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Gesundheit

Immer mehr Kranke ohne Kassenschutz

Bei der Nürnberger Straßenambulanz suchen immer mehr Patienten ohne Krankenversicherung Hilfe. Doch die Spendengelder reichen für die Nachfrage nicht.
Von Stiliana Doynova, dpa

  • Roland Stubenvoll, Leiter der Straßenambulanz „Franz von Assisi“, behandelt mit der Krankenpflegeschülerin Kathrin Hauke (l.) eine Patientin. Die Ambulanz zählt etwa 30 bis 50 Patienten pro Tag. Foto: dpa
  • Roland Stubenvoll, Leiter der Straßenambulanz „Franz von Assisi“, steht in einem Behandlungszimmer der Einrichtung: Die Ambulanz zählt etwa 30 bis 50 Patienten pro Tag. Foto: dpa

Nürnberg.In der Straßenambulanz „Franz von Assisi“ in Nürnberg herrscht reger Betrieb. Roland Stubenvoll, der Leiter der Einrichtung, zählt etwa 30 bis 50 Patienten pro Tag. Hinzu kommen täglich etwa 70 Drogenabhängige zur Methadonausgabe. Seit vergangenem Jahr wächst außerdem eine weitere Patientengruppe stark an: Migranten aus Bulgarien und Rumänien – auf der Suche nach einem besseren Leben in Deutschland und ohne Krankenversicherungsschutz.

In erster Linie werden hier Patienten behandelt, die in regulären Arztpraxen abgewiesen werden, erklärt Stubenvoll. Entweder weil sie die Kosten für die Behandlung nicht tragen können oder nicht krankenversichert sind. Manche stoßen auch wegen Suchterkrankungen oder HIV auf Ablehnung – oft sind es mehrere Ursachen.

Ein Franziskanerbruder hatte die Straßenambulanz 1995 zur Notfallversorgung von Obdachlosen gegründet. Unter Leitung der Caritas verfügt sie inzwischen über ein weites Netzwerk und vermittelt als zentrale Anlaufstelle zwischen Notunterkünften, Streetworkern oder dem Klinikum.

Jährliches Defizit von 70 000 Euro

„Für uns arbeiten täglich zwei Allgemeinärzte vor Ort, zusätzlich ehrenamtlich einmal pro Woche eine dritte Ärztin, die speziell Kinder behandelt, und ein Chirurg“, erzählt Stubenvoll. Außerdem leitet die Straßenambulanz Patienten an 17 kooperierende Zahnärzte und 44 Fachärzte in privaten Praxen weiter.

„Auf lange Sicht darf die medizinische Behandlung armer oder unversicherter Menschen nicht auf Ehrenamt und Spenden aufgebaut sein, da das System schnell kippen kann“, warnt Stubenvoll. Inzwischen summiert sich das jährlich Defizite der Straßenambulanz auf rund 70 000 Euro.

Die größte Herausforderung bestehe darin, immer mehr nicht krankenversicherte Personen zu behandeln, erklärt der Ambulanzleiter. „Im Jahr 2004 hatten nur etwa 25 Prozent unserer Patienten keinen Versicherungsschutz, heute sind es zwischen 55 und 60 Prozent.“ Ein Großteil dieser Personengruppe sind Migranten aus Bulgarien und Rumänien, deren Zahl sich allein von 2012 auf 2013 um das Zweieinhalbfache erhöht hat.

Ganze Familien kommen nach Nürnberg

Martina Mittenhuber, die Leiterin des Menschenrechtsbüros der Stadt Nürnberg, bemüht sich um eine finanzielle Unterstützung der Straßenambulanz. Sie hat zusammen mit anderen einen aus Spenden gespeisten Hilfsfonds gegründet, der seit drei Jahren bei fehlendem Kassenschutz einspringt. Doch auch diese Mittel sind sehr begrenzt. Es fehle an Unterstützung der öffentlichen Hand, klagt Mittenhuber. „Nürnberg ist kein Einzelfall, bundesweit müssen die Kommunen momentan Versäumnisse auf EU-Ebene und Bundesebene ausgleichen.“

Von nächstem Jahr an rechne man bundesweit mit weiteren 200 000 bis 400 000 bulgarischen und rumänischen Einwanderern, sagt Mittenhuber. Denn von 1. Januar 2014 an gilt die volle EU-Arbeitnehmerfreizügigkeit – auch Bulgaren und Rumänen können sich dann überall in der EU einen Job suchen.

Sorgen bereitet den Helfern der Straßenambulanz schon jetzt, dass inzwischen ganze Familien, schwangere Frauen und auch immer mehr Kinder aus Osteuropa nach Nürnberg kämen. 2012 waren es 63, heuer schon 129 unter 18-Jährige – Tendenz steigend. Besonders Kleinkinder bedürften dringend medizinischer Versorgung und müssten geimpft werden – ohne Krankenversicherung ist das sehr kostspielig. (dpa)

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