Nummer sicher und legen ihrem Vierbeiner einen Maulkorb an. Foto: Marcus Brandt/dpa
Nicht alle Hundebesitzer gehen auf Nummer sicher und legen ihrem Vierbeiner einen Maulkorb an. Foto: Marcus Brandt/dpa

Neumarkt.Hunde begleiten uns Menschen nach Schätzung einiger Wissenschaftler schon seit 100000 Jahren als Haustiere. Da sollte man doch meinen, dass diese Tiere zwischenzeitlich gelernt haben, wie man sich unter Menschen benimmt? Aber nein, andauernd gibt es Ärger mit Hunden und damit müssen sich dann die Gerichte herumplagen.

Zum Beispiel das Landgericht Nürnberg-Fürth. Folgendes hatte sich zugetragen: Ein Mann war mit seinem Rauhaar-Teckel-Rüden unterwegs und dachte sich nichts Böses, als ein Wagen vorfuhr. Daraus entstieg ein anderer Mann – in Begleitung eines nicht angeleinten riesigen Riesenschnauzers. Der beschnupperte den Dackel interessiert und fand ihn offensichtlich ziemlich lecker. Jedenfalls hat er herzhaft zugebissen.

Diskutiert wurde vor Gericht auch die Variante, dass der Dackel in einem Anflug von Größenwahn versäumt hatte, angemessene Unterwerfungsgesten anzubieten, was der Große als unhaltbare Provokation empfand. Das Dackel-Herrchen ging dazwischen, wurde dabei gebissen, konnte aber nicht mehr helfen.

Der Dackel ging in die ewigen Rauhaargründe ein und sein Eigentümer verlangte Schadenersatz und Schmerzensgeld. Das gab’s dann auch. Für den Hund die Anschaffungskosten (eines „Gebrauchten“), außerdem vergeblich aufgewendete Impf- und Aufzuchtkosten. Beim Herrchen wandte die gegnerische Hundehalterhaftpflicht ein, man dürfte doch nicht einfach zwischen zwei kämpfende Hunde gehen – selber schuld! Das Gericht aber erkannte einen „Verteidigungsnotstand“ und billigte ein Schmerzensgeld aus Tierhalterhaftung zu (Az. 13 S 6213/91).

Was aber, wenn einen der eigene Hund beißt? Man möchte doch meinen, damit müsse man als Frauchen oder Herrchen schon selber klar kommen? Man kann sich ja schlecht selber Schmerzensgeld bezahlen und Hunde sind in der Regel chronisch pleite. Das Landgericht Bückeburg hatte allerdings folgende Idee: Die Stadt soll bezahlen!

Die Sache lief so ab: Es waren die Tage vor Weihnachten. Die Klägerin spazierte in der Dezemberdunkelheit eine Straße entlang und bewunderte die Weihnachtsbeleuchtung an den Laternenmasten. Plötzlich jaulte der Hund und warf sich hin. Als das besorgte Frauchen sich zu dem Zamperl hinab beugte, biss der Hund kräftig zu.

Wie sich herausstellte, hing von der Weihnachstdeko ein loses Stromkabel herunter und hatte das Haustier voll elektrisiert, so dass das Kerlchen Panik bekam und Freund und Feind nicht mehr zu unterscheiden wusste. Die verklagte Stadt wandte ein, der Hund sei selber schuld, er hätte nur deshalb einen Stromschlag bekommen, weil er an den Laternenmast gepieselt hat und es geschehe ihm ganz recht. Doch das Gericht befand, dass es überhaupt nicht geht, dass die Stadtwerke ihren Strom nicht im Zaum halten und jedweder daraus resul-Tier-ende (das Wortspiel müssen sie mir durchgehen lassen) Schaden sei deshalb auch von der verantwortlichen Stadt zu ersetzen (Az. 2 O 277/).

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