mz_logo

Region Neumarkt
Samstag, 26. Mai 2018 23° 3

Humor

In ihm steckt ein Erzengel

Der Kabarettist Michael Altinger ließ sich im Kolpinghaus aus. Über Versicherungen, über Thailandurlauber und über Trump.
Von Josef Wittmann

Hier telefoniert Michael Altinger vermutlich mit seinem Versicherungsvertreter. Foto: Josef Wittmann

Neumarkt.Das Ganze soll eine Revue in drei Akten werden und der erste Teil heißt „Hell“ und ist wahlweise deutsch oder englisch zu verstehen. Kabarettist Michael Altinger tourt damit seit 2016 durch Bayern. Noch 2019 soll der zweite Teil „Halbdunkel“ auf die Bühne kommen.

Das Finale „Finster“ werde dann ab 2022 zwei Jahre lang als Dauergastspiel im Caesars Palace, Las Vegas, aufgeführt, plant Altinger, der seit mehr als 25 Jahren auf der Bühne steht und 2017 mit dem Bayerischen Kabarettpreis ausgezeichnet wurde. Am Donnerstag gastierte er im Neumarkter Kolpinghaus. „Hell“ ist der Einstieg Altingers ins philosophische Kabarett und handelt schlicht von Gut und Böse. Und von Versicherungen. „Ich bin ein unbescholtener Mensch. Edel, hilfreich und rein. Niemals betrog ich meine Versicherung“, stellt sich Altinger dem Publikum vor. Schließlich heiße er Michael. Da stecke der Erzengel drin und mindestens sei er eine Art Mutter Teresa. Eine Lichtgestalt, wie sie jeder im Saal gerne werden will. Weg vom Alltag mit Arbeit, Alkohol, verpasstem Sport und Modeerscheinungen wie Konzepthotels mit gläsernen Klotüren. Sich etwas Bleibendes für die Ewigkeit verschaffen, etwas, das über die Dauer der eigenen Existenz hinausreicht, das möchten doch alle.

Malen am Heiligenschein

Kants rezitierend („Ich bin der fleischgewordene kategorische Imperativ der Straßenverkehrsordnung“) malt der Kabarettist fröhlich an seinem Heiligenschein. Der Spagat zwischen Philsophie und Comedy ist groß, oft setzen sich die Witze durch und werden mit Beifall honoriert.

Zusammen mit seiner Ein-Mann-Band, Martin Julius Faber, führte Altinger sein Publikum vom Himmel durch die Welt zur Höllenglut. Er freut sich daran, die Extreme zu zeigen. Vom scheinheiligen „Ich glaube an Gott, deshalb habe ich auch meine Rechtsschutzversicherung gekündigt“ bis zum Trumpschen Credo „Das Verändern von Fakten macht uns göttlich“ braucht’s nur eine Reihe von Telefonaten des Kabarettisten mit seinem niederbayerischen Versicherungsvertreter Florian Wimberger im heimischen Strunzenöd. Da steht am Anfang die gestenreich proklamierte Übernahme von Verantwortung für den Blechschaden an einem fremden Maserati beim Einparken. Anderthalb Stunden und eine handvoll Telefonate später werden falsche Zeugen gegen den Unfallgegner aus dem Hut gezaubert und das Resümee gezogen „Heutzutage braucht man Anwälte und Rechtschutz“.

So sei die Gesellschaft eben. Ohne Touristen, die sich den Thailandurlaub mit einem Versicherungsbetrug finanzieren, litte man dort in Südostasien Not, kolportiert Altinger. „Mir geht‘s um die Wahrheit, die reine Moral“ verkündet er selbstironisch, als längst klar ist, dass auch für seine Bühnenfigur die Blutsfreundschaft mit dem Unfallgegner aufhört, der sich für seine demolierte Luxuskarosse einen Leihwagen leiste „mit einem Anhänger auch von Ferrari zum Brennesselwegfahren. Den mach‘ ma fertig, den Maserati!“. Das Publikum lacht schallend, weil Altinger sich verteidigt: „Ich habe die Fakten nicht verdrescht. Ich habe lediglich Alternative Fakten geschaffen“.

In jedem Zuhörer steckt wohl auch ein kleiner Trump. Auch wenn‘s um die Frauen geht. Der Bühnen-Altinger bläht sich auf „immer war ich die Pfeilspitze des Feminismus, immer ganz vorne mit dabei. Ich und der Kachelmann“. Und singt zur Bestätigung das „Aperol-Spritz-Tussi-Lied“.

Moderne Verschwörungstheorien

Der rasche Wechsel von Gags und Songs leistet schwarzem Humor Vorschub und auch Sätze wie „Die Sieger von morgen sind die gequälten Kinder von heute“ werden von den Konsumenten mit Lachen quittiert. Das Weltbild des Bühnen-Altingers ist modern, sofern Verschwörungstheorien à la AfD und Pegida modern sind. Altinger stellt fest, dass 16 Personen die Geschicke der Welt lenkten. Da gehören Aleandra Dobrindt dazu und Rosi Mittermeier.

Nicht immer wird der Platz eines Couplets oder Wortbeitrags im Gesamtpuzzle des Programms ganz klar, aber das tat dem Beifall im Kolpinghaus keinen Abbruch.

Hier finden Sie weitere Nachrichten aus Neumarkt und Umgebung.

Die wichtigsten Informationen des Tages direkt auf das Mobilgerät: Mit MZ und WhatsApp bleiben Sie stets auf dem Laufenden.

Die Kommentarfunktion steht exklusiv unseren Abonnenten zur Verfügung. Als Abonnent melden Sie sich bitte an oder registrieren Sie sich. Alle anderen Nutzer finden preiswerte Angebote in unserem Aboshop.

Anmelden Registrieren Zum Abo-Shop

Sie sind noch nicht registriert?

Neu registrieren

MessageBox

Nachricht