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Neumarkt

Immer mehr „Rempler“ hauen einfach ab

Unfallflucht ist immer eine Straftat, egal wie gering der Schaden ist. Das hat die Polizei in einer Aktion verdeutlicht.
Von Helmut Sturm

Neumarkts Polizeichef Michael Danninger begutachtet einen Schaden. Foto: Sturm
Neumarkts Polizeichef Michael Danninger begutachtet einen Schaden. Foto: Sturm

Neumarkt.Immer häufiger kommt es in Bayern – und das nicht nur in den Ballungsräumen, sondern auch in den mittelgroßen Städten – zu Verkehrsunfallfluchten. Seit Jahren ist hierbei auch im Zuständigkeitsbereich der Polizeiinspektion Neumarkt ein Anstieg beim Delikt Unfallflucht zu verzeichnen. Unfallflucht ist kein Kavaliersdelikt. Das gilt auch für Bagatellschäden durch „Parkplatzrempler“.

Die Statistik zeigt bundesweit eine Zunahme des Unerlaubten Entfernens vom Unfallort – also der Fahrerfluchten. Gleichzeitig geht damit einher ein Rückgang bei den Aufklärungen dieser Straftaten. Die Neumarkter Verkehrsteilnehmer sind keine Ausnahme und folgen leider diesem Trend.

Das kann nicht so bleiben

Bei der Vorstellung der Verkehrsunfallstatistik für den Dienstbereich der Polizeiinspektion Neumarkt wurde dies deutlich. Die Verkehrsunfälle mit anschließender Unfallflucht stiegen in den letzten zehn Jahren von 271 auf 367. Die Aufklärungsquote bleibt seit Jahren konsequent auf einem niedrigen Niveau. Von 367 Fällen im Jahr 2017 konnten nur 119 aufgeklärt werden.

Carina Ferstl: „Auf einem Kundenparkplatz kam mir ein Mann entgegen und informierte mich, dass jemand mit seinem vollen Einkaufswagen in mein Auto gefahren ist. Leider hat er vergessen, sich Fahrzeugtyp und Autokennzeichen zu notieren, ich habe daher keine Anzeige erstattet.“ Foto: Sturm
Carina Ferstl: „Auf einem Kundenparkplatz kam mir ein Mann entgegen und informierte mich, dass jemand mit seinem vollen Einkaufswagen in mein Auto gefahren ist. Leider hat er vergessen, sich Fahrzeugtyp und Autokennzeichen zu notieren, ich habe daher keine Anzeige erstattet.“ Foto: Sturm

Da dies nicht so bleiben soll, luden Neumarkts Polizeichef, Michael Danninger, und Herrmann Pfeifer, Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Neumarkt, die Neumarkter Bürger zu einer Präventionskampagne auf den Kundenparkplatz eines Verbrauchermarkts“ ein.

Diesmal war das anders. Mehrere Polizeifahrzeuge und ein durch einen Parkrempler beschädigtes Fahrzeug des Autohauses Fischer erregten dann doch so einiges an Aufsehen.

Man musste beim Schadensfahrzeug schon genau hinsehen, um den Schaden zu erkennen. Trotzdem war er da – auf der Beifahrer-Seite. „Ein ganz typischer Fall, so Oberkommissar Thomas Quaas, der Schaden wird oftmals erst viel später bemerkt.“

Die meisten Besucher hatten bereits Erfahrungen mit Unfallfluchten bei Bagatellschäden. Bezeichnenderweise aber nur als Geschädigter.

In den Gesprächen mit den Polizisten und Petra Traboulsi von der Verkehrswacht wurde oft deutlich, dass es beim Verhalten nach Unfällen und im Besonderen bei Bagatellschäden große Unsicherheiten gibt. Ein durchgehendes Thema war die „angemessene Wartezeit“. Michael Danninger erklärte sie so: Auf einem Supermarkt-Parkplatz sind 30 Minuten zumutbar. Wenn dann der Geschädigte immer noch nicht festgestellt werden konnte, unbedingt die Polizei verständigen und eine Mitteilung am Fahrzeug mit Personalien, Kennzeichen und Telefonnummer hinterlassen.

