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Vermisstensuche

Hunde üben Menschenrettung in Neumarkt

Die Spürnasen Lotte und Barbara streifen durchs Labyrinth der Lagerhalle in der Daimlerstraße. Ein Mann wird vermisst.
Von Josef Wittmann

Der Berner Sennenhund Happy, 8 Jahre, aus Thüringen, hat das Mantrailing-Opfer gefunden. Ludwig Jakob revanchiert sich mit einer leckeren Belohnung. Foto: Wittmann
Der Berner Sennenhund Happy, 8 Jahre, aus Thüringen, hat das Mantrailing-Opfer gefunden. Ludwig Jakob revanchiert sich mit einer leckeren Belohnung. Foto: Wittmann

Neumarkt.Teams aus ganz Deutschland nahmen am Seminar der Rettungshundestaffel Bayerischer Jura in Neumarkt teil: Es ist Samstagnachmittag. Lotte und Barbara streifen durchs Labyrinth der Lagerhalle in der Daimlerstraße. Ein Mann wird gesucht. Lotte ist mit allen Sinnen bei der Sache. Vor allem mit dem Geruchssinn, denn Lotte ist ein Australian Shepherd.

Sie führt ihr Frauchen Barbara zielstrebig kreuz und quer durch das Lager zum Opfer, das sich in einer finsteren Ecke hinter großen Paletten versteckt hat. Ludwig Jakob erklärt: „Jeder Mensch verliert jede Sekunde Micro-Hautschuppen. Der Hund riecht tagelang den Zersetzungsprozess und kann sogar das Alter des ‚Trails‘ erkennen. Das nennt man Mantrailing“

Mitglied der Rettungshundestaffel

Er ist Mitglied der Rettungshundestaffel Bayerischer Jura e.V. Die Gruppe in der Daimlerstraße wird von Annette Holtmeier geleitet. Sie ist zertifizierte Ausbilderin und legt die Trails für die sechs Teilnehmer ihrer Gruppe, die von Rettungshundestaffeln aus der ganzen Republik von Berlin bis Landshut zu dem Seminar nach Neumarkt gekommen sind.

Rettungshunde: Auf der richtigen Spur

  • Suche:

    Mantrailer können der Spur eines Gesuchten folgen. Auch wenn sie mehrere Tage alt ist.

  • Witterung:

    Flächensuchhunde durchstöbern das Gelände nach menschlicher Witterung und zeigen Personen an, die sie finden.

  • Leichen:

    Wasserortungshunde suchen menschlichen Geruch, der aus dem Wasser aufsteigt und finden Leichen bis zu 50 Meter Tiefe.

Ihre Schüler sind weniger die Hunde, als die Menschen, denn „letztlich ist das viel Interpretation von menschlicher Seite. Der Hundeführer muss das Verhalten seines Hundes richtig lesen lernen“, weiß Jakob und erzählt, insgesamt seien an diesem Seminartag vier Mantrailing-Gruppen unterwegs.

Der Spezialist aus Freiburg hilft. Foto: Wittmann
Der Spezialist aus Freiburg hilft. Foto: Wittmann

Eine fünfte Gruppe vereine die auf „Flächensuche“ spezialisierten Hunde. Die würden im Rettungsfall von den Behörden zugezogen, wenn Gebäude oder Wälder abzusuchen seien. Für die Gruppe der Wassersuchhunde haben die Veranstalter den erfahrenen Wasserausbilder Janos Reiberg der Rettungshundestaffel Freiburg eingeladen. Diese Hunde erschnüffelten Leichengas, das an die Wasseroberfläche steige und sich dann ausbreite. Ihre Aufgabe sei, Tote unter der Wasseroberfläche zu finden und ihrem Menschen die Stelle anzuzeigen.

Damit Ihnen das Training Spass macht, hat der Experte aus Baden eine ‚Bestätigungsmaschine‘ erfunden. Wenn der Hund seine Aufgabe erfüllt hat, steigt zur Bestätigung ein Lieblingsspielzeug des Vierbeiners an die Wasseroberfläche und Mensch und Hund legen zur Belohnung eine Spielrunde ein. Auch die Mantrailer und Flächensuchhunde bekommen zur Belohnung ein Leckerli. Ludwig Jakob ist sich sicher: die eigentliche Motivation der tierischen Retter sei die Freude am Tun. Das sei wie bei Menschen. „Ohne Moos nix los, aber echte Motivation hat nur der, den seine Arbeit befriedigt“. Das gilt auch für die Menschen am anderen Ende der Schleppleine, denn die Retter finanzieren ihre Arbeit aus Eigenmitteln und Spenden.

365 Tage im Jahr, 24 Stunden

Das ist, als ob die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr ihre Fahrzeuge und Uniformen selbst kaufen müssten. Insgesamt haben sich 40 Mensch-Hund-Teams für das Seminar angemeldet, erzählt Eda Lutter, die seit 2003 bei der Rettungshundestaffel mitmacht. Die Suche nach verirrten Demenzkranken sei ein häufiger Einsatzgrund, erzählt sie. Aber auch wenn suizidgefährdete Menschen vermisst werden oder wenn Unfallopfer nicht zu finden sind, würden die Rettungshundestaffel angefordert. Ehrenamtlich, unentgeltlich und an 365 Tagen im Jahr 24 Stunden täglich seien sie mit ihren gut ausgebildeten Hunden in Rufbereitschaft und trainierten zweimal pro Woche. Lutter erzählt, ihr prägendstes Erlebnis sei gewesen, als ihre Hündin eine vermisste Frau aus dem Altersheim lebend gefunden habe.Viele der Teilnehmer des Seminars berichten von ähnlichen Erlebnissen. Und man spürt, dass ihnen ihr Tun genauso wichtig ist, wie ihren Hunden.

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