Lydia Gerstacker: „Als Service-Leiterin beim Autohaus Fischer werde ich oft mit enttäuschten und verärgerten Kunden nach unaufgeklärten Unfallfluchten konfrontiert. Sie bleiben auf den Kosten sitzen, die sie nicht verursacht haben.“ Foto: Sturm
Lydia Gerstacker: „Als Service-Leiterin beim Autohaus Fischer werde ich oft mit enttäuschten und verärgerten Kunden nach unaufgeklärten Unfallfluchten konfrontiert. Sie bleiben auf den Kosten sitzen, die sie nicht verursacht haben.“ Foto: Sturm

„Wenn ich aber nachts um 2 Uhr auf einer abgelegenen Landstraße ein Verkehrszeichen beschädige, reicht es, die Polizei telefonisch zu verständigen, notfalls auch über die 110“. Die Aufklärung von Unfallfluchten bei Kleinschäden sei deshalb so unbefriedigend, weil es in der Regel keine Zeugen gebe, oder diese sich nicht melden. Wichtig sei es, das Kennzeichen, den Fahrzeugtyp und nach Möglichkeit eine Fahrerbeschreibung abzugeben.

Anzeige oder keine Anzeige?

Auch wenn eine Anzeige mehr Arbeit verursache, so die Polizisten, könne die Aufklärung gesteigert werden. Manchmal würden sich Zeugen zeitversetzt melden oder das schlechte Gewissen lasse den Schädiger nicht ruhen und er meldet sich dann doch.

Thomas Jabs: „Die Schramme auf meiner Beifahrer-Seite habe ich nicht sofort bemerkt. Es muss auf einem Parkplatz beim Einkaufen passiert sein. Auf eine Anzeige bei der Polizei habe ich verzichtet. Was soll dabei schon herauskommen – ohne Zeugen.“ Foto: Sturm
Thomas Jabs: „Die Schramme auf meiner Beifahrer-Seite habe ich nicht sofort bemerkt. Es muss auf einem Parkplatz beim Einkaufen passiert sein. Auf eine Anzeige bei der Polizei habe ich verzichtet. Was soll dabei schon herauskommen – ohne Zeugen.“ Foto: Sturm

Herrmann Pfeifer von der Verkehrswacht kritisiert die zu schmalen Parkplatzbuchten. „Die Autos werden immer breiter und flacher, aber die Parkplätze bleiben gleich schmal.“ Der Parkplatz bei Kaufland sei dagegen vorbildlich mit mehr Platz und breiteren Trennstreifen. Er rät zu vorausschauendem Parken. Mit Kombis oder SUV´s lieber ein paar Schritte weiter gehen, als sich in einen zu schmalen Parkplatz reinzuquetschen und so einen Parkplatzrempler zu riskieren.

Thomas Quaas: „Viele Verursacher, gerade von Bagatellschäden, hoffen darauf, dass es keiner gesehen hat. Als Ausrede kommt dann oft: es zahlt ja doch die Versicherung. Manche wissen auch in der Schrecksekunde nicht, was richtigerweise zu tun wäre und hauen dann ab.“ Foto: Sturm
Thomas Quaas: „Viele Verursacher, gerade von Bagatellschäden, hoffen darauf, dass es keiner gesehen hat. Als Ausrede kommt dann oft: es zahlt ja doch die Versicherung. Manche wissen auch in der Schrecksekunde nicht, was richtigerweise zu tun wäre und hauen dann ab.“ Foto: Sturm

Mit ihrer Aktion wollten die Organisatoren das Thema Unfallflucht auch im Bagatellbereich thematisieren. Sie haben beide Seiten vorgestellt. Den Schädiger, der auf Nichtentdeckung setzt, aber auch den Geschädigten, der in der Regel auf mehreren hundert Euro Schaden sitzenbleibt, den er nicht verursacht hat. Groß war aber auch der Anteil derer, die nicht genau wussten, wie sie sich denn richtig zu verhalten haben.

